Allein kochen, gemeinsam essen

+
Claude De Demo in der Kleinmarkthalle

„Ich habe wahnsinnig viele Kochbücher. Wenn ich Ruhe brauche, staple ich Kochbücher um mich rum. Rezepte lesen ist fast wie ein gutes Buch lesen – manchmal.“ Claude De Demo ist seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied im Schauspiel Frankfurt. Von Astrid Biesemeier

Und leidenschaftliche Köchin. „Es entspannt mich. Ich kann gut nachdenken, wenn ich allein in der Küche bin und meine Zutaten schnibble. Das ist wie Meditation. Manche Menschen haben das ja beim Sport. Bei mir funktioniert das nicht“, sagt sie und lacht, weil sie sich unsportlich findet. Kürzlich nach Frankfurt gezogen, steht für sie bereits fest, dass die Kleinmarkthalle ihr Lieblingsort ist. „In Bochum hatte ich manchmal Schwierigkeiten, bestimmte Zutaten zu bekommen. Aber hier bekommt man einfach alles“, schwärmt sie.

Gern nähme sie an einer TV-Kochshow teil. Indes wäre es ihr unangenehm, wenn ihr Essen dann nicht schmeckte. Schließlich kann sie sich schon ohne Publikum ärgern, wenn etwas nicht so gelingt. Aber auch darüber lacht sie.

Lange war Claude De Demo sich nicht sicher, ob sie Schauspielerin werden sollte. Ursprünglich wollte sie die Hotelfachschule in Lausanne absolvieren. Und fast staunt man, dass die Liebe die Weichen anders stellte. Lachend erzählt sie, dass sie einen Schauspieler beeindrucken wollte und mit der Schauspielerei angefangen habe. Es hat geklappt – mit dem Beeindrucken, dem Schauspieler und der Schauspielerei.

Nach ihrer Ausbildung arbeitete De Demo bald an größeren Theatern wie Bochum, Köln, Mannheim oder Stuttgart. 2007 wurde sie mit dem Bochumer Theaterpreis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet, 2004 war die beste Nachwuchsdarstellerin Nordrhein-Westfalens.

In „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow (Premiere heute, 19.30 Uhr) spielt De Demo die Rolle der Mascha. In dem Bühnenklassiker geht es um das Vergehen von Zeit und den Verlust von Hoffnungen. Mascha ist eine der drei Schwestern, die in der Provinz sitzen und sich nach Moskau sehnen. Als einzige ist Mascha an den Ort gebunden, weil verheiratet.

„Ich glaube, sie weiß, dass sie nicht nach Moskau kommt“, sinniert De Demo. „Ihr geht es gar nicht um den Ort. Für sie bedeutet Moskau, dahin zu kommen, wo es früher schön war, wo ihre Eltern lebten. Vielleicht geht es eher um die Erinnerungen an eine Zeit, da die Familie vereint war. Aber die Eltern sind gestorben, und in dem Ort, in dem die Schwestern leben, ist alles verroht.“

So genau hat sie das noch nicht ergründet, und manche Vorstellungen von einer Figur ändern sich im Probenprozess, in dem man immer wieder Neues entdeckt. Aber bei dem Thema Gesellschaft und Gemeinschaft kommt ihr ein Gedanke: „Ich glaube, das ist wie bei mir mit dem Kochen.“ Während Claude De Demo da Ruhe mag, ist das Essen eine gemeinschaftliche Angelegenheit. „Für mich allein macht mir das Kochen keinen Spaß. Ich finde es schön, wenn Menschen an einem Tisch sitzen und gemeinsam essen und trinken. Das ist für mich Leben. Aber allein bin ich ohnehin nicht gern.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare