Acht Figuren in 950 Meter Höhe

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Der Lehrgang ist seit vielen Jahren überregional bekannt und dient der Aus- und Weiterbildung von Segelkunstflugpiloten.

Babenhausen - Wenn von der „KW 17“ die Rede ist, wird es bei den Otto Normalverbrauchern kaum Klick machen. Bei den Segelkunstflugpiloten in Deutschland sieht das aber anders aus. Von Michael Just

Sie wissen, dass damit die Aus- und Weiterbildung beim Luftsportclub (LSC) Babenhausen gemeint ist. Seit rund 20 Jahren findet der Lehrgang stets zuverlässig zu diesem Termin statt.

Die Veranstaltung zog über 20 Piloten nach Babenhausen. Im Vorfeld zeigte sich der LSC bereits stolz darüber, dass der Verein im vergangenen Jahr in das Schleppflugzeug vom Typ Maule M6235 investiert hat. Mit einem neuen Propeller für mehrere tausend Euro lässt sich der Betrieb laut den Verantwortlichen nun noch leiser gestalten. „Bei den Teilnehmern ist von Bremen bis Südbayern alles dabei“, hob Fluglehrer Wolfgang Fuchs zu Beginn der KW 17 heraus. Darunter waren sechs Grundschüler und 15 Weiterbilder. Letztere gingen unter anderem die Leistungsabzeichen an.

Thermik spielt keine Rolle

Der Segelkunstflug unterscheidet sich vom „normalen“ Segelflug darin, dass die Thermik keine Rolle spielt. „Die macht die Sache eher hinderlich“, weiß Fuchs. Denn die Segelkunstfllieger wollen nicht möglichst lange in der Luft bleiben oder sich weiter nach oben schrauben. Nachdem sie auf 950 Meter hochgezogen wurden, stehen vielmehr in rascher Folge die zu absolvierenden Figuren an. Dabei geht´s stetig abwärts. Die Schüler versuchen acht Figuren zu fliegen, während der Profi in der gleichen Zeit 20 Figuren schafft. Von der Struktur sind die Segelkunstflugzeuge etwas härter vom Material ausgelegt. Damit sind sie belastbarer.

Als einer der schwierigsten Figuren gilt der „Turn“. Der Pilot zieht das Flugzeug senkrecht hoch, wartet bis zu dem Moment, wenn es nach vorne kippt. Dann wird für kurze Zeit senkrecht nach unten geflogen. „Die Schwierigkeit ist dabei, den richtigen Punkt zu treffen, so dass das Flugzeug nicht hinten oder seitlich umklappt“, erklärt Fuchs.

Keine Übung gefährlich

Als gefährlich sieht er keine der Übungen. So lasse sich alles wieder abfangen. „Das Gefährlichste beim Fliegen ist der Hin- und Rückweg mit dem Auto zum und vom Flugplatz“, sagt er lachend. Laut dem 44-Jährigen wird Segelkunstflug oft als Sicherheitstraining aufgefasst. „Für den, der weitermacht, wird es dann ein richtiger Sport.“

Mit Wolfgang Fuchs hat der LSC einen erfahrenen Kunstflieger in seinen Reihen. Nach seinem Erfolg vor zwei Jahren geht es dieses Jahr erneut zu den Deutschen Meisterschaften im Motorkunstflug nach Stendal bei Berlin.

Soweit ist Markus Grauer (34) vom LSC noch nicht. Der Softwareentwickler bei der Deutschen Flugsicherung kam nicht über seinen Beruf ins Cockpit. Vielmehr fliegt er seit 14 Jahren und sah dann seinen Beruf im Flugbereich als naheliegend. „Mit dem Kunstflug möchte ich nach dem Streckensegelflug meinen Horizont erweitern“, erzählt er. Die Fliehkräfte oder dass plötzlich alles auf dem Kopf steht, sieht er nicht als „heftig“ sondern als ungewohnt an. Letzteres Gefühl sei nach wenigen Starts bereits weg. Eine Brechtüte hat er nach eigener Aussage noch nicht gebraucht. Und er kenne auch keinen, der sich bisher beim Kunstflug übergeben hat.

Dabei räumt Grauer mit einer falschen Annahme auf, dass es einem beim Looping oder den anderen Figuren doch den Magen umdrehen muss. „Der Kunstflug ist freundlich für die Magenlinie“, meint er. Er habe nichts Abruptes, es wackele nicht und es werde auch nicht plötzlich gebremst. Alles verlaufe in einer Bahn und damit sehr harmonisch.

Quelle: op-online.de

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