Vor 12 000 Jahren in Sickenhofen gespeist

+
Fotos der Knochen, wie sie 1982 ein Bürger des Ortes zufällig fand.

Sickenhofen - Licht ins vorgeschichtliche Dunkel der hiesigen Besiedlungsgeschichte kam überraschend im Jahr 1982 – durch den Fund und die Untersuchung von Tierknochenfragmenten. Von Helmut Mahr

Diese wurden beim Neubau der Brücke über den Richerbach in der Ortsmitte von Sickenhofen sichergestellt.

Die Untersuchung der Knochenfragmente wurde damals vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Sickenhofen veranlasst. Die Sicherstellung der Knochen aus der Baugrube ist Klaus Held aus Sickenhofen zu verdanken. Peter Blänkle aus Offenbach veranlasste dann im Namen des HGV die zeitliche Einstufung der Knochenfunde durch das Institut für Physische Geographie an der Universität Frankfurt. Die Befunde zeigten, dass alle Knochen von ausgewachsenen Tieren stammten.

Die Art der Zerstörungen und Beschädigungen an den Knochenstücken sowie die Anhäufung des Knochenmaterials am Fundort lassen, laut Uni Frankfurt, eindeutig auf Menschen als Verursacher schließen. Die Knochenstücke sind als Überreste menschlicher Ernährung zu sehen.

Heimatforscher Helmut Mahr zeigt die Stelle, wo der „Ur-Sickenhöfer“ gefunden worden ist.

Nach den Recherchen kommt bei den in drei Metern Tiefe in der Ortsmitte von Sickenhofen gefundenen Knochenfragmenten ein Alter von gut 12 000 Jahren in Betracht. Die gefundenen Tierknochen am Richerbach sind damit einer der ältesten wissenschaftlichen Nachweise der Anwesenheit von Menschen schon vor zirka 12000 Jahren in diesem Gebiet. Der erste schriftlich gesicherte Beweis der Besiedlung von Sickenhofen liegt auch schon über 1 000 Jahre zurück. In einer Zinsliste des Klosters Seligenstadt, die Ende des 10. Jahrhunderts entstand, ist Sickenhofen erstmals erwähnt.

Diese Urkunde besagt, dass ein gewisser Luihart von Sickenhofen zwei Denare (damalige Silbermünzen) an die Abtei jährlich abzuführen hatte. Der Dorfgründer Sickenhofens war bereits 300 Jahre früher der Franke „Sigo“, der in der Zeit des 6. oder 7. Jahrhunderts mit einem größeren Gebiet der heutigen Gemarkung Sickenhofen belehnt worden war.

Aus diesem Namen des Dorfgründers entwickelte sich im Laufe der Zeit der heutige Ortsname. Bei der ersten schriftlichen Erwähnung Ende des 10. Jahrhunderts lautete der Ortsname noch Siegenhouen, aus späteren Akten sind unter anderem noch folgende Schreibweisen bekannt: Sickinhoven, Syckinhouen, Sickenhoven und heute Sickenhofen.

Im Zuge der Gebiets- und Funktionalreform in Hessen verlor die ehemals selbstständige Gemeinde Sickenhofen zum 1. Januar 1977 ihre Selbstständigkeit und ist seither ein Stadtteil von Babenhausen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare