Die andere Antike entdecken

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Italisches Trinkgefäß

Frankfurt - Der „erste Reporter der Welt“, der griechische Geschichtsschreiber Herodot, teilte die Welt im 5. Jahrhundert vor Christus in Griechen und nichtgriechische Barbaren ein. So gerieten Skythen und Kelten im Norden, des Griechischen so wenig mächtig wie der Schrift, ins Abseits der Geschichte. Von Reinhold Gries

Archäologen haben das geändert. In Österreich, Slowenien und Norditalien gelangen ihnen Grabfunde, die ein anderes Bild alteuropäischer Völker zeichnen. Davon erzählt die Ausstellung „Fürsten, Feste, Rituale“ im Archäologischen Museum Frankfurt.

Dass sich in Gräbern östlich, nördlich und südlich der Alpen attische Vasen fanden, belegt großräumlichen Austausch vor 2500 Jahren. Den Völkern gemeinsam war die Herausbildung einer Adels- und Kriegerschicht, die es an Prunk, Festen und Ritualen nicht fehlen ließ. Machtbewusstsein dokumentieren Grabbeigaben wie Bronzehelme, Brustpanzer, Schildbuckel und Äxte. Pferdegeschirr und Lanzen aus Bronze und Eisen fehlten nicht.

Bei der Darstellung fürstlichen Alltags auf bronzenem Bankettgeschirr, Waffenschmuck und Gefäßen aus Oberitalien und dem Ostalpenraum geht es lebendig zu. Zwischen Darstellungen zu Toten- und Opferkult wimmelt es vor üppigen Trinkgelagen und Wagenrennen, sportlichen Wettkämpfen und Jagdszenen, erotischen Szenen und Fruchtbarkeitsritualen. In Computeranimationen kann sich der Besucher ein Bild machen.

Athleten auf einem Bronzeblech aus Tirol

Eine geheimnisvolle Aura haben (neben Rekonstruktionen eines Hallstatt-Wagens und eines aristokratischen Prachtmantels) Originalfunde, auch wenn sie nur fragmentarisch erhalten oder ergänzt sind. In jahrtausendealten Bildercode muss man sich erst einlesen. Dann erschließen sich Motive auf bronzenen Weingefäßen und Gürtelblechen sowie auf Keramiken ohne viel Text. Ein Audioguide bietet Informationen, auch zu den Höhergestellten, die an breitrandigen Hüten zu erkennen sind.

Aber die Exponate sprechen für sich; so eine Situla aus Niederösterreich. Das ist eine Art Weineimer, verkleidet mit geformtem Bronzeblech, die so figurenreich von Prozessionen und Kriegern erzählt wie eine andere aus Slowenien. Schöpfgefäße aus Hallstatt im Salzkammergut sprechen vom Weingenuss der Oberschicht. An schön getöpfertem faliskischem Weingeschirr mit Mischkesseln auf hohen Ständern sieht man: Auch nördlich von Rom wurde Wein gewürzt, gesiebt und verdünnt. Purer Genuss galt als „barbarisch“.

Mit Geschmack ziselierten keltische Kunsthandwerker eine Hallstätter Schwert- und eine venetische Messerscheide. Exotisch wirken Athleten auf einem Bronzeblech aus Tirol, die sich mit Hanteln duellieren. Ein in Slowenien gefundenes Gürtelblech zelebriert die Pfeil-und-Bogen-Jagd auf einen Hirsch.

„Fürsten, Feste, Rituale – Bilderwelten zwischen Kelten und Etruskern“ bis 20. März 2011 im Archäologischen Museum Frankfurt. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 20 Uhr

Darstellungen auf Situlendeckeln, Bronzestiere und Tonpferdchen machen augenfällig, dass sich Alteuropäer mit Pflanzen, Tieren und Fabelwesen noch eins fühlten. Auf einer Bronzeziste aus der Steiermark sind Fische zu entdecken, die Menschen verschlucken. Viele Eisenzeitler glaubten an einen Kreislauf: Mensch wird verschluckt und stirbt, dann spuckt Fisch ihn wieder aus, Mensch wird neu geboren, um wiederum verschluckt zu werden...

Quelle: op-online.de

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