Abstraktes statt Blumen

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Heide Jakob mit einem abstrakten, dreiteiligen Werk. Das Gemälde bildet eine Ausnahme in der Sammlung der Sickenhöferin, die sonst als die Blumenmalerin bekannt ist.

Babenhausen ‐ Seit es den Künstlertreff mit rundem Tisch gibt, kommen die Babenhäuser Maler und Zeichner nicht nur zum Austausch zusammen. In kontinuierlicher Reihenfolge stellen die Kreativen ihre Bilder im i-Punkt, oder im Rathaus aus. Nach Ina Reichart und Karola Bossdorf ist nun Heide Jakob die Dritte im Bunde. Von Michael Just

Morgen um 18.30 Uhr eröffnet sie ihre Ausstellung im i-Punkt (Tourismusbüro), ihre Werke sind etwa sechs Wochen lang im Rathaus und im Tourismusbüro zu sehen. Für die Sickenhöferin ist es nicht die erste Ausstellung in Babenhausen: Bereits 1999 zeigte sie im Rathaus ihre Werke, weiter organisierte sie mit ihrem Mann eine eigene Ausstellung im kleinen Saal der Stadthalle. Was Ausstellungen betrifft, gehört Heide Jakob zu den erfahrensten Künstlern der Stadt. Zweimal im Jahr lädt sie zu sich nach Hause in die „Heide-Galerie“ ein, wo sich an allen Wänden des Hauses ihre Werke dicht an dicht reihen. Dazu gibt es zwei Räume – beide zusammen knapp 80 Quadratmeter groß –, die sie extra für Interessenten und Käufer eingerichtet hat.

Die Liste ihrer bisherigen Schauen ist mit über 30 Terminen alles andere als kurz: Darunter befinden sich Städte wie München, Stuttgart, Hannover, Frankfurt, Wiesbaden, Hattersheim oder Amberg. In der Umgebung präsentierte sie bereits in Groß-Umstadt, Schaafheim oder Rödermark ihr Talent. In Dudenhofen im Pflanzenzentrum Fischer war sie bereits bei „Kunst, Konzert und Kamelien“ achtmal zu Gast. Die aktuelle Ausstellung in Babenhausen steht unter der Überschrift „Vorfreude auf den Frühling“.

Wer die Künstlerin und ihre Liebe für großflächige Blumenmotive kennt, versteht den Titel. Vor allem im Frühling und im Sommer hält sich Jakob am liebsten im Garten auf. Gemalt wird aber trotzdem größtenteils im Winter: „Die schönen Tage im Sommer sind eher zum Genießen da, weil mein Mann und ich sprichwörtlich im Garten leben. Dazu macht mir das Malen in der dunklen Jahreszeit am meisten Spaß.“ So fotografiert sie viele Motive und malt in den Wintermonaten. Bekannt ist Heide Jakob für ihre fotorealistischen Werke in kräftigen Farben.

Ausstellung zeigt Heide Jakob von einer neuen Seite

Für die Ausstellung gehen neuere Werke und Bilder mit sprießenden Blumen mit. Dazu gesellen sich aber auch weitere nicht florale Gemälde: „Heide hat immer den Ruf der Blumenmalerin, davon wollen wir ein bisschen weg“, sagt Ehemann Carl-Heinz. Experimentell habe sich seine Frau schon vielem gewidmet, seien es Landschaften, Menschen, Tiere oder Abstraktes. Das gelte es im Repertoire anzudeuten. Das Rathaus als Ort des Motiv-Kontrasts betrachten die Jakobs als ideal: „Durch die Gänge und Ebenen kann man gut gruppieren. Zuhause in der Galerie muss das meiste nebeneinander hängen.“ In der Ausstellung finden etwa 40 Gemälde Platz. Ob die Sickenhöferin die volle Zahl nutzt, will sie erst im letzten Moment entscheiden: „Das muss vom Platz und vom Licht her wirken. Die Masse macht es nicht, das sind mir meine Bilder schon wert“, sagt sie selbstbewusst.

Die Ausstellung zeigt Heide Jakob von einer neuen Seite. Bei einigen Werken überträgt sie die künstlerische Unschärfe eines Fotos aufs Gemälde und wagt sich an einen besonderen Schwierigkeitsgrad. Wie sie sagt, sehen viele Menschen bei Gemälden, die auf einer exakten Wiedergabe von Fotografien beruhen, keinen großen Unterschied. Diese Differenz werde oft nur dem Künstler bewusst: „Ein Foto ist oft nur eine erklärende Anschauungsform von Dingen. Gemälde müssen aber wirken und weit mehr rüberbringen.“ Doch beim Übertragen birgt auch das Foto Überraschungen: „Vieles übersieht das menschliche Auge. Manche Details springen erst ins Bewusstsein, wenn man sie malen muss.“

Gemalt hat Heide Jakob mit Leidenschaft schon von Kindesbeinen an. Seit 23 Jahren lebt sie in Babenhausen und hatte als Hausfrau und Mutter immer genügend Zeit fürs Kreative. „Beim Malen habe ich eine absolute Freiheit, wie in keinem anderen Beruf.“

Quelle: op-online.de

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