Alte und neue Mythen im Spiegel der Kunst

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Über sechs Jahrzehnte spannt sich der Bogen.

Offenbach - Der 1931 in Offenbach geborene Künstler Bernd Rosenheim hat es sich und dem Betrachter seiner Kunst noch nie leicht gemacht. Geprägt von Reisen zu alten und neuen Kulturen, setzt er beim Gegenüber das voraus, was man wieder „Bildung“ nennt. Von Reinhold Gries

Entsprechend sperren sich die „Variationen – Arbeiten zu Literatur und Musik“ gegen jedwedes „Sightseeing“. Genaues Hinsehen lohnt sich bei Bildgeschichten aus den Nachkriegsjahren, in Offset gedruckt auf vergilbten Seiten einer unbekannt bleibenden Zeitschrift. Fantasiereich, ohne hässliche Sprechblasen wird die Geschichte vom „Flaschenkobold“ erzählt, in einer Zeit, in der Rosenheim an Offenbachs Werkkunstschule Illustration studierte (1948-51). Mit virtuosem Strich gesetzt die Studien zu Eichendorffs „Taugenichts“ (1950).

Originalzeichnungen und Vorstudien

Danach eröffnen lange Studien in Kassel, Frankfurt, Gießen und Rom eine enorme Bandbreite. Gefesselt ist der vielseitige Künstler bis heute von der Welt der Mythen, von inneren wie äußeren Bildern des Kampfes, Leidens und Todes. Prototypisch dafür die spannungsgeladenen Tuschezeichnungen und Serigrafien zu Schlüsselszenen aus Homers „Ilias“ (1959), in Originalzeichnungen und Vorstudien gegenübergestellt.

In Rosenheims „Medusa“-Raum verstärkt sich in Aluminium, Acryl und Tusche der Eindruck, nach dem oft zerstörerisches „männliches Prinzip“ über das weibliche zu dominieren scheint. Kalt glänzt dazu in der Museumshalle ein überlebensgroßer „Minotaurus“ aus Edelstahl (2008), dazu „Konstruktionszeichnungen“ in dichten Strichlagen. Beeindruckend, aber keine leichte Kost, auch nicht die gezeichneten Mythen zu Parzival, den Drachenkämpfen und zum Inferno in Dantes „Göttlicher Komödie“ (1967).

Mischung aus Action Painting, Farbfeldmalerei und Kalligrafie

„Bernd Rosenheim – Variationen, Arbeiten zu Literatur und Musik“ bis 7. März 2010 im Offenbacher Rosenheim-Museum, Parkstraße 60. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Daneben steht ein sehr wandelbarer Bernd Rosenheim. Einer, der 1959 in Blättern wie „Bath“, „Plymouth“, „Saint Yves“ und „Hadrians Wall“ Reiseeindrücken ausgewogene Form gibt. Einer, der in „Die Sieben Todsünden“ Bertolt Brechts und Kurt Weills Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ samt Hutfresser, Kartenspielern und Spelunken-Jenny dynamisch auf die Zeichenbühne bringt. Oder einer, der Gabriel Rosenstocks „The Great Wall“ 1994 in ungewöhnliche Mischung aus Action Painting, Farbfeldmalerei und schwungvoll gesetzter Kalligrafie umsetzt. Das Finale bildet der stilistisch meisterhafte Zyklus zu Gustav Holsts sinfonischer Dichtung „Die Planeten“. Als wär’s ein Stück von ihm, begegnen einem Mars, Venus, Merkur, Jupiter, Uranus und Neptun, natürlich auch Saturn, der Bringer des Alters.

Quelle: op-online.de

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