Licht und Schatten

100 Jahre Universitätsmedizin in Frankfurt

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Der Vertrag aus dem Jahr 1912 zur Gründung der Universität

Frankfurt- Wer die Zukunft leben und nicht bloß vor sich hin vegetieren will, dürfe nicht blind und überschwänglich auf die Vergangenheit schauen, meint Professor Enrico Schleiff, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt. Von Robyn Schmidt

Stattdessen müsse man sich kritisch liebend mit ihr auseinander setzen. Mit diesem Gedanken ist nun eine Ausstellung zu 100 Jahren Universitätsmedizin in Frankfurt eröffnet worden.

Die kleine Schau im Foyer von Haus 23 der Universitätsklinik führt durch die 100-jährige Geschichte der medizinischen Fakultät, von der Vorgeschichte zur Gründung 1914 bis zu den Um- und Neubauten der vergangenen Jahre. Auch die Rolle der Frankfurter Uniklinik zur Nazizeit wird beleuchtet. „Das war eine schaurige Phase“, sagt Prof. Jürgen Schölmerich, ärztlicher Direktor der Uniklinik. In der Zeit ab 1933 wurde die Universitätsmedizin schnell „nazifiziert“. Zahlreiche Dozenten wurden entlassen, vier von den Nazis ermordet. Ab 1934 führten Frankfurter Universitätsmediziner Sterilisierungen durch und im Januar 1945 wurde NS-Aktivist Heinrich Wilhelm Kranz Rektor der Universität (bis April 1945). Auch ein neuer Lehrstuhl für Erbbiologie und Rassenhygiene wurde während der NS-Zeit an der Uniklinik gegründet. Josef Mengele, Assistent des Leiters des Lehrstuhls und Lagerarzt in Auschwitz war der wohl bekannteste NS-Verbrecher, der an der Uniklinik tätig war.

Auch der Wiederaufbau nach Kriegsende wird in der Ausstellung thematisiert, genauso wie Pläne in den 1960er und 1970er Jahren, die Uniklinik umzusiedeln. Ein kurzer Exkurs zeigt die Rolle von Frankfurter Medizinstudenten während der 68er Proteste.

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Die Schau „100 Jahre Universitätsmedizin in Frankfurt“ ist bis 18. März 2015 zu sehen

Besonders stolz ist die Uniklinik auf vier ihrer Gründungsdozenten. Ludwig Edinger, Gustav Embden, Kurt Goldstein und Nobelpreisträger Paul Ehrlich ist jeweils eine eigene Vitrine gewidmet, um ihre Leistungen zu würdigen. „Die Zeit mit den vieren war glorreich“, meint Schölmerich. „Und wir hoffen, dass auf dem Boden dieser glorreichen Vergangenheit eine ebenso glorreiche Zukunft wachsen wird.“ Die Ausstellung ist zwar ein Rückblick, soll aber das Augenmerk auch auf die nächsten hundert Jahre richten. „Wir können unsere Qualität weiter verbessern, wenn wir denn auch die nötigen finanziellen Mittel bekommen“, sagt der Dekan des Fachbereichs Medizin, Prof. Josef Pfeilschifter. Nach innen könne man so noch wachsen, in die Breite seien die Grenzen des Wachstums aber bald erreicht. „Wenn die Zahl der Studierenden in den nächsten hundert Jahren mit der gleichen Rate wächst wie in den vergangenen, dann hätten wir im Jahr 2114 rund 84 500 Studierende bei uns“, rechnet Pfeilschifter. „Ich hoffe sehr, dass die Welt nicht so krank wird, dass sie so viele Ärzte braucht.“

Quelle: op-online.de

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