„Immer ist’s ein Vieles“

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Originell bespielte Raumensembles.

Bad Homburg- Die Ausstellung „Ästhetik der Natur“ in Bad Homburger Sinclair-Haus verwischt künstlich geschaffene Grenzen zwischen Natur, Wissenschaft und Kunst. Von Reinhold Gries

Malerei, Zeichnung, Fotografie, Installation und Skulptur sind so stimmig mit Objekten der Geologie, Mineralogie, Botanik und Zoologie vereint, als könnte wieder zusammenwachsen, was zusammengehörte. Ganzheitliche Deutung bringen dazu Goethe-Zitate an der Wand: „Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze…Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das ist außen. Kein lebendiges ist ein Eins, immer ist´s ein Vieles. “.

Doug & Mike Starn, „Black Pulse“, C-Print

Präparate putziger Fennek-Wüstenfüchse leben beim Blick auf fast gleichfarbige Wüstenfotos von Ralf Peters neu auf. Auch Zebras Streifen passen zu „gemusterten“ Sanddünen in Peter Schlörs Fotos. Kostbar schimmernde Schmetterlinge, vor 300 Jahren gesammelt und präpariert von Maria Sybilla Merian, nehmen neu Kontakt auf mit Dario Alves Bassos aquarellierter Fotoserie „Humboldt“ zu südamerikanischen Tropenreichen.

Guiseppe Panone und Hermann de Vries haben sich in hiesiger Natur aufgemacht, um Entsprechungsstücke zu historischen Selbstdrucken von Blättern, Binsen und Kräutern aus dem Museum Wiesbaden zu finden. Cornelia Genschow hat im artenreichen Homburger Schlosspark das entdeckt, was man als „Zufallscollage“, Fotolithographie oder temporäres Graffiti künstlerisch verwandelt wiederfindet. Doug & Mike Starns C-Prints dagegen überhöhen in „Black Pulse 17“ das perforierte Innenleben eines getrockneten Blattes zu monumentaler Form.

Grenzen verwischen zwischen Kunst und Natur

Beim Rundgang verschwinden Grenzen zwischen Kunst und Natur. Bei Saskia Niehaus‘ in Ton gebrannter und mit Wachs überarbeiteter Flughund-Skulptur fragt man sich: echt oder nicht echt? Evolutionäre Schöpfung hat beim kunstvoll konservierten Flughund-Präparat ähnlich expressive Prinzipien angesetzt wie Georg Baselitz in seinem Gemälde mit im Pflanzendschungel abtauchendem Schilfrohrsänger. Das Schaupräparat des Leoparden aus Kamerun erscheint mindestens so kunstvoll wie Stefan Mannels in Lebensgröße gemaltes Okapi dahinter. Filigran gereihte Federbilder zu Schönsittich, Rotem Kardinal oder Alpenstrandläufer, herrlich ornamentierte tropische Schneckengehäuse auch glitzernde Mineralien gehen sowieso als Kunst durch.

Da können Per Kirkeby, Elke Härtel oder Kiki Smiths Artefakte kaum noch mithalten. Claire Morgans poesievolle Installation „Throe“ schon, ein Vogel-Präparat mit raumfüllender Pusteblume. Die Kugel aus unzähligen frei schwebenden Distelsamen scheint nicht von dieser Welt. Erst allmählich erkennt man an der Decke befestigte Nylonfäden, die Federleichtes mit kleinen Bleigewichten in Position halten. Man wagt bei so viel zerbrechlicher Kraft kaum, Luftzug zu verursachen…

„Ästhetik der Natur“ bis 26. August im Sinclair-Haus Bad Homburg. Öffnungszeiten: Dienstag 14-20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

Quelle: op-online.de

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