Tag der offenen Tür

Abitur-Touristen aus Bayern an der Bachgauschule

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Beim Tag der offenen Tür konnten sich Schüler und Eltern über das Bachgau-Gymnasium informieren. Lehrer standen Rede und Antwort (links) und Schüler informierten über Arbeitsgemeinschaften, wie zum Beispiel die Mitglieder der Theater AG (rechts).

Babenhausen - 380 Schüler zählt das Oberstufengymnasium Bachgauschule. Einige von ihnen kommen aus Bayern. Auch wegen der angepriesenen familiären Atmosphäre. Doch diese kann Nachteile haben. Von Michael Just 

Die 16-jährige Leonie hat Großes vor: „Ich will Medizin studieren. Da liegt der Numerus Klausus deutschlandweit fast überall bei 1,0“, sagt die junge Aschaffenburgerin. Um den bestmöglichen Abi-Schnitt zu erzielen, schwebt ihr deshalb vor, ihre allgemeine Hochschulreife nicht an einer bayrischen, sondern an einer hessischen Schule zu machen. „Es heißt ja immer, in Hessen sind die Anforderungen nicht ganz so hoch wie weiter südlich. Dazu wird die mündliche Mitarbeit bei der Benotung allgemein hin stärker berücksichtigt“, führt sie an. Am Samstagvormittag gehörte Leonie mit ihrer Mutter zu der großen Zahl an Jugendlichen und Eltern, die den Tag der offenen Tür an der Bachgauschule nutzten, um sich über die Einrichtung und ihr Angebot zu informieren. Das Oberstufengymasium zeigte sich darauf gut vorbereitet. Gleich am Eingang standen Alegra und Antonia Wolf. Die Geschwister sind beide Mitglieder der Schülervertretung und verteilten Zettel, wo und wann Besucher bestimmte Infos bekommen. Unter der Überschrift „Die Fächer stellen sich vor“ waren im Physik- und Chemiebereich Experimente angesagt, bei Latein stand die Frage „Was macht den Philosophen aus?“ im Raum.

Die Mathematik hielt optische Täuschungen und den Film „Flatland“ parat. Fast überall, darunter in den Bereichen Politik und Wirtschaft, Erdkunde, Geschichte, Informatik oder Kunst, wurden Schülerarbeiten gezeigt. Spezielle Präsentationen gab es in Englisch und Französisch. Darüber hinaus stellte sich die Ungarn-Austausch-Gruppe, der Förderverein „Forum“, die Theater-AG und „Jugend debattiert“ vor. Letzteres ist ein Kursangebot, bei dem brisante Themen angerissen werden. Neben dem Austausch geht es vor allem darum, Rhetorik und Diskussionsgrundlagen zu erlernen. Da es das Angebot an anderen Schulen ebenfalls gibt, ist mittlerweile ein Wettbewerb entstanden. Zum Tag der offenen Tür ermittelte die Bachgauschule ihren Schulsieger, der sich bald auf nächster Ebene messen darf.

Babenhäuser Schullandschaft: Die Eduard-Flanagan-Schule (unten rechts), die Joachim-Schumann-Schule (Bildmitte) mit den beiden großen Sporthallen, jenseits der Bouxwiller Straße – erreichbar über die Fußgängerbrücke – liegt mit der Bachgauschule das Oberstufengymnasium. Daran schließt mit der Schule im Kirchgarten eine Grundschule an. - Foto: Häsler

Derzeit besuchen die Bachgauschule rund 380 Schüler. „Die Zahl ist überschaubar, weshalb die Schule als familiär und persönlich gilt“, sagt Lehrerin Gabriele Gottschalk. Meist kenne jeder jeden. Was als großer Vorteil nach Außen getragen wird, wird aber nicht von sämtlichen Schülern geschätzt. Das gilt vor allem für jene, die sich lieber anonym und etwas unbehelligter bewegen wollen. „Wenn einer in der ersten Stunde da war und dann zur fünften fehlt, fällt das bei uns auf“, sagt Gottschalk schmunzelnd. Bei den Leistungskursen hält die Bachgauschule ein vielfältiges Kombinationsangebot parat. Trotzdem kann es aufgrund der Schülerstärke bei weniger angefragten Leistungskursen, wie etwa Physik, passieren, dass diese nicht zustande kommen. Der Weg am Bachgau-Gymnasium unterteilt sich in drei Stufen/Schuljahre. In der Einführungsphase kommen die Schüler aus G7, G8 beziehungsweise jene aus der Realschule, die das Zeug zum Abi haben, zusammen (je nach Werdegang 10. und 11. Klasse). In Q1 und Q2 werden dann Leistungskurse hinzugenommen (12. Klasse), Q3 und Q4 (13. Klasse) sind die beiden Halbjahre vor dem Abi.

Die 16-jährige Marleen ist erst vor Kurzem mit ihren Eltern nach Babenhausen gezogen. Für das Abitur hat sie die Alfred-Delp-Schule in Dieburg, die Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen und die Bachgauschule im Blick. „Nach Dieburg ist die Fahrerei ungünstig“, sagt sie, weshalb diese Option bereits aus dem Rennen scheint. Bleiben noch Babenhausen und Dudenhofen. Die Entscheidung fällt ihr schwer, da sie zuvor als zweite Fremdsprache Spanisch hatte. Da es diese in Babenhausen nicht gibt, müsste sie nun neu mit Französisch starten.

Abiball der Bachgauschule in Babenhausen: Fotos

Der Anteil der Schüler aus Bayern ist am Bachgau-Gymnasium hoch. Auch Alegra und Antonia Wolf, die sich in der Schülervertretung engagieren, kommen von jenseits des Mains. Antonia entschied sich für Babenhausen, da sie als Realschülerin in Bayern bis zum Abitur ein Jahr länger bräuchte. „An der Bachgauschule ist der direkte Sprung auf die Oberstufe möglich. Die Förderung in der Einführungsphase ist sehr gut“, lobt sie. Derzeit kann sich das Oberstufengymnasium über Interessenten aus Bayern nicht beschweren. Während man verpflichtet ist, Abgänge der Joachim-Schumann-Schule und der Eichwaldschule in Schaafheim zur Reifeprüfung den Zugang zu gewähren, gilt das für Abgänger anderer Schulen und Bundesländer nicht. Trotzdem werden rund 150 Schüler pro Jahr zusätzlich aufgenommen. Genau soviele werden aber auch abgelehnt.

Quelle: op-online.de

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