„Blues Brothers“ auf Dreieichenhainer Bühne

Im Auftrag des Herrn die Burg gerockt

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Bis in die Nebenrollen ist das Ensemble gut besetzt.

Dreieichenhain - Es ist kein leichtes Unterfangen sich mit Soul- und Blues-Legenden wie Ray Charles, John Lee Hooker oder Aretha Franklin zu messen, doch wer sich an eine Cover-Version der „Blues Brothers“ wagt, für den führt daran kein Weg vorbei. Von Maren Cornils 

Schließlich hat das 1980 von John Landis verfilmte Roadmovie um zwei schräge Vögel mit weichem Herzen Kultstatus, und das nicht zuletzt, weil neben dem unübertroffenen Gespann John Belushi und Dan Aykroyd unzählige Stars aus der Musik- und Filmbranche einen Auftritt haben.

Bei den Burgfestspielen Dreieichenhain dauerte es ein wenig, bis das Ensemble der Musical-Eigenproduktion aus Bad Vilbel in Schwung kam, es lief aber spätestens ab der Szene in Matt Murphys Bar - im Original schmettert dort Aretha Franklin ihr „Think“ - zur Höchstform auf. Dass die Verfolgungsjagden aus dem Film fehlen, beziehungsweise mangels echter „Bullenschleuder“ eher pantomimisch dargestellt werden müssen, ist leicht zu verschmerzen: Das Publikum kennt ohnehin jede Szene.

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Kommen Reverend Cleophus (Luis Lay) und sein Gospelchor in der Erleuchtungsszene („Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs“) noch relativ blass daher, verglichen mit James Browns ekstatischem Erweckungsgesang, so steigern sich Choreografie und Gesang im Verlauf des von Christian H. Voss inszenierten und von Günther Lehr musikalisch verantworteten Abends gewaltig. Erst dürfen sich die Blues-Brüder Thomas Gerber und Michael Hiller im Restaurant von Mister Fabulous (Marcel Kaiser) - sehr zum Vergnügen der Zuschauer - wie die letzten Rüpel aufführen, dann beweist im „Soul Food Café“ Matts streitbare Frau (Sonja Herrmann), dass nicht nur die Anzugträger gut bei Stimme sind und kassiert dafür einen wohlverdienten Applaus.

Beim Auftritt von Jake und Elwood, die mittlerweile „die Band“ wieder vereint haben, und „Bob’s Country Bunker“ aufmischen, hält es die Zuschauer nicht mehr auf dem Sitz, denn auf der Bühne, hoch über den Köpfen des Publikums, heizt das coole Duo mit „Some Good Lovin’“ gewaltig ein.

Höhepunkt eines temporeichen Abends aber, wie könnte es anders sein, ist die Szene im „Palace Hotel Ballroom“, den die beiden lässigen Sonnenbrillen-Fans mit „Soulman“ und dem Ohrwurm „Everybody Needs Somebody To Love“ rocken. Nicht ganz so gut wie das Original, aber ein hervorragend choreografiertes Musical mit bis in die Nebenrollen grandiosen Darstellern, das mehr als zwei Stunden für „Good Vibrations“ im Auftrag des Herrn sorgt.

Quelle: op-online.de

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