Abiball an Bachgauschule

Die „Abistokraten“ gehen

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Die Besten der Besten: Einen traumhaften Abi-Schnitt erzielten Marcel Rühl (1,1), Daniel Kratz (1,2) und Frederica Brinkmann (1,0). Das freute auch die stellvertretende Schulleiterin Gitta Nübel-Weber.

Babenhausen - Als am Mittwochabend fast 20 junge Frauen die Bühne der Stadthalle mit langen Abendkleidern betreten, bestimmen Eleganz und Schönheit den Moment. Von Michael Just

„Es dürfte das anmutigste Tutorium sein, was die Schule je hatte“, orakelt Moderator Marcel Ronge mit seiner Kollegin Sarah Galette zum Deutsch-Leistungskurs von Astrid Sehnert-Lokay, in dem kein einziger Junge zu finden ist. Einige Beobachter fühlen sich bei diesem Anblick fast ein wenig an „Germany‘s next Topmodel“ erinnert. Die Mädchen haben allerdings mehr drauf als nur schön zu sein: Das beweisen die Abi-Zeugnisse, die ihnen ihre Tutorin mit den Worten „Auf Dauer hilft nur Frauenpower“ aushändigt.

99 Abiturienten erhalten Zeugnisse

Nicht ungeschoren kamen beim Abi-Ball die Lehrer des Bachgau-Gymnasiums davon. Es gab Auszeichnungen in Form von Krönchen und Schultüte für eher ungewöhnliche Leistungen wie Frisur, häufiges Verlassen des Klassensaals und ähnliches.

Insgesamt erhielten 99 Schüler des Bachgau-Gymnasiums beim Abi-Ball ihre Hochschulreife. Sechs Schüler aus dem Jahrgang schafften das Zertifikat nicht. Das Motto des Balls und der Abgänger lautete: „Abistrokratie – Der Adel geht, der Pöbel bleibt“. Das hört sich ein wenig hochmütig an, war aber alles andere als so gemeint. Vielmehr kam Stolz durch, alle Prüfungen geschafft zu haben und die Schule endlich zu beenden. Die stellvertretende Schulleiterin Gitta Nübel-Weber wünschte den erfolgreichen Absolventen alles Gute. Mit einem Blick auf die Zukunft zog sie drei Sprüche aus der TV-Serie „Die Simpsons“ heran. Mit „Vertritt mich mal eben“, „Gute Idee, Chef“ und „Das war bestimmt jemand anders“ zitierte sie den „großen Pädagogen“ Homer Simpson, wie der sich in der Comic-Serie regelmäßig um Verantwortung drückt und sich bei seinem Chef einschmeichelt. Laut Nübel-Weber komme man sicherlich hier und da als „Couch-Potatoe“, der die größte Zeit zuhause auf dem Sofa verbringt, gut durchs Leben – Erfüllung bringe das aber nicht. Viel wichtiger sei, die richtige Kombination aus Pragmatismus, Anpassungsbereitschaft und Verantwortung zu finden, und zwar als Mensch, der selbstbestimmt Entscheidungen trifft. Dazu benötige man Urteilskraft. „Wenn sie die an unserer Schule gelernt haben, war die Zeit hier nicht verschwendet“, so die Pädagogin.

Den langen Abend mit zwei Pausen gestalteten die Schüler mit mehreren Beiträgen, darunter auch Gesang. Die Lehrer brachten sich ebenfalls mit einem „Lehrer-Act“ ein. Hier wartete die etwas andere Version von „Wetten dass...“. Eine verlorene Wette wurde unter Begeisterung aller mit einem Lied an der Gitarre eingelöst. Dazwischen erhielten die Schüler ihre Abi-Zeugnisse, die zuständigen Lehrer parallel kleine Abschiedsgeschenke und Worte des Dankes. In einem Fall war nicht ganz klar, ob der Versprecher einer Schülerin „Wir bedanken uns für die Mühe, die sie uns gemacht haben“ jetzt Absicht war oder nicht.

Dass der Abi-Ball äußerst heiter zuging versteht sich von selbst. So gab es eine Preisverleihung von Hannah Heinrich und Melissa Dick für besonders auffällige Lehrer. Bewertet wurden unter anderem die beste Fönfrisur oder welcher Pauker regelmäßig den Faden verliert. Wehmut gehörte ebenfalls zum Abend, denn fortan trennen sich die Wege aller. „Bleibt doch noch ein Jahr!“ forderte Lehrerin Astrid Sehnert-Lokay spontan. Kurz darauf sah sie aber ein, dass ihre Schüler nicht zu halten sind: „Geht auf Weltfahrt, wie es Faust getan hat“, gab sie als Ratschlag. Marcel Ronge und Lehrer Michael Gremler persiflierten das nicht einfache Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Während Gremler die Lehrer anfangs noch in der vorteilhafteren Position sah, wandelte sich zunehmend seine Ansicht ins Gegenteil. Dabei schloss er den Kampf gegen Handys als zweites „Schüler-Ich“ mit ein. Im Ohr blieb seine Erkenntnis „Schüler sein ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen sehr.“ Der guten Stimmung beim Abi-Ball tat diese Weisheit im Kollegium keinen Abbruch. Spätestens zum neuen Schuljahr könnte sie allerdings bei einigen Lehrern wieder ins Gedächtnis wandern.

Quelle: op-online.de

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