Kunst im Wunderland

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Schlicht „Wald“ (2011) ist dieses Werk von Andrea Bender betitelt.

Offenbach - Sie trägt ihre Farben tropfendick auf und dennoch wirkt ihre Acryl-Malerei federleicht inszeniert. Andrea Bender stellt zurzeit in der Offenbacher Galerie Hühsam aus, und angesichts der virtuos bespielten riesigen Formate kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Von Carsten Müller

Die 1972 im Vogelsbergstädtchen Schotten geborene, an der Frankfurter Städelschule und der Düsseldorfer Akademie von Jörg Immendorf und Dieter Krieg ausgebildete Künstlerin stellt in ihren gegenständlichen Malereien irritierende Bezüge zwischen Mensch und Raum her.

Barocke historische Kulissen, die Macht, Einfluss und Wohlstand verkörpern, setzt sie in Kontrast zu extrem individualisierten Figuren, die den Betrachter zu fixieren scheinen, der auf diese Weise zum unfreiwilligen Zeugen intimer Szenen wird – und zum unerwünschten, wie es bisweilen scheint, zumindest lassen sich so die oftmals finster-taxierenden Blicke ihres Personals deuten. Aber auch der Mann im Wald, das Goldtaler sammelnde Kind, der Barockjüngling mit Micky-Maus-Puppe scheinen in diesen Räumen fehl am Platz zu sein, mit ihren nicht zeitgemäßen Requisiten. Mädchen mit riesigen Boxhandschuhen, zivilisierte Hasen, bevölkern zudem das Wunderland der Andrea Bender, in dem die Größenverhältnisse auf den Kopf gestellt werden.

„Hasenpfeffer“ von Andrea Bender noch bis 15. April in der Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag von 15-20 Uhr und nach Vereinbarung (069/810044)

Ihre theatral anmutenden Bühnenbilder setzt die Künstlerin mit großer Akribie, aber umso leichterem Pinselstrich in Szene, spannt dabei einen dramaturgischen Bogen von wie aquarelliert wirkenden, transparenten Farbwischern hin zu pastosen Pigmenthaufen, die sich unversehens in den Raum wölben. Auch bei der überlebensgroßen Darstellung des jungen Max Schmeling korrespondiert dessen vitales Aussehen mit der wie zersetztes Zelluloid wirkenden Oberfläche.

Die Interieurs der Künstlerin („Goldregen“, 2011) entstehen nach realen Vorbildern und sind bis ins Detail ausgearbeitet.

So leicht wie Andrea Bender ihre Fantasien in kraftvollen Farben auf die Leinwand setzt, so zwingend und selbstverständlich wirken ihre Kompositionen. Nichts überlässt sie dem Zufall, alles ist wohl überlegt und deshalb unmittelbar wirkungsvoll. Und trotz ihrer formalen Perfektion sprechen die Arbeiten den Betrachter auf einer emotionalen Ebene an. Da verwundert es nicht, dass die Künstlerin mittlerweile die internationale Szene erobert und das Interesse vieler Sammler geweckt hat.

Quelle: op-online.de

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