Ausstellung zum Thema Moscheenbau

„Abziehbild in den Köpfen ablegen“

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Zwischen arabischer Tradition und europäischer Architektur gibt es viel Spielraum.

Offenbach - „Der Islam gehört zu Deutschland. “ Das sagte schon der frühere Bundespräsident Christian Wulff. Wolfgang Voigt vom Deutschen Architektur Museum Frankfurt schlussfolgert daraus: „Dann gehört die Moschee auch in die Stadt.“ Von Robyn Schmidt  

Warum Moscheen aber ein eher seltener Anblick in deutschen Stadtzentren sind, diskutierten Architekten und Mitglieder der Offenbacher und Frankfurter Bauverwaltungen nun bei einem Symposium in der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Anlass war die Eröffnung der Ausstellung „Kubus oder Kuppel: Moscheen – Perspektiven einer Bauaufgabe“.

Hauptsächlich sei die gesellschaftliche Diskussion der Grund, warum Moscheen häufig in Hinterhöfe und Gewerbegebiete gedrängt werden. Zwar hätten die meisten Menschen nichts gegen Moscheen, aber bitte nicht gerade in ihrer Nachbarschaft. „Es herrscht immer noch häufig die Einstellung: Je weiter weg, desto besser“, sagte Architekt Alen Jasarevic.

„Das Baurecht unterscheidet nicht zwischen Kirchen und Moscheen“, sagte Markus Radermacher von der Frankfurter Bauaufsicht. „Eigentlich ist es fast überall zulässig, Moscheen zu bauen.“ Laut Jasarevic biete das Baurecht allerdings noch genug Interpretationsspielräume für die kommunale Verwaltung, um dem gesellschaftlichen Druck nachzugeben.

Moscheen aus Köln und Penzberg

Deshalb sei es besonders wichtig, dass sich die islamische Gemeinschaft öffnet und Berührungsängste abbaut. Das könne schon beim Moscheebau beginnen. Man müsse nicht die arabische Moscheenarchitektur importieren, sondern könne sie an europäische Architektur anpassen, erklärte Fotograf Wilfried Dechau, der einen Bildband über Moscheen in Deutschland gemacht hat. Das sieht auch Radermacher so: „Die Menschen müssen das Abziehbild in ihren Köpfen von Moscheen mit Kuppel und Minarett ablegen, um zu neuen Formen zu kommen.“ Eine Kuppel sei eigentlich kein Muss bei einer Moschee und auch beim Minarett-Bau hätten Architekten sehr viel Freiheit.

Diese unterschiedlichen Formen können Besucher bei der Ausstellung in der HfG anschauen. Unter anderem werden Moscheen in Köln und Penzberg vorgestellt, deren Aussehen und Geschichten kaum unterschiedlicher sein könnten. Während in Köln viele Menschen gegen den teuren Bau protestierten, ist in Penzberg eine kleinere, durch die islamische Gemeinde selbst finanzierte Moschee vor den Augen begeisterter Anwohner entstanden.

Andere Projekte, die vorgestellt werden, sind die Ray of Light Mosque in Dubai und die einem Supermarkt nachempfundene Albert-Heijn-Moschee in Amsterdam. Auch das Projekt „Ceci n’est pas un minaret“ aus Zürich wird gezeigt. Um das Minarettverbot in der Schweiz zu umgehen, lassen die Architekten bloß das Bild eines Minaretts an einer Hochhauswand entstehen. Das einzige, was all diese Projekte gemeinsam haben, ist, dass sie dem klassischen Bild einer Moschee widersprechen. „Es ist ein Erfolg der Religion, dass an den Ort angepasst eine so große Vielfalt entstanden ist“, sagte Jasarevic. Und die Ausstellung soll weitere Anregungen liefern. Christian Welzbacher, Ausstellungskurator und Moderator der Diskussion sagte: „Mit dieser Ausstellung wollen wir neue Wege in die Architektur und in das Denken der Menschen reintragen“.

Die Schau „Kubus oder Kuppel. Moscheen - Perspektiven einer Bauaufgabe“ in der Aula der HfG in Offenbach ist bis 27. März zu sehen. Öffnungszeiten: Mo - So 12 bis 18 Uhr

Quelle: op-online.de

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