„The King‘s Speech“ im Rémond-Theater

Auf Augenhöhe mit Hollywood

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Therapeut Lionel Logue (Hartmut Volle, links) hilft Prinz Albert (Christopher Krieg) auf die Sprünge.

Frankfurt - Claus Helmer bringt den Filmerfolg „The King’s Speech“ ins Frankfurter Rémond-Theater. Seine Inszenierung gibt einen intimen Einblick in die Seele eines zutiefst verunsicherten Menschen. Von Maren Cornils

Seine Umgebung begegnet ihm mit Unterwürfigkeit, aber genau genommen ist seine königliche Hoheit, Prinz Albert, Herzog von York, ein armer Wurm: Der Sohn von König George V. stottert ganz und gar unköniglich. Als Kinofilm war „The King’s Speech“ 2010 ein Welterfolg. Nun ist die Geschichte um Albert, der nach der Abdankung seines Bruders, Edwards des VIII. , unfreiwillig zum König der Briten ernannt wird, als Bühnenstück im Fritz Rémond Theater Frankfurt in der Regie des Hausherren, Claus Helmer, zu sehen.

Das Stück ist noch bis zum 8. Dezember zu sehen. Karten gibt es unter 069/435166.

Helmer inszeniert die Tragödie als kompaktes Kammerstück, in dem die Zuschauer vor allem Einblick in die gepeinigte Seele des Prinzen und den britischen Machtapparat bekommen. Christopher Krieg, sonst eher auf Boulevardkomödien und seichtere Unterhaltung abonniert, gibt Albert als eigentümliche Mischung aus selbstbewusstem Adelsspross und zutiefst verunsichertem Menschen, verkörpert dessen Reifung zum innerlich gefestigten Würdenträger jedoch auf überzeugende Weise.

Ihm gegenüber steht der zwischen Vaterfigur, Therapeut und Scharlatan oszillierende Lionel Logue (Hartmut Volle), ein australisches Raubein, dem nichts mehr zuwider ist, als Standesdünkel und der den Prinzen vom Stottern heilen soll. Ein Gespann, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte, und genau darin liegt der Reiz dieser Begegnung.

Wenn sich Prinz und Sprachtherapeut in den Lektionen mit Begeisterung Beleidigungen um die Ohren hauen, der Therapeut den widerspenstigen Schüler zu merkwürdigen Übungen zwingt, sind das Höhepunkte eines brillant gespielten und inszenierten Stückes. Beeindruckend ist auch, wie Helmer und Bühnenbildner Steven Koop mit minimalistischer Dekoration größtmögliche Effekte erzielen.

„The King’s Speech“ aus der Feder von David Seidler funktioniert als Theaterstück hervorragend. Zumal es Helmer gelingt, Faktoren deutlich zu machen, die schuld an dem Sprachfehler sind: ein liebloses Elternhaus, in dem der royale Nachwuchs nichts weiter zu tun hat, als die Erbfolge zu sichern; ein Bruder, der sich ungeniert über das Handicap Alberts lustig macht; ein Regierungsapparat, dem der liebesbedingte Thronverzicht Edwards VIII. in die Hände spielt und der glaubt, der schüchterne Bertie sei leicht zu manipulieren. Ein vielschichtiges, intelligentes Stück, das den Vergleich mit dem Film nicht zu scheuen braucht.

Quelle: op-online.de

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