Amazonen erobern Mode

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Layla Shah präsentiert ein Ball-Kleid aus der Kollektion „abteilung: k“, das ihr Mann Christoph Krämer mit seiner Tochter entworfen hat.

Mit nur einer Brust unterm Kleid und ohne ein Haar auf dem Kopf besuchte Layla Shah die Oper. Das Kleid verbarg nicht die Asymmetrie ihres Oberkörpers, Folge einer krebsbedingten Amputation. Ihr Mann Christoph Krämer fand, sie sah hinreißend aus. Aber „drei alte Schachteln“ zeigten mit Fingern auf sie. Von Kathrin Rosendorff

Das machte ihn erst sehr wütend – und weckte dann seine Kreativität: Ein Mode-Label sollte zeigen, dass eine fehlende Brust kein Makel, keine Beschränkung der Weiblichkeit sein muss.

Der vor wenigen Wochen gestorbene Hamburger Maler gründete 2007 zusammen mit seiner Tochter, der Modedesignerin Laura Krämer, „abteilung: k“. „k“ steht für vieles: Krebs, Krämer, krank, aber auch für Kleidung. Die Kollektion heißt „Amazons in Fashion“ und steht wie der Amazonen-Mythos für kämpferische, mutige Frauen. Sie ist jetzt im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen.

Layla Shah

„Schönheit kann auch anders aussehen. Warum wird in unserer Gesellschaft Krankheit immer eigentlich als was Hässliches angesehen?“, fragt sich Laura Krämer (31), die zur Eröffnung gekommen ist. Es gehe ihr um Provokation, aber auch um Reaktion. Frauen müssten nicht nur mit der Krankheit leben, sondern auch mit der Ablehnung durch die Gesellschaft. Das will Laura Krämer ändern. Immerhin erkranken zehn Prozent der Frauen an Brustkrebs – aber die Einheits-Modewelt ignoriere dies.

Ihre Stiefmutter Layla Shah, eigentlich Architektin, stellte sich als Model zur Verfügung. Da war sie 60. Ihren Gang über den Catwalk zur Bach-Kantate „Widerstehe doch der Sünde“ zeigt ein kleiner Monitor.

Die Kollektion präsentieren auch eigens angefertigte Schneiderpuppen. „Es gibt tragbare Kleider und ideelle, die sollen provozieren.“ Wie das „Pump-up-Kleid“: Da kann die fehlende Brust mit Hilfe einer integrierten Pumpe aufgeblasen werden. Weniger für den Cocktail-Abend geeignet ist ein Modell, das mit roter Flüssigkeit gefüllte Schläuche durchziehen. Die Kleider sind weit geschnitten, aber mit Schnüren individuell formbar.

„Amazons in Fashion“ bis 11. April im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr.

Die Mode von „abteilung: k“ fand bisher nur wenige Abnehmerinnen. Das könnte auch am Preis liegen. Ein Schal kostet an die 400 Euro. „Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass unsere Kleidung getragen wird, aber wenn wir es geschafft haben, dass die Leute sich Gedanken machen, ist das auch etwas“, meint Laura Krämer. „Mein Vater hat gesagt: Wenn es gut läuft, landen wir bei der Mode, wenn es schlecht läuft, werden wir Kunst.“

Quelle: op-online.de

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