Anna Depenbusch

Unschuld und Ukulele bei Burgfestspielen

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Einfach sonnig: Liedermacherin Anna Depenbusch verzauberte das Publikum der Burgfestspiele auf charmante Art.

Dreieich - Eines vorweg: Das lustvoll gestöhnte Konzertfinale „Benjamin“ im Burggarten von Dreieichenhain galt trotz Namensgleichheit nicht Bürgerhäuser-Chef Benjamin Halberstadt, auch wenn er für das Gastspiel der deutschen Musikerin in Dreieich mitverantwortlich war. Von Jenny Bieniek

Die ausgezeichnete Pop-Chansonsängerin und Liedermacherin verzückte die Besucher der Burgfestspiele mit mädchenhaftem Charme und einer glasklaren Stimme. Schlichte Papierlampen, ein paar Scheinwerfer – mehr braucht es nicht, um die gebürtige Hamburgerin in Szene zu setzen. In ihrem blau-weiß-gestreiften Matrosenkleid und den knallroten Pumps wirkt sie unschuldig, wie sie da am Mikrofon steht. Die Haare zum festen Knoten gebunden, wechselt sie mühelos von traurig zu heiter, von optimistisch zu melancholisch. Das Heitere steht ihr besser.

Eine Stimme, die verzaubert, Melodien, die hängenbleiben, und Texte, die ihren Witz nicht sofort preisgeben - das ist die Welt von Anna Depenbusch, die es versteht, ihre Songs mit der Leichtigkeit einer Sommerbrise auf die Bühne zu bringen. Begleitet von Kontrabass, Orgel, Geige oder Akkordeon beschert die Vollblutmusikerin ihren Fans Glücksmomente – mit sparsamen Akkorden auf dem Sommer-Instrument schlechthin, der Ukulele, die live auf weiten Strecken das Klavier ersetzt.

Bei „Sommer aus Papier“, dem namengebenden Song für ihr viertes Album, weht der Wind durch ihr Kleid, unter leicht wolkenverhangenen Himmel erklingt „Fräulein Ukulele“. „Hawaii, Kuba, jetzt sind wir hier – und das ist genauso schön“, ruft Depenbusch dem Publikum gutgelaunt zu. Man glaubt es ihr.

Geschichten erzählen ist ihre Leidenschaft. Sie singt vom Leben und seinen Wendungen, doch nicht immer erfährt der Zuhörer, worum es tatsächlich geht. Vier-Viertel-Takt, ein klassischer Foxtrott, und eine Story in vier Akten: Das Geheimnis um die Geschehnisse im „Zimmer # 439“ lüftet Depenbusch trotzdem nicht: „Ich will die Geschichte bewusst offen lassen und in Euren Köpfen Bilder entstehen lassen“, tröstet sie ihr Publikum, das gespannt lauscht, wenn die 35-Jährige trällert, summt und pfeift.

Bei „Irgendwo ist oben“ hat ihr Drummer mächtig zu tun. Mit „Alles auf Null“ wird’s rockig im Burggarten. Rhythmusbetont auch das optimistische „Leinen los“, und natürlich hat die Künstlerin auch die liebgewonnen Figuren von vorhergehenden Alben im Gepäck: den Cowboy, den Astronauten und Madame Clicquot samt Tangoklang. Ausgerechnet das harmlos anmutende „Engel“ hält ein Gitarrensolo bereit.

Es folgt eine emotionale Berg- und Talfahrt: Bei „Kommando Untergang“ legt sich ein schwermütiger Moll-Schleier über die Ränge, die Geige tut ihr Übriges, klingt klagend und verzweifelt. Ganz im Kontrast dazu das amüsante „Tim liebt Tina“ im Walzertakt. In der zweiten Zugabe – der Höhepunkt: O(h)rgasmus mit „Benjamin“, ihrem Nachbarn und Ex-Freund gewidmet, von dem sie nur eine Wand aus Pappmaschee trennt.

Quelle: op-online.de

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