Galerie Hühsam

Ausstellung: Entfesselte Tierwelt

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Hintersinniges Bestiarium: Mensch, Schwein, Affe und Hund lässt Thomas Putze in der Galerie aufmarschieren.

Offenbach - Die Affen sind los in Offenbach! Thomas Hühsam zeigt in seiner Galerie Skulpturen und Tuschezeichnungen des in Augsburg geborenen Künstlers Thomas Putze. Von Carsten Müller

Der breitet in der Frankfurter Straße auf großer Fläche ein Bestiarium aus, das Humor mit einem Kunstverstand verbindet, der nicht krampfhaft nach Sinnhaftigkeit sucht, sondern durch seine ungezwungene Frische berührt.

Thomas Putze (Jg. 1968) ist gelernter Gartenbauer, der erst nach Ausbildung und Zivildienst, nach Entwicklungshilfe und Theologiestudium den Weg zur akademischen Ausbildung in Bildhauerei und Malerei gefunden hat. Ein Tausendsassa, der auch als Musiker, Kletterer und Baumträger seinen Mann steht, wie ein Youtube-Video von der Offenbacher Vernissage eindrucksvoll belegt. Dass Putze keine Angst vor Höhenluft hat und trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden steht, sieht man seinen Skulpturen an.

Er ist ein genauer Beobachter seiner Umwelt, der mit groben Werkzeugen wie Motorsäge und Stemmeisen filigran wirkende Figuren schafft, deren Oberflächen er mit schwarzer Tusche färbt oder mit dem Brenner abflämmt. Putzes Arbeiten vereinen gegensätzlichste Materialien zum organischen Ganzen. Er lässt sich von Vorgefundenem leiten, bringt natürliche und menschgemachte Formen auf einen gemeinsamen Nenner.

„Pelikan“ mit Telefon-Schnabel, dahinter Gedränge am „Pissoir“.

Wasser- und Abflussrohre, verbogene Schrauben, leere Plastikflaschen und anderen Abfall integriert er in seine Objekte, als hätten diese nur auf eine Gelegenheit gewartet, ihr zweckdienliches Dasein hinter sich zu lassen und in anderem Zusammenhang zu neuem Leben erweckt zu werden. Wie Thomas Putze im Schrott triftige Ergänzungen für gewachsenes Holz findet, fasziniert genauso, wie seine Gabe, mit minimalem Aufwand größtmöglichen Effekt zu erzielen.

Der verwachsene Ast einer Birke inspirierte ihn zu einer Affenskulptur mit abgewinkeltem Arm, die Höhle in einem Baumstumpf zum Schlund des nimmersatten Katers „Garfield“. Der aufgeklappte Hörer eines Telefons dient als Schnabel für einen lebensgroßen Pelikan. Hinter einem Gitterrost drängt sich schamhaft ein virtuos komponiertes Ensemble von Gestalten am „Pissoir“. Ein gefaltetes Stück Zinkblech wird zum Spielzeugflieger des auf dem Hochhaus balancierenden King Kong. Nach dem Betrachter schnappt ein aggressiver „Kläffer“ aus rau aufgerissenem Fichtenholz. Affen gibt es überall, an Wänden, Decken, auf dem Boden des Ausstellungsraums, sogar auf der Herrentoilette. Ihre Körper sind Montagen aus Ofenrohr, Abflussleitung, aus Holz und Schraubenfedern, aus kunstvoll gewickelten Fahrradschläuchen – sie hüpfen Seil, brüllen, renommieren. Meisterlich versteht Thomas Putze sich darauf, Bewegung einzufangen. Die kraftvollen, reduzierten Striche seiner Tuschzeichnungen wirken wie Vorstudien.

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Alles Putze“ noch bis 5. Mai in der Galerie Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung unter 069/810044.

Mächtig Eindruck macht der Orang-Utan, dessen zotteliges Fell akribisch mit der Kettensäge ausgeschnitten wurde. Kaum einen Zeigefinger messen die an Nägeln und Schrauben hangelnden Äffchen, mit groben Schnitten aus zartem Astwerk geformt und perfekt bis ins Detail. Humor bringt der heute in Stuttgart lebende und arbeitende Künstler leichterhand ins Spiel. Etwa beim Sadomaso-Ensemble aus kopflosem „Mensch“ und Peitsche schwingender „Sau“, tatsächlich: ein Schwein, oder dem Hirschkopf aus Holz, Lampe und Plastikflaschen. Das wirkt ungemein spielerisch und ungezwungen, aber niemals oberflächlich – ist doch bekanntlich das Leichte höllisch schwer.

Quelle: op-online.de

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