Frankfurter Architekturmuseum

Bau, Steine, Scherben

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DAM-Gründungsdirektor Heinrich Klotz 1988.

Frankfurt - Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) am Sachsenhäuser Museumsufer wird am 1. Juni dreißig Jahre alt. Anlass genug, dessen turbulente Anfangszeit in einer Ausstellung Revue passieren zu lassen. Von Ronny Paul

„Lass doch den ganzen Bau leer und kauft euch einen Schuppen nebenan, wo ihr all euer Zeug ausstellen könnt“, sagte der Architekt des deutschlandweit ersten Architekturmuseums, Oswald Mathias Ungers, 1984 kurz vor der Eröffnung zu Gründungsdirektor Heinrich Klotz. Ungers’ gläserne Umhüllung der Villa am Schaumainkai sorgte seinerzeit für kontroverse Diskussionen und könnte auch unter der Überschrift einer der späteren Ausstellungen des DAM laufen: Bau, Steine, Scherben.

Ab heute feiert das DAM mit der Ausstellung „Mission: Postmodern – Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM“ sein dreißigstes Jubiläum. Beleuchtet wird darin die Klotz-Ära zwischen 1979 und 1989 und damit die Anfangsjahre des DAM. Im Zentrum der Wunderkammer stehen die wichtigsten Werke, die Klotz zusammengekauft hat. Etwa 140 Exponate sind dort versammelt, darunter Gebäudeteile, Planskizzen und Modelle bekannter Architekten.

Heftige Diskussionen

Zu sehen ist etwa das Aluminiumrelief einer Nike-Skulptur der österreichischen Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. Klotz wollte das Abbild der griechischen Siegesgöttin vor dem DAM aufstellen und über den Main ragen lassen. Das Vorhaben löste heftige Diskussionen aus, die Silhouette des Museumsufers werde beeinträchtigt, wetterte der Ortsbeirat. Klotz nahm seinen Satz „für Nike geh’ ich durch die Wand“ nicht wörtlich. Die Skulptur wurde nie errichtet. Nicht der einzige Vorstoß mit dem der ehemalige Yale-Dozent aneckte: Für die Durchsetzung von Ungers als DAM-Architekt musste der 1999 verstorbene Klotz viel Überzeugungsarbeit leisten.

In der Ausstellung ist auch ein Nachbau von Klotz’ Büro zu sehen. „Wir zeigen Höhepunkte der letzten dreißig Jahre und Dinge, die noch nie gezeigt wurden“, erzählt Peter Cachola Schmal, der heutige Museumsdirektor.

Möglich wurde die detaillierte Ausstellung durch Klotz’ umfangreichen Nachlass, der tagebuchartige Tonbandaufzeichnungen und ein großes Bildarchiv umfasste. Kurator Oliver Elser konnte so im Detail den Aufbau der Sammlung, die Errichtung des Museumsgebäudes und Begegnungen mit den wichtigsten Architekten der Gegenwart rekonstruieren. Dabei wird deutlich, nach welchen Kriterien der ehemalige Museumsdirektor beim Aufbau der Sammlung vorgegangen ist, der auch Brückenbauer zwischen Architektur und Bildender Kunst war. Einige Tonbandaufnahmen sind nachzuhören, ausgewählte Zitate zieren die Wände.

Die Schau beleuchtet eine Zeit, in der sich Frankfurt von der als „Bankfurt“ und „Krankfurt“ geschmähten Stadt zu einem angesehenen Kulturstandort entwickelte. Klotz hat dazu beigetragen, indem er bedeutende zeitgenössische Architekten mit der Stadt in Verbindung brachte, ohne öffentliche Kontroversen zu scheuen. Er machte sich den Frankfurter Willen zum Imagewandel zu eigen - und konnte sich aus einem prallen Stadtsäckel bedienen. Die von ihm konzipierte erste Ausstellung „Revision der Moderne – Postmoderne Architektur“ (1984) kann als Startschuss für postmodernes Bauen am Main gelten, dem Gebäude wie die Kunsthalle Schirn, Torhaus und Turm der Messe, die Bundesbank oder das Museum für Moderne Kunst folgten.

„Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM“ vom 10. Mai bis 19. Oktober im Deutschen Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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