Allzu stilvoller Abgesang

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Gefangene der Konventionen: Carine Séchaye als Octavian und Aki Hashimoto als Sophie in Darmstadt.

Darmstadt - Auf einem Glaskubus platziert nimmt Sophie die Rose von Octavian entgegen, wie eine ausgestellte Heiratskandidatin in diesem so filigranen Bild aus dem zweiten Akt des „Rosenkavaliers“. Von Axel Zibulski

Es ist einer der wenigen Momente, in dem Peter Lunds Darmstädter Neuinszenierung der Oper von Richard Strauss zumindest leicht kommentierende Haltung einnimmt. Ansonsten: Guckkasten-Salon, Reifröcke, Perücken, livrierte Lakaien und tatsächlich der huschende „kleine Neger“ aus dem Libretto Hugo von Hofmannsthals. Links eine überdimensionale Tür in verzerrter Perspektive als Eingang ins Wien der Zeit Maria Theresias.

Regisseur Peter Lund zeigt zu Bühnenbild und Kostümen von Claudia Doderer die seit der Dresdner Uraufführung 1911 populärste Strauss-Oper in einer Inszenierung, die eher unfreiwillig dem Strauss-Hofmannsthalschen Abgesang aufs alte Wien Konturen gibt. Das alles wirkt, bei leicht belebter Personenführung, allzu gestrig. So erscheint gerade Yasmina Maamars vokal stabile Marschallin als bildlich im Korsett der Konventionen Gefangene, die mit leicht mattem Glanz von der Zeit als „sonderbar Ding“ singt. Alle haben sie Stil, auch der Baron Ochs auf Lerchenau, dem Albert Pesendorfer bei Wiener Idiom und aller Derbheit fast schon sanfte Züge verleiht.

Hart, schroff und aufreibend erklingt das Vorspiel

Bei so viel Stil erlahmt die Szene allerdings recht bald. Hat sich die Marschallin im ersten Akt erst einmal aus dem Liebesnest mit dem jüngeren Octavian (in der Hosenrolle: Carine Séchaye) erhoben, sollte es weiterhin turbulent zugehen im Salon, mit Geschäftlichem, Bittstellern und italienischem Tenor (schmelzend: Lucian Kraznec). Doch das alles passiert so unspektakulär und unaufgeregt Revue wie die ganze Neuinszenierung. Gegen Ende stehen Marschallin, Octavian und Sophie, in der zweiten Vorstellung von Marie Rose Koenn soubrettenhaft gesungen, zu ihrem Terzett aufgereiht an der Bühnenrampe. Ein Abgesang, der fast schon konzertante Züge trägt. Warum nur fehlt Peter Lund weitgehend eine sichtbare Haltung zu dem Stück?

Nächste Vorstellungen am 27. März sowie am 8., 18. und 30. April.

Was szenisch eher lähmend wirkt, bereitet Dirigent Martin Lukas Meister immerhin musikalisch belebend auf. So ganz hat sich Richard Strauss mit dem „Rosenkavalier“ eben doch nicht, wie oft behauptet, in die tönende Konvention verabschiedet: Hart, schroff und aufreibend etwa lässt Meister das Vorspiel zum letzten der drei Akte klingen.

Die erste Aufführung nach der Premiere war allerdings technisch alles andere als eine Sternstunde des Darmstädter Orchesters: Am leisen Ende des ersten Akts standen die solistischen Streicher unbeirrt fehlintonierend im Raum, die Holzbläser klangen immer wieder fahrig, das Blech wirkte dominant. In den kleineren Partien blieb Werner Volker Meyers neureicher Wiener Faninal weit eleganter als Elisabeth Hornungs Annina; der Darmstädter Chor, aber auch Jeffrey Treganza als Intrigant Valzacchi und Susanne Serflings mädchenhafte Leitmetzerin ergänzten das Geschehen musikalisch solide.

Quelle: op-online.de

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