Das Andenken weiter hochhalten

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Museumsdirektor Raphael Gross und Anne Franks Cousin Buddy Elias halten ein Bild der Ur-Ur-Ur-Großeltern von Frank und Elias, das als Dauerleihgabe im Jüdischen Museum verbleiben wird. Fotos:

Frankfurt - Anne Frank war ein Mädchen aus Frankfurt. Doch dauerte es einige Jahrzehnte, bevor die Stadt anfing, ihre besondere Beziehung zur Geschichte des jüdischen Mädchens wahrzunehmen, das mit seinem weltberühmten Tagebuch eines der wichtigsten Zeitdokumente des Holocaust hinterlassen hatte. Von Christian Riethmüller

Seit einer großen, Anne Frank gewidmeten Ausstellung 1991 im Historischen Museum hat sich die Auseinandersetzung mit der Erinnerung an das im März 1945 im KZ Bergen-Belsen umgekommene Mädchen allerdings intensiviert.

Das Wissen um Anne Frank und ihre Zeit wie auch die Geschichte ihrer Familie und deren Verbindung zu Frankfurt wird sich in den nächsten Jahren nochmals vertiefen lassen. Der Anne Frank Fonds in Basel hat sich entschieden, dem Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt sein umfangreiches Archiv als Dauerleihgabe zu überlassen. Der 1963 von Annes Vater Otto Frank gegründete Fonds ist der Verleger von Anne Franks Schriften. Alle Einnahmen aus den Rechten an dem Tagebuch werden verwendet, um Projekte finanzielle zu unterstützen, die sich für Bildung, Dialog und Aufklärung einsetzen. ausgeschüttetetwaAußerdem wird die gleichfalls in Basel lebende Familie des Schauspielers Buddy Elias, letzter lebender Cousin von Anne Frank, zahlreiche Dokumente und Objekte aus ihrem Familienbesitz dem Jüdischen Museum. Mit diesen Dauerleihgaben wird in dem Museum das „Familie Frank Zentrum“ bestückt, das einen neuen Schwerpunkt des Hauses bilden soll.

Verbundenheit dürfte eine entscheidende Rolle gespielt haben

Anne Frank, um das Jahr 1941

Am Beispiel der eng miteinander verwandeten Familien Frank, Elias und Stern, die ihre Geschichte in Frankfurt teils bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen können, soll die Geschichte „einer in vielen Zügen typischen Frankfurter jüdischen Familie erzählt werden“, kündigte Museumsdirektor Raphael Gross gestern eines von drei Zielen des neuen Zentrums an. Den Angaben zufolge umfasst dieser derzeit noch im Haus von Gerti und Buddy Elias in der Schweiz untergebrachte Objektbestand hunderte von Möbeln, Gemälden, Gläsern, Kristallen und Textilien, die zum großen Teil aus dem Haus der Familie Frank in der Mertonstraße 4 (heute Dantestraße) im Frankfurter Westend stammen. Von Alice und Michael Frank, den Großeltern von Anne Frank und Buddy Elias, 1901 gekauft, war das Haus bis zu seinem Verkauf im Jahr 1933 drei Jahrzehnte lang das räumliche Zentrum der Familie Frank.

Ein Teil seiner Einrichtung kehrt nun nach Frankfurt zurück, jene Stadt, die einst Heimat für Anne Frank und Buddy Elias war und mit der sich der mittlerweile 86-jährige Elias nun wieder verbunden fühlt. Diese Verbundenheit, die gestern auch in der Verleihung der Ehrenplakette der Stadt an Elias ihren Ausdruck fand, dürfte eine entscheidende Rolle gespielt haben, die bedeutenden Archivalien des Anne Frank Fonds an den Main zu geben. Wie Elias als Präsident des Fonds gestern sagte, hätte die Institution verschiedene Optionen in Basel, Amsterdam und anderen Städten geprüft, um die Archive in guten Händen zu wissen und die Forschungsarbeiten fortzuführen. Frankfurt biete mit dem Jüdischen Museum, dem Fritz Bauer Institut und auch dem S. Fischer Verlag als einem der wichtigsten Verleger des Tagebuchs aber das geeignetste Umfeld.

Erweiterung im Jahr 2015 abgeschlossen

Gut trifft es sich, dass die Stadt Frankfurt in den nächsten Jahren das im alten Rothschild-Palais am Mainufer untergebrachte Jüdische Museum erweitern wird. Zusätzliche 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sollen dann dem Haus zur Verfügung stehen, auf denen auch das „Familie Frank Zentrum“ untergebracht wird. Dort findet auch das umfangreiche Archiv seine Platz, das etwa Geschäfts- und Verlagskorrespondenzen, Visitenkarten, aber auch die erschütternden Briefe von Otto Frank aus dem KZ Auschwitz an seine Familie in Basel umfasst.

Wie der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) gestern sagte, rechnet er damit, dass die Erweiterung des Jüdischen Museums im Jahr 2015 abgeschlossen sein wird. Frühestens dann werden die Dauerleihgaben in ganzem Umfang dem Publikum gezeigt werden können. Das Tagebuch der Anne Frank wird allerdings nicht darunter sein. Das bleibt weiterhin im Anne-Frank-Haus, der Museums- und Gedenkstätte in der Prinsengracht 263-267 in Amsterdam, ausgestellt.

Das Tagebuch in Form von Briefen an Annes fiktive Freundin Kitty ist eines der bekanntesten und weltweit am meisten gelesenen Bücher. Es wurde millionenfach in Dutzenden Sprachen verlegt, verfilmt und für die Bühne aufbereitet. Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt geboren. 1933 emigrierte ihre Familie in die Niederlande. 1942 sahen sich die Franks wie tausende andere jüdische Menschen zum Untertauchen gezwungen, um der Deportation in die Konzentrationslager zu entgehen. Im August 1944 flog das Versteck in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht durch Verrat auf. Anne Frank wurde verhaftet und zunächst ins Konzentrationslager Auschwitz, dann ins Lager Bergen-Belsen deportiert. Dort starb sie im Frühjahr 1945 an Typhus.

Quelle: op-online.de

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