Vor Aderlass genaue Prüfung

Die 1000. Blutkonserve aus Harpertshausen und der 25. Blutspendetermin: Gleich zwei Gründe zum Feiern hatte der DRK-Ortsverband im Babenhäuser Stadtteil. Unser Bild zeigt (von links) zweiter Vorsitzenden Hubert Speldrich, DRK-Werbereferent Eric Max, Ingrid Kühnle, Pressereferent Tobias Brusch, Vorsitzender Karsten Kratz und Aktivenleiter Patrick Reus.Foto: Just

Harpertshausen - (mj) Robert Wennel will Blut spenden. Er sitzt im DRK-Heim in Harpertshausen an einem großen runden Tisch. Abgeschirmt durch einen kleinen Sichtschutz vom Nebenmann hat er ein vor- und rückseitig bedrucktes Din-A4-Blatt mit fast drei Dutzend persönlichen Fragen zu seinem Gesundheitszustand vor sich liegen. Das Ausfüllen des Bogens ist vor dem Aderlass Pflicht.

Abgefragt werden unter anderem Erkrankungen, Allergien, Impfungen, zahnärztliche Behandlungen, Operationen, Einnahme von Medikamenten bis hin zu kürzlichen Tätowierungen, Piercings oder Akupunkturen. Auch die Auskunft über eine kürzliche Fernreise in ein mögliches Risikogebiet wird verlangt.

Eine Dschungeltour hat der 20-Jährige in den letzten Monaten nicht gemacht: „Ich war nur zum Snowboarden in Österreich und letztes Jahr im Sommer in Frankreich am Atlantik.“ Hätte es ihn in die Tropen verschlagen, dürfte er sechs Monate nicht spenden. Für den jungen Münsterer ist es der zweite Aderlass. Seine Freundin, die im Helfertross des Harpertshäuser DRK die Blutspenden betreut, hat ihn dazu angeregt. Nach einem Vorgespräch mit Ärztin Gotlind Zipper geht es in wenige Minuten für ihn auf die Pritsche zum Anzapfen.

Bei der Medizinerin endet an diesem Abend „vorzeitig“ der Weg von Willi Schäfer. Der Grund: Seine Kinder haben die Windpocken. Da er Viren aufs Empfängerblut übertragen könnte, wird es keinen Pieks geben. „Ich gehe zwar davon aus, dass sie die Windpocken schon hatten“, sagt Zipper, „aber trotzdem dürfen wir kein Risiko eingehen.“ Wie die Ärztin erzählt, sei der Nachweis von Viren im Blut schwierig und mit viel Aufwand verbunden. So würden auch Menschen, die sich ein Grippevirus eingefangen haben, nicht zur Blutspende zugelassen. Damit wolle man vor allem jene Empfänger schützen, deren Immunsystem geschwächt ist. Das können Krebspatienten, alte Menschen oder auch Frühgeborene sein.

Rund zehn Prozent aller willigen Spender eignen sich nicht zum Aderlass. Nach den Sommerferien, wenn viele Bürger von einer Auslandsreise zurückkommen oder eine Grippewelle grassiert, ist die Zahl höher. Wie Zipper heraushebt, gehe es neben der Empfänger- in gleichem Maße auch um die Spendergesundheit. Um keine Spender zu gefährden sind unter anderem Menschen mit Herzrhythmusstörungen, Senioren über 68 Jahre oder Schlaganfallpatienten nicht zugelassen. Bei letzteren ist die Durchblutung gestört. Durch eine Blutspende könnte der Blutdruck sinken, was eine erneute Schlaganfallgefahr bedeutet.

Für Willi Schäfer ist die Nachricht der Ärztin eine kleine Enttäuschung. „Wann darf ich wieder spenden?“, fragt der Angestellte. „Das richtet sich nach der Inkubationszeit. In ihrem Fall ist das nach dem 15. April“, bekommt er als Antwort. Seine 52. Spende will er möglichst bald nachholen, denn das Ziel des Harpertshäusers ist ehrgeizig: „100 Spenden würde ich schon gerne schaffen.“

In Harpertshausen feierte man nicht nur den 25. Blutspendetermin im Ort, sondern auch die 1 000. Konserve, die man dem Blutspendedienst übergeben konnte. Die 1000. Spenderin war Ingrid Kühnle aus Harpertshausen, die zum 21. Aderlass antrat. Vom Vorsitzenden des lokalen DRK, Karsten Kratz, gab es ein Weinpräsent.

Quelle: op-online.de

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