Kommerz und Phantasie Hand in Hand

+
Malerei aus der Mato-Fabrik von Eva Moll.

Offenbach - „Ich lasse mich gern als Vertreterin der Pop-Art bezeichnen“, freut sich die Obertshausener Künstlerin Ursula Zepter, die schon als gelernte Lithographin von Warhols Bildwelten angeregt wurde.

„Da die Werbung Besitz von der Welt genommen hat, war es folgerichtig, sie (auch ironisch) in die Kunst einfließen zu lassen“, sagt die BOK-Künstlerin zu Warhols Sujets. Zu seiner Lieblingstechnik ergänzt sie: „In den 60er und 70er Jahren war der Siebdruck durch Op- und Pop-Art en vogue. Andy Warhol hat diese Drucktechnik mit ausdrucksstarken, poppigen Motiven und mit frechen, kräftigen Farben neu belebt und mit dem Siebdruck einzigartige Maßstäbe in der Kunst gesetzt. “ Zepters Arbeiten „City night“ oder „Raum 4“ an oder auch ihre komplex übereinander gemalten und gedruckten Digital-Prints zeigen, wie solches Pop-Erbe weiterwirkt.

Als gelernter Siebdrucker ist der junge Offenbacher Spray-Künstler Marcus Dörr gut bewandert mit Warhols Gestaltungsmitteln. Seine Schablonenbilder und „Neon Brids“ oder seine Raumgestaltungen und „Wall Papers“ haben Warhols farbgesättigt plakative Art des Malens und Druckens mit neueren Graffiti-Elementen zum eigenständigen Genre entwickelt, das man in und um Offenbach auf Wänden findet.

Die Werke gestandener Künstler in der Mato-Fabrik klingen deutlich an Form- und Farbwelten der Pop-Art an. „Warhol für mich bis heute eine der schillerndsten und faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten. Obwohl er als Werbegrafiker sehr erfolgreich war, wählte er den künstlerischen Weg und wurde zum Papst des Pop. Seine kreative Vielseitigkeit ist beeindruckend. Für mich war er auch ein kritischer Beobachter der amerikanischen Gesellschaft und stellte in seinen Bildern das Konsumverhalten seiner Landsleute bloß“, sagt Angelika Prinz.

Videokunst-Ausstellung bei Nacht der Museen in Frankfurt

Als gelernte Schauwerbegestalterin weiß sie um die Magie der Warenästhetik: „Mit dem Turnschuh kaufen wir Fitness, mit dem iPod Trendyness, mit der Obstpresse das gute Gewissen gesunder Ernährung“. Wie die Werbewirtschaft heutige Lebensstile vermarktet, drückt sie ebenso in Acrylbildern aus, wie ihr Hauptthema: das Zusammenspiel von Essgewohnheiten, Lebensgefühl und Weltbild. Und findet dazu wie Warhol Bildideen in Zeitungsausschnitten, Katalogen, Werbeplakaten und Hochglanzmagazinen, die sie in poppig wie surreal wirkende Malcollagen umsetzt.

Johannes Kriesche arbeitet in Großformaten der Serie „WunderdichLicht“ mit Verfremdungseffekten, Konturen und Klischees, die man von der „Factory“ kennt. Wie Warhol hat auch er eine Zeit lang als Schaufensterdekorateur den Blick für Wesentliches im gestalteten Raum gewonnen. Damit geht er freilich anders um - wie auch Mato-Nachbarin Eva Moll, die ihr zweites Studio in New York betreibt oder auch BOK-Malerin Anja Hantelmann. Für solche Künstler sind Übergänge zwischen Dekoration und hoher Kunst, Kommerz und Phantasie selbstverständlich fließend.

(rg)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare