Arabischer Jodler vor Alpenkulisse

Frankfurt - Was haben Elvis, Chopin, Richard Strauss und Max Schmeling mit dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen zu tun? Eine Menge, wenn sich Jörg Maurer das Loisachtal für einen schwarzhumorigen Krimi mit dem Titel „Hochsaison“ aussucht. Von Maren Cornils

Der Krimiautor, Musiker und gebürtige Partenkirchner trägt in der Frankfurter „Käs“ nicht etwa nur Zeilen aus seinem Buch vor: Immer wieder unternimmt er musikalische Ausflüge. Als Musikkabarett hat Maurer, als Ex-Theaterdirektor in München erfahren in der Kunst des Spannungsaufbaus und der Selbstdarstellung, das betitelt. Und tatsächlich spielt Musik fast eine größere Rolle als die Mörderjagd vor Alpenkulisse.

Kommissar Jennerwein, zwei Dorfpolizisten, ein Exilschwabe und eine Austauschkommissarin aus Recklinghausen nehmen die Zuschauer mit auf die Suche nach dem Täter, der in der Wintersportsaison tückische Anschläge begeht und diese vorher ankündigt. Ob Weißwurstattentat oder Mord an einem dänischen Skispringer – er legt es darauf an, Touristen in Panik zu versetzen. Da der Kurort um seinen Ruf bangt, ist Eile geboten.

Nicht so für Maurer. Der unterbricht seine lebendige Erzählung immer wieder, um sich ans Klavier zu begeben und seine Erzählung auf andere Art fortzuspinnen. Mal setzt er zu einer folkloristischen Weise an, dann hat Elvis einen Auftritt, und auch darüber, wie man Nationalhymnen der Sportart anpassen könnte, macht sich Maurer Gedanken – die englische für Curling, die deutsche für Biathlon. Noch beeindruckender ist das Medley, das er aus „Kleiner Nachtmusik“, „Köchelverzeichnis 007“ und Bond-Melodie zaubert.

Mit dem Krimi haben diese Ausflüge wenig zu tun; unterhaltsam sind sie dennoch. So bekommen die Zuhörer einen Eindruck davon, wie sich ein arabischer Jodler anhören würde und wie das Herz eines Autors schlägt. Dass Maurer dafür einen Titel von Schmeling umfunktioniert, passt ebenso wie das Chopin-Solo. Nur was die Identität des Mörders angeht, sind die Zuschauer am Ende des kurzweiligen, von einem dünnen roten Faden zusammengehaltenen Musikkabaretts nicht schlauer als zuvor.

Quelle: op-online.de

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