Architektur im Kabinett der Spiegelungen

Verkehrte Welt: Der US-amerikanische Künstler Morgan Fisher spiegelt den Raum des Frankfurter Portikus.

Im oberen Drittel des Frankfurter Portikus befindet sich eine Empore. Sie ist mit einem schlichten Metallgitter versehen, das an eine Schiffsreling erinnert, und von Fenstern umsäumt. Theoretisch könnte man auf dem schmalen Vorsprung den Raum umrunden und Ausstellungen aus der Vogelperspektive betrachten. Praktisch ist es dem Besucher allerdings verboten.

Zumal der Zugang auch gar nicht offensichtlich ist.

Als der US-amerikanische Künstler Morgan Fisher die Frankfurter Institution erstmals betrat, war er erstaunt: „Der Raum ist so hoch, seine architektonischen Details sind ungewöhnlich.“ Dieser erste Eindruck inspirierte ihn. Entgegen seinem Vorhaben, monochrome Gemälde in konkrete Beziehung zur Architektur zu stellen, kam ihm eine raumgreifende Installation in den Sinn.

„Portikus Looks At Itself“ lautet der Titel des Werkes, das die obere Hälfte des Gebäudes widerspiegelt, so dass ein Nachbau der Kassettendecke auf dem Fußboden zu finden ist. Die Empore liegt im entsprechenden Verhältnis darüber, das Geländer verkehrt herum gedreht. Die schmalen Fenster sind als graue Felder direkt auf die Wand aufgebracht.

Die Eigenheiten von Architektur hervorzuheben, ist ein Anliegen des 1942 in Washington geborenen und heute in Los Angeles lebenden Künstlers. Im Neuen Aachener Kunstverein stellte er im Jahr 2002 graue Bilder aus, die sich mit speziellen Winkelformen den Teilen des Raums anpassten, an denen normalerweise keine Bilder gezeigt werden können.

Morgan Fisher, der Kunstgeschichte und Film studiert hat, ist ausgebildeter Schnittmeister und begann ab Mitte der 80er Jahre experimentelle 16-mm-Filme zu drehen. 2005 war im Whitney Museum of American Art in New York eine große Retrospektive seiner Filmarbeiten zu sehen. Seit Ende der 90er Jahre hat sich Fishers Werk auf die Medien Malerei, Zeichnung und Installation ausgeweitet.

Der Künstler, der zu den zentralen, wenngleich international weniger bekannten Figuren der Kunstszene an der US-amerikanischen Westküste gehört, sagt seinen Arbeiten selbst nach, ihre Idee erkläre sich nach wenigen Sekunden. Und so ist es auch. Der schöne Nebeneffekt: Im Portikus fallen dem Besucher Details ins Auge, die er so vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat.

ANKE STEINFADT

Morgan Fisher: „Portikus Looks At Itself“ bis 16. März im Portikus Frankfurt, Alte Brücke 2. Öffnungzeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. www.portikus.de

Quelle: op-online.de

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