Glück liegt im Blick

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Antonio Marra „Und plötzlich pfeift kein Vogel“, Acryl auf Leinwand.

Offenbach - Der glückliche Maler kehrt zurück: Antonio Marra arbeitet zwar noch immer in seinem Atelier an der Mühlheimer Straße, doch seine Werke haben längst die Messen. Galerien und Sammler in ganz Europa erreicht. Von Carsten Müller

Dennoch war es dem gebürtigen Neapolitaner ein Herzensanliegen, seine neuen Werke in der Offenbacher Galerie von Thomas Hühsam auszustellen, wo die Karriere des heute in Museen wie dem ZKM Karlsruhe vertretenen Künstlers ihren Ursprung hatte. Zumal sich die Galerie in der Frankfurter Straße nach dem Umzug in einen schicken und geräumigen „White Cube“ verwandelt hat. Zur Eröffnung des neuen Ausstellungsraums mit Loft-Atmosphäre gab es Marra satt unter dem Titel „Il pittore felice“, der glückliche Maler.

Seit Anfang der neunziger Jahre arbeiten Hühsam und Marra zusammen. Und in diesen fast zwei Jahrzehnten hat der Offenbacher mit dem Dali-Bärtchen seine Spielart der Malerei perfektioniert, die mit ihren verblüffenden dreidimensionalen Effekten Einzigartigkeit für sich beanspruchen kann. Mit einer Art Kamm erzeugte Marra ein Linien-Relief auf der Leinwand, das er von verschiedenen Seiten bemalt. So erhalten seine Bilder je nach Standpunkt und Blickwinkel des Betrachters mindestens zwei verschiedene Ebenen, deren Grundmuster virtuos miteinander verflochten sind und Gegensätzliches in virtuosen Einklang bringen.

Antonio Marra „Il pittore felice“ bis 22. Januar 2012 in der Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach.
Geöffnet: Mittwoch bis Freitag von 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung (069/810044)

Randscharfe Flächen gehen in impressionistische Tupfen über, klar geordnete Schwarzweiß-Geometrie in bewegte Figuration, Blattartige Objekte bilden einander überlagernde Halbkreise. Die Umrisse eines Bergpanoramas verschieben sich wie tiefenscharfe Hologramme. Farbig rhythmisierte Linien, einem Pincode ähnlich, zünden ein tachistisches Blüten-Feuerwerk. Und schwungvolle Wellenmuster finden Ruhepunkte in reduziert-monochromen Flächen. Mitunter sind die Ebenen so gekonnt ineinander montiert, dass dreidimensional wirkende Objekte entstehen, die ein Eigenleben entwickeln und zu oszillieren scheinen, Marra treibt ein grandioses Spiel mit der Wahrnehmung, das immer wieder neue Facetten hervorbringt, je intensiver man sich auf seine Werke einlässt. Wenn das nicht glücklich macht...

Quelle: op-online.de

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