Meistermaler Adalbert Hock

Heimat in delikaten Bildern

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Den „Blick auf den Stiftsberg“ hielt Adalbert Hock im Jahr 1907 in Öl auf Leinwand fest. 

Aschaffenburg - Die sehr üppig bestückte Ausstellung zu Aschaffenburgs Meistermaler Adalbert Hock (1866-1949) ist auch eine berührende Hommage von Ex-Museumsleiterin Brigitte Schad an ihre Stadt. Von Reinhold Gries 

Kein noch so schöner Winkel der Altstadt, kein pittoresker Blick auf Schloss und Schlossberg, das Pompejanum oder den Schönbusch ist ihr in jahrzehntelanger Recherche entgangen. Heimatmalerei im besten Sinne, die Hock nach den Kriegszerstörungen aus der Hand gerissen wurde. Die andere Seite der großen Retrospektive zeigt dessen wenig bekanntes Frühwerk als „Aschaffenburger Leibl“ mit Porträts im Stil der Münchener Realisten.

Junge Frau mit Pelzkragen, 1893, Öl.

Schon während seines Studiums an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München malte der Spross einer Aschaffenburger Tüncherdynastie – um 1893/94 herum – eindringliche Menschenbilder. Wilhelm Leibls Einfluss ist unverkennbar in Hocks Porträt „Mönch Kilian“, der Schrägansicht zu Gertrud Reith oder Charakterstudien wie „Sitzende Bäuerin“ und „Spessarter Schmied“. Bei diesem introvertierten Realismus bleibt nichts an der Oberfläche. Spuren des Lebens werden sichtbar gemacht, ohne sich aufzudrängen.

Merkmale des Impressionismus

Dass Hock darin nicht verharrte, beweist er zeitgleich in Porträts wie „Junge Frau mit Pelzkragen“, „Liegender Knabe“, „Kathi Hock“ oder auch der Ölstudie zu Margarete Lang, die Lichtwirkungen und Pinselduktus des Impressionismus reflektieren. Auch Hocks Ölgemälde „Weiblicher Rückenakt“ überzeugt mit Einfühlung, Weichheit und malerischer Delikatesse, wie sie um 1893 auch in Paris hätten entstehen können. Ähnliches gilt für seine Aktstudien mit Rötelstift, Kreide und Wasserfarbe. Dass Hock auf diesem Weg nicht weiterging und sein Studium abbrach, ist seinem Pflichtgefühl zuzuschreiben, das ihn zur Aschaffenburger Familie zurückführte.

Adalbert Hock, Selbstbildnis, 1927, Öl.

Vor allem nach dem frühen Tod seiner Ehefrau musste er an den Broterwerb für seine vier Kinder denken. So entstanden Motive für Ansichtspostkarten zu mainfränkischen Landschaften in neuartigem Dreifarbendruck. Große Anerkennung und Bayerische Staatspreise erhielt Hock für aufwändige Auftragsarbeiten und Darbietungen in Landesausstellungen. In (neo-)barocken Kirchen zwischen Aschaffenburg, Großostheim, Kahl, Lohr und Holzkirchen gibt es deshalb kaum ein Wand- und Deckengemälde, das nicht in Hocks gekonntem Rokoko-Stil gemalt ist.

Nazarener erbleichen

Bis heute zu sehen ist auch, ist wie der auch in dekorativer Malerei Ausgebildete sich in römische und klassizistische Malerei einfühlen konnte. Seine neorömischen Ausmalungen und Restaurierungen in der Edenkobener Villa Ludwigshöhe, im Aschaffenburger Pompejanum oder im Schloss Mespelbrunn profitierten von Hocks beiden Italienreisen. Wie dieser dann Altarbilder im historisierenden Stil entwickeln konnte, hätte manchen Nazarener erbleichen lassen. Ein großartiges Finale bringen Hocks Kopien der 1930er/40er Jahren zu einem anderen Aschaffenburger Meister: Matthias Grünewalds Isenheimer Altarbilder „Kreuzigung“ und „Auferstehung Christi“ kehren in einer Art heim, dass es einem die Sprache verschlägt.

„Lebensräume. Adalbert Hock-Retrospektive“ bis 7. September in der Aschaffenburger Kunsthalle Jesuitenkirche. Geöffnet: Dienstag 14-20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr

Dürer-Ausstellung im Städel

Impressionen von der Dürer-Ausstellung im Städel

Quelle: op-online.de

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