Kreative Zahlenspiele

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Zahl in Form: „four letter word“ von Rupprecht Geiger

Offenbach - Schlechte Schüler können aufatmen: Es geht nicht um Mathematik bei der Ausstellung des Münchner Künstlers Rupprecht Geiger im Gebäude der Industrie und Handelskammer Offenbach. Von Philipp Fess

„Metaphorisch“ werden Zahlen zum Ausgangspunkt eines kreativen Sinnierens über die Abstraktionsmöglichkeiten bereits kodierter und bedeutungstragender Kulturerrungenschaften und stellen damit im Œuvre des Künstlers eine Alternative zu seinem Steckenpferd, der Farbfeldmalerei, dar. Rupprecht Geiger war einer der ersten Vertreter der gegenstandslosen Malerei in Deutschland und Mitbegründer der Künstlergruppierung „ZEN 49“, die sich 1949 zum Ziel gesetzt hatte, das Phänomen der abstrakten Malerei der Öffentlichkeit nahe zu bringen.

Die Farbe selbst ist das Motiv: Geiger schafft Siebdrucke und Serigrafien, die fast ausnahmslos aus neonfarbenen oder ovalen Kreisen bestehen, die sich durch ihre Anordnung auf dem Bildraum und in Abgrenzung zum Hintergrund selbst definieren und die er in Verbindung mit Roll- oder Sprühtechniken ausdrucksstark moduliert.

Was hat das alles aber mit Zahlen und Ziffern zu tun?

Farbe als Motiv: Abstrakte Malerei des Münchners

Was hat das alles aber mit Zahlen und Ziffern zu tun? Geiger beschäftigte sich mit Ziffern als rein flächenhaften Formelementen. Die Ziffer als solche, als „bloße Form“ sei bedeutungsfrei: Die Wertigkeit des Symbols „Zahl“ sei Ergebnis kultureller Übereinkünfte. Am Beispiel seines Werkes „z a h l 5 6 7 8“ wird einigermaßen klar, was Geiger meint: Das Wort „zahl“ selbst besteht aus vier Buchstaben und wird als Supplement für Ziffern verwendet. Ein anderes Bild konstruiert beispielsweise aus dem Buchstaben „i“ über die römischen Ziffern „IV“ das englische Wort „five“ – „four letter word“ steht darunter. Wer also keine Zahlenspielereien scheut, sollte sich unbedingt die sehenswerte Auswahl an Geiger-Werken zu Gemüte führen.

Rupprecht Geiger „Metapher Zahl“ bis 10. April in der IHK Offenbach, Frankfurter Straße 90. Geöffnet: Montag bis Freitag von 8-17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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