Seelenwanderung: Ausstellung „Mensch Maschine“ 

Darmstadt - Hochofenköpfe in Duisburg-Ruhrort, Arbeiter auf dem Weg zur Frühschicht, Wohnmaschinen-Modelle, Labors und Werkshallen sind die Motive, mit denen sieben Künstler in der Kunsthalle Darmstadt hineinführen in bundesdeutsche Arbeits- und Wohnwelten der letzten 60 Jahre. Von Reinhold Gries

Bernd und Hilla Becher in 24 Schwarz-Weiß-Fotos aus den 60er bis 80er, Chargesheimer mit atmosphärisch dichten Standfotos aus dem Ruhrgebiet, Jochen Mura mit Skulpturen aus Karton, Acrylglas und Holz, Stefan Rohrer mit futuristischen Raumplastiken und Angelika J. Trojnarski in technoiden Malvisionen. In der Symbiose von Mensch und Maschine werden Menschenseele und „Automatenseele“ beinahe austauschbar.

Dominant sind freilich die monumentalen Industriemalereien von H.D. Tylle, der auf seiner „Deutschlandreise“ Konzerne wie Merck, BMW und BASF ins Bild setzt. Industriemalerei, die mit Sorgfalt, Detailversessenheit und Farbenfreude vor Ort tief ins Detail ging, irgendwo zwischen Realismus, Verismus und Historienmalerei. „Labor Produktaufbereitung“, „Reaktor für Flüssigkristallproduktion“, „Elektroofen nach dem Chargieren“ oder „Aufgebockte A 380“ nennt Tylle die Großformate, die den Betrachter zum Insider machen. Mit großer Malfreude überspielt er allerdings die Präzision einer Montagestraße oder eines Entwicklungslabors mit fast impressionistischen Farb- und Lichtereignissen, in welche sich der Mensch wie selbstverständlich einfügt. Im Außenraum, bei der Darstellung von Kraftwerken oder „Tagebau Welzow-Süd“, wandelt sich das zur Reminiszenz an große Landschaftsmalerei.

Fortschrittsoptimismus in minimalistisch grauen Skulpturen

Mura konterkariert diesen Fortschrittsoptimismus in minimalistisch grauen Skulpturen, die an der Wand und auf dem Boden oft abweisend wirken. „Versorgungsschächte“ entpuppen sich als Requisiten, Zweckräume und funktionstüchtige Aggregate werden nur vorgetäuscht, Mura lässt die Industrieanlagen leerlaufen. Genormte Waben des Menschen zeigt er an Wohnmaschinen-Modellen, die als Leuchtkästen oder Eisenbahnzüge auftreten.

Stilistisch hervorragend ist die Foto-Serie des Künstlerehepaars Becher. Wassertürme, Gasometer, Fördertürme und Hochöfen werden zu wandfüllenden Typologien und Ikonen der Maschinenästhetik, die freilich wie von gestern wirkt.

Die Ausstellung „Mensch Maschine“ ist bis 26. August in der Kunsthalle Darmstadt zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis Fr 11 -18 Uhr, , Sa und So 11 - 17 Uhr. Mehr Infos: www.kunsthalledarmstadt.de.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild/Pixelio.de/Paul-Georg Meister

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