Architekten der Bürgerstadt

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Vom Eisernen Steg aus blickt man auf Rententurm, Bernusbau und den frisch renovierten Burnitzbau.

Frankfurt - Das Historische Museum widmet den Frankfurter Baumeistern Rudolf und Heinrich Burnitz eine Sonderausstellung. Vater und Sohn gelten als Architekten der Bürgerstadt. Von Reinhold Gries

Für die Ablösung des strengen Klassizismus durch freier aus der Baugeschichte zitierenden Historismus steht das Werk des Frankfurter Architekten Rudolf Burnitz (1788-1849) und dessen Sohnes (Rudolf) Heinrich Burnitz (1827-1880). Von 1821 bis 1880 prägten sie das Bild der aufstrebenden Bürgerstadt. Das Historische Museum widmet beiden, direkt neben dem frisch restaurierten „Burnitzbau“, eine Retrospektive mit noch nie gesehenen Studienblättern, Reiseskizzen und Entwurfszeichnungen sowie Fotografien und Modellen der Hochschule Hannover.

Dabei ist gut zu erkennen, wie die Mainmetropole von den Burnitz ebenso mitgestaltet wurde wie von wohlhabenden Stiftungen und Auftraggebern. Die am Main oder am Stadtrand liegenden Sommersitze und Villen der Metzlers, Rothschilds, Grunelius und Neufvilles profitierten wie deren Geschäftshäuser, Gewerbebetriebe, Kultur- und Sozialbauten in bester Stadtlage vom Abbruch der alten Befestigungen 1806.

Saalbau und Einmündung zur Junghofstraße (1908)

Man sieht in der von Kurator Michael Stöneberg vorzüglich gemachten Präsentation, wie sich der gebürtige Stuttgarter Rudolf Burnitz vom Klassizismus abwendete. Sein eigenes Haus am Untermainkai wie das Bonameser Landhaus für den Teehändler Schmidt zeigen ebenso neue Formensprache wie der einst als Palais genutzte „Burnitzbau“ des Historischen Museums am Mainkai. Wie geschickt Burnitz sr. mit historisierenden Zinnen und Rundbögen zwischen den verschiedenen Geschosshöhen des Rententurms, des barocken Bernusbaus und der romanischen Saalhofkapelle vermittelte, wirkt noch heute harmonisch.

Ideen des Vaters verfolgt

Heinrich Burnitz verfolgte die Ideen des Vaters weiter und wurde der eigentliche Wegbereiter repräsentativ-historistischer Baukunst, aus der die mit Oskar Sommer im Stil der Neorenaissance realisierte Neuen Börse mit ihrem mächtigen Kuppeldach herausragt. Burnitz jr. war auch maßgeblich an den ersten beiden Straßendurchbrüchen zwischen Liebfrauenberg und Zeil wie an der Junghofstraße beteiligt, setzte dort mit Torbauten neue Maßstäbe.

Landhaus Albert Metzler am Schaumainkai (1879)

Seine oft venezianisch anmutende Ladengalerie beiderseits der Liebfrauenstraße wurde zunächst nach einem russischen Fort als „Malakoff“ verhöhnt, später wurde der „Einkauf im Malakoff“ zum Statussymbol. Heinrich Burnitz‘ Tor zur Junghofstraße wurde der Prototyp späterer Veranstaltungshäuser. Auch von seiner Mitwirkung beim ersten Frankfurter Generalbebauungsplan kann man sich ein Bild machen im handkolorierten „Malerischen Plan von Frankfurt am Main“. Dazu zeigen Aquarelle und Zeichnungen, wie Vater und Sohn auf Studienreisen nach Italien oder auch Norddeutschland zu ihren Formvorstellungen kamen.

Frankfurt des 19. Jahrhunderts

Sehr lohnend ist es auch, im Katalog zu blättern, in dem das Frankfurt des 19. Jahrhunderts selten anschaulich dokumentiert ist, oder ein Faltblatt zur Hand zu nehmen, um zu schauen, was der 2. Weltkrieg vom Burnitz-Lebenswerk übrig gelassen hat - neben dem Burnitzbau des Museums und der Neuen Börse von 1879: Mietshäuser und eine Villa im Westend, in der Friedberger und der Bleichstraße, ein Wohn- und Geschäftshaus in der Kaiserstraße und auch die bekannte Schule in der Seilerstraße. Außerhalb der Wallanlage findet sich das Rothschild-Herrenhaus des Bornheimer Luisenhofes keineswegs mehr als Musterbauernhof, dagegen glänzt das Bonameser Landhaus fast wie einst. Neben der Friedrichsdorfer wurde die Griesheimer Kirche erst jetzt als Burnitz-Bau identifiziert.

„Die neue Bürgerstadt - Das Frankfurt der Architekten Burnitz“ bis 16. Februar im Historischen Museum Frankfurt, Fahrtor 2. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr

Quelle: op-online.de

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