Ärger über neue Praxis beim Mobitick

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Heike Dächert (links), die als alleinerziehende Mutter mit geringem Einkommen die Fahrscheine für zwei Kinder vorfinanzieren muss, und Schulelternbeirätin Christina Karglseder mit dem offenen Brief an Christel Fleischmann. Foto: Petra Grimm

Babenhausen - Die Neuregelung bei der Vergabepraxis der kostenlosen Schülertickets Mobitick im Landkreis Darmstadt-Dieburg sorgt für Unmut bei vielen Eltern, die das Ticket ab kommendem Schuljahr vorfinanzieren sollen. Von Petra Grimm

Anspruch auf ein kostenloses Ticket haben alle Grundschüler, die mehr als zwei Kilometer von ihrer Schule entfernt wohnen und bei weiterführenden Schulen alle Kinder, die mehr als drei Kilometer fahren müssen.

Bisher war es so, dass der Landkreis die Fahrscheine bei der DADINA gekauft und sie dann an die Schulen verteilt hat, wo die Kinder diese bequem abholen konnten. Ab jetzt erhalten die Eltern einen Bescheid über die Anspruchsberechtigung und sollen die Tickets vorab bei der Verkehrsorganisation bezahlen. Die übernimmt dann den Fahrkartenversand. Nach einem halben Jahr, in dem der Kreis den Anspruch prüft, erhalten die Eltern das Geld dann vom Kreis zurück. „Für viele Eltern mit geringem Einkommen und mehreren schulpflichtigen Kindern ist es ein Problem, das Geld vorzustrecken. Pro Kind kostet das Ticket 22,50 Euro im Monat. Bei zwei Kindern sind das dann im halben Jahr schon 270 Euro, die die Eltern aufbringen müssen“, sagt Christina Karglseder. Sie ist Schulelternbeirätin der rund 100 Schüler zählenden Eduard-Flanagan-Schule und hat sich in einem offenen Brief bei Schuldezernent Christel Fleischmann über die Änderung beschwert.

Sonderregelung für Hartz-IV-Empfänger nicht möglich

An der Babenhäuser Förderschule seien 54 Eltern, darunter auch Hartz IV-Empfänger betroffen, so die Schulelternbeirätin in ihrem Brief. Auch dass die Eltern erst so kurzfristig vor den Sommerferien von der Änderung erfahren, moniert sie. „Für das kommende Schuljahr werden wir diese Neuregelung wohl akzeptieren müssen, aber wir hoffen, dass der Kreis im darauf folgenden Schuljahr zur ursprünglichen Regelung zurückkehrt.“

Christel Fleischmann verteidigt die Entscheidung und verweist auf das Hessische Schulgesetz, in dem eine Rückerstattung vorgesehen sei. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg sei der einzige in ganz Hessen, der die Schülerfahrscheine ohne Vorleistung der Eltern an die Schulen ausgeliefert habe. Allein das Ausfahren der Tickets an die Schulen durch Fahrer des Landratsamtes sei ein großer Aufwand gewesen. Laut Fleischmann werden für das kommende Schuljahr wohl wieder rund 9 000 Anträge für das Mobitick gestellt werden. „Für dieses noch laufende Schuljahr gab es 9 200 Anträge, davon waren 600 nicht berechtigt“, erklärt der Schuldezernent. Die etwa
3 200 Kinder aus dem Landkreis, die eine Schule in Darmstadt besuchen, hätten ihre Freitickets auch bisher schon vorfinanzieren müssen. Ein weiteres Problem bei der bisherigen Regelung seien auch die Missbrauchsfälle gewesen, argumentiert Fleischmann. Wenn beispielsweise ein Schüler umgezogen war und kein Anrecht mehr auf das Freiticket, es aber weiter benutzt hat, hatte der Kreis keine Chance, das Geld zurückzufordern. „Wir haben deshalb sogar Prozesse geführt und waren vor Gericht unterlegen“, sagt Fleischmann. Für Hartz-IV-Empfänger sei eine Sonderregelung leider nicht möglich, da die Fahrtkosten im Regelsatz enthalten seien.

Er weist die Eltern darauf hin, die Tickets rechtzeitig, also bis spätestens 10. Juli bei der DADINA beziehungsweise der HEAG mobilo zu bestellen. Im Mobitick-Heftchen finde sich dafür ein Antrag, für den ein Schulstempel nötig ist. „Am besten die Eltern erledigen das noch vor den Sommerferien, weil einige Schulsekretariate, wo man den Stempel erhält, sonst vielleicht schon geschlossen sind“.

Quelle: op-online.de

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