Alles mündet in „RMV-Dialekt“

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Der älteste nachgewiesene literarische Text in Frankfurter Mundart datiert um 1730: Christian Friedrich Henrici alias Picander druckte ein angeblich von einem Schweden mitgeteiltes Gedicht in der als fremd empfundenen Sprache ab.

Michael Quast, geboren in Heidelberg und mithin selbst kein Hesse, entwickelt mit Blick auf die Frankfurter Mundart philologischen Eifer. Der Gründer der Fliegenden Volksbühne gräbt vergessene Dichter aus und präsentiert sie in humorigen, biografisch unterfütterten Leseabenden. Nun ging es um Grundlegenderes. Von Stefan Michalzik

Unter dem Titel „Am Anfang war – das Gebabbel. Frankfurterisch in frühen und frühesten Zeugnissen“ beschäftigte Quast sich mit seinem Ensemble im Frankfurter Schauspiel mit den Ursprüngen des Zungenschlags. Zu unterscheiden ist zuallererst zwischen Altsachsenhäuserisch und dem Frankfurterischen. Das Sachsenhäuserisch ist dem oberhessischen Sprachraum zuzurechnen, der von der Wetterau bis zum Main-Kinzig-Kreis reicht. Es klingt derber und die Rs werden markant gerollt. Beide Mundarten sind allerdings, so Quasts Befund, dabei, im „RMV-Dialekt“ aufzugehen.

Im persiflierend überzeichneten Seminarstil, mit dem ersonnenen Literaturforscher Professor Quast und Alexander J. Back als streberhaftem Doktoranden mit staubenden Büchern, setzte die Suche – erfolglos – in der Römerzeit an. Der älteste nachgewiesene literarische Text in Frankfurter Mundart datiert um 1730: Christian Friedrich Henrici alias Picander druckte ein angeblich von einem Schweden mitgeteiltes Gedicht in der als fremd empfundenen Sprache ab. Das erste frankfurterische Theaterstück ist das von Goethe geschätzte Lustspiel „Die Entführung oder Der alte Bürger-Capitain“ von Carl Malss, 1821 uraufgeführt.

Vom chorisch geraunten Sachsenhäuser Vaterunser über Goethes Mutter Aja bis zur „Frankfurter Dramaturgie“, einer fiktiven Briefsammlung von Heinrich Wilhelm Seyfried, arbeiteten sich die Seminaristen, unterstützt von der Komödiantenschar Lucie Mackert, Hildburg Schmidt und Philipp Hunscha mit effektsicherem Klamauk durch die Jahrhunderte.

Wüste Schimpfkanonaden sind immer eine Bank beim Publikum – dem anständig Zucker zu geben vorderstes Ansinnen des mit seriösem wissenschaftlichen Beistand der echten Doktoren Sabine Hoch und Rainer Dachselt arbeitenden fröhlichen Philologen.

Quelle: op-online.de

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