Ausstellung im Frankfurter Städel

Rembrandt als Landschaftskünstler

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Rembrandt Harmenesz van Rijn, „Landschaft mit Boot und einer Brücke“, 1650

Frankfurt - Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), der Müllersohn aus Leiden, der in Amsterdam Karriere machte und nach Schicksalsschlägen mittellos verstarb, ist einer der Großmeister der Kunstgeschichte. Von Reinhold Gries

Man kennt ihn als barocken Historien- und Porträtmaler, weniger bekannt ist er als zeichnender und radierender Landschaftskünstler, wie ihn das Frankfurter Städel nun in 62 eigenen Werken vorstellt. Dabei stehen neben arkadischen und niederländischen Landschaften auch biblische Motive und experimentelle Naturstudien, in Kontext gestellt mit Grafiken von Vorläufern wie Jan Pieter Brueghel und Adam Elsheimer oder von Zeitgenossen wie Jacob van Ruisdael.

Jedes Blatt eine Kostbarkeit – das reicht von äußerst malerischen Grauwerten und Strichlagen bei Bäumen, Staffagen, fernen Silhouetten und nahen Gebäuden bis zu bewusst unfertigen Radierungen des Spätwerks wie „Die Badenden“, in Reduktion der Linien und Aussparung die Moderne vorbereitend. Rembrandts virtuoser Umgang mit Techniken der Ätzung und Kaltnadelradierung, auch in Kombination mit dem Kupferstich, öffneten der Druckgrafik neue Welten. Auch in zwischen 1640 und 1652 entstandenen Landschaften, als Rembrandts erste Frau Saskia erkrankte und starb, nachdem seine drei ersten Kinder im Jahr ihrer Geburt gestorben waren. Da suchte der Künstler Einsamkeit und Naturerfahrung, hielt Eindrücke und Ideen in Skizzenbüchern fest und setzte sie im Atelier zu Radierungen um. Nicht nur in stillen, oft kleinformatigen Panoramen wie der „Ansicht von Amsterdam“, dem „Landgut des Goldwägers“ oder „Landschaft mit Obelisk“ sind Menschen arabeskes Beiwerk oder fehlen ganz.

„Landschaft mit Bäumen, Bauernhäusern und einem Turm“, um 1651 Fotos: Städel Museum

Versteckt sind freilich in dicht bis dschungelhaft angelegten Strichlagen und Gespinsten wie bei „Kahn unter Bäumen“ selbst titelgebende Bildgegenstände. Wie Rembrandt seine gleichnishaften Hauptmotive inszeniert – verfallende Bauernhütten mit struppigen Strohhauben, in die Weite führende Stege und Brücken und altersschwache Windmühlen – weist in die Romantik.

Diagonalen wie bei „Drei Hütten“ oder offene Räume wie bei „Brücke des Jan Six“, „Landschaft mit Bäumen“ oder „Landschaft mit Straße und Wassergraben“ sind für ihre Zeit kühn komponiert. Bei der realistischen Darstellung zweier Metzger sowie bei Studien wie „Das Schwein“ oder „Die Muschel“ geht es um die Magie des Gegenstandes. Erstaunlich auch gebirgige Phantasielandschaften und amouröse Hirtenszenen mit Flötenspielern und Badenden, die Deftiges nicht auslassen.

Christliche Motive wie „Barmherziger Samariter“, „Flucht nach Ägypten“ oder den betenden Hl. Franziskus fügt Rembrandt immer in Landschaft ein, Kirchenvater „Hieronymus in der Einöde“ verwandelt er zum humanistischen Sinnsucher. Selbstbildnisse zeigen den Weg vom Erfolgsmenschen zum auf sich zurückgeworfenen Mann, dem die Welt zum Problem geworden ist.

Quelle: op-online.de

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