Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte 

Dialog der Zeiten

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Grau ist das Personal in Gabriele Nolds Acrylmalereien, Akzente setzen Farbflächen und diffuse Räume.

Offenbach - Zeit ist ein knappes Gut. Das ist sieben gestandenen BOK-Schaffenden nur allzu bewusst, die ihre „Zeitspuren“ in Offenbachs Haus der Stadtgeschichte vorstellen. Dazu treten frühere Arbeiten in Dialog mit neuen. Von Reinhold Gries

Wie sich künstlerische Erinnerungsfetzen bemerkt oder unbemerkt in den Vordergrund schieben, steht fürs Leben selbst. Man sieht das an Gabriele Nolds als Studentin aquarellierten, radierten oder gezeichneten Menschenbildern „Mädchen in Rom“ oder „Kind in Jeansjacke“, die bis in heutige Acrylmalerei hineinwirken. Das Bildpersonal - auch ihre Großmutter und Mutter - ist in Grau gehalten wie nostalgische Fotos der 60er. Ihre dasitzende Mutter hat Nold aber mit rotem Kleid ornamentiert, weil er ihr auch um Liebe und Bindung geht. Um Aufmerksamkeit zu erzielen, sind diffuse urbane Landschaften und Farbklänge um die Zentralfiguren herum collagiert und geschichtet.

Was hier Innenreise ist, ist bei Gerd Vollmer äußere Welterkundung. Von 1983 gezeichneten, aufschreckenden Studienblättern „Erfroren (und verhungert) an der Gleichgültigkeit“ führt ein weiter Weg zu farbkräftigen Acrylgemälden. Wie ein Ethnologe fotografiert und zeichnet Vollmer Menschen und Bräuche aus Peru, Mexiko und Spanien, um damit zu Hause malerisch in die Vollen zu gehen wie bei „Fronleichnamsfest in Cuzco“ oder „Junge Bäuerin mit Kind“.

Auf Zeitreise

Karin Nedela geht auf Zeitreisen, in analogen Schwarz-Weiß-Fotos. Zunächst sind Männer dran, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben, auch als „Liebesobjekt“. Über biblische Rache-Frauen mit abgeschlagenen Männerköpfen geht es zu erinnerten wie imaginierten Porträts berühmter Frauen. Nedela recherchiert deren Leben und Taten, macht ein Bildkonzept, „castet“ dazu passende Modelle. Mit Einfühlung und kritischem Blick inszeniert sie Maria Sibylla Merian nicht nur als Blumenmalerin, Herzogin Erzebeth Bathory nicht nur als Massenmörderin und Jeanne d´Arc nicht nur als Bauernmaid mit Visionen.

Menschbezogen malt auch Jürgen Eckert - „in unsicherer Gegend“. In abstrakt-elementarem Malgestus wirft er Gestalten und Köpfe in eine vage Existenz voller Gespinste und Fallstricke. In Acryl und vielfach geschichteter Mischtechnik werden Häupter zu Zielscheiben, um die herum es gewaltig rumort. Ruhiger, aber ähnlich kraftvoll wirken Landschaften von Eberhard Stolz. Auf den ersten Blick. Je länger man sich auf Bildserien wie „Rot erlebt ein blaues Wunder“ oder „Herzblut“, expressiv mit Grafitstift und Tusche auf große Papierbögen geworfen, umso nachdenklicher macht Unangreifbarkeit der Dinge.

Geistige Kunst

Ums Geistige in der Kunst geht es auch Doris Preußner. Dem einst preisgekröntem Unica-T- Künstlerbuch zu Gedichten von Ernst Jandl setzt sie Neuschöpfungen entgegen. „Schöpfen“ nimmt sie wörtlich: Sie schöpft und gautscht Papier mit diffizilen Farbstrukturen und Stein-Figurationen. Wie sie dabei mit Sieb, geschickten Händen, „Zeug“ und Hilfsmitteln umgeht, hat Zauber. Kalligraphin Hannelore Andree setzt in ihrer Schrift- und Zeichenkunst auf Poesie, in den 80ern auch in Kinderbücher umgesetzt.

Weitere Informationen: „Zeitspuren - BOK im Haus der Stadtgeschichte“ vom 2. Dezember bis 6. Januar 2013. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag, und Freitag von 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr

Quelle: op-online.de

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