„Schatten der Nacht“ im Offenbacher t-raum

Ein Alptraum zum Ablachen

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Vorsicht, ein meschuggener Mörder geht um: Birgit Schön, Frank Geisler und Elena Hahn machen sich auf die Suche. -

Offenbach - So möchte niemand geweckt werden. Hände recken sich aus der Wand, Stimmen flüstern: „Wir wissen doch, dass du da bist. “ Beschimpfen einen als Feigling und Faulpelz. Und fordern: „Aufwachen, Kleinman!“. Von Markus Terharn 

Es beginnt als Alptraum. Es geht so weiter. Und es kann gar nicht gut enden. Trotzdem bereitet die aktuelle Inszenierung im t-raum ein Höllenvergnügen. „Schatten der Nacht“ beruht auf dem Stück „Tod“, das Woody Allen 1975 geschrieben, 1978 mit sich selbst in der Hauptrolle uraufgeführt, 1991 unter dem Titel „Schatten und Nebel“ verfilmt hat. Das erinnert an Franz Kafka, aber mit viel Komik. Wo Woody draufsteht, ist auch Allen drin.

Wie stets im Offenbacher Zimmertheater mit seinen 36 Plätzen arbeitet die Truppe mit den einfachsten Mitteln. Fünf Bierkästen bilden das variable Bühnenbild. Umso bunter fallen die überzeichnenden Kostüme aus. Das ist nötig, besteht das Ensemble doch lediglich aus drei Darstellern, deren zwei sich immer rascher von einer Figur in die andre verwandeln.

Dreh- und Angelpunkt ist Kleinman, von Frank Geisler nicht allein mittels Hornbrille auf Allen-Ähnlichkeit getrimmt. Sprachlich und mimisch hat er sich dem Star perfekt angeglichen. Das gehemmte Auftreten, der ängstliche Blick, die stotternde Redeweise mit Hang zum Bonmot: Fast meint das Publikum den berühmten Intellektuellen vor sich zu haben.

Meschuggener Mörder geht um

Anlass zur Furcht ist gegeben. In einer Großstadt treibt ein „meschuggener Mörder“ sein Unwesen. Eine Bürgerwehr will ihn zur Strecke bringen. Und Kleinman ist gezwungen, sich ihr anzuschließen. Wenn er bloß wüsste, was sein Part im Plan ist...

An Geislers Seite wirbeln Birgit Schön und Elena Hahn. Als Vertreter des männlichen Geschlechts lassen sie mächtig Muskeln spielen. Schöns Glanzpartie ist die eines telepathisch begabten Mediums mit Hund, zudem ist sie Arzt und Müllmann. Hahn hat die besten Momente als großbusige Hure, die privat Frauen küsst, brilliert als Wachmann und Würger. Sie wechselt sich ab mit Sarah C. Baumann, die als Regisseurin alle Fäden in der Hand hält.

Weitere Vorstellungen geplant

Die Zuschauer, nah am Geschehen, sehen sich ein ums andere Mal einbezogen. Wie bei Allen üblich lernen sie in geschliffenen Dialogen eine Menge über das Leben. Eine für den Autor typische Frage bleibt indes unbeantwortet: „Ist es möglich, nach dem Tod noch zu duschen?“

Weitere Vorstellungen: 22. und 28. Februar, 1., 7. (Zusatztermin!), 8. und 15. März, 10., 16., 23. und 24. Mai

Quelle: op-online.de

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