Erinnert an Sigo und den Widerstand

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Mit viel Gesang erfreuten die Kindergartenkinder bei der Akademischen Feier das Publikum in Sickenhofen.

Sickenhofen - Das Paket mit Programmbeiträgen, das die Veranstalter für die akademische Feier zum 1025-jährigen Bestehen Sickenhofens geschnürt hatten, war gut gefüllt: Die wechselhafte Vergangenheit, eine von der Tatkraft der Bewohner geprägte Gegenwart und die Zukunft des Ortes waren auf unterschiedliche Weise am Samstagabend erfahrbar. Von Petra Grimm

„Die 1000-jahrfeier vor 25 Jahren ist das größte Ereignis in der Geschichte des Ortes gewesen“, sagte Sandra Gelzleichter, die Vorsitzende des Sickenhöfer Vereinsgremiums. Die Feierlichkeiten zum 1025-jährigen Bestehen des Dorfes, die am Wochenende in die traditionelle Zeltkerb des Sportvereins eingebettet waren, seien „die kleine Schwester von damals“. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit von kaum vier Monaten haben die Vereinsgemeinschaft und der Ortsbeirat, an der Spitze Ortsvorsteher Friedel Sahm, ein unterhaltsames Festprogramm auf die Beine gestellt. Bei der akademischen Feier, der ein Konzert mit dem Landespolizeiorchester folgte, war das Zelt voll besetzt. Dicht gedrängt verfolgten die Sickenhöfer und ihre Ehrengäste, darunter die Bundestagsabgeordneten Patricia Lips und Dr. Heinrich Kolb, der Landtagsabgeordnete Manfred Pentz, Landrat Klaus Peter Schellhaas, Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg und zahlreiche Kommunalpolitiker, das fröhliche Treiben auf der Bühne.

Der Sketch der Theatergruppe SiLt, den Wolfgang Herz und Insa Mosen inszenierten, kam bestens an.

Dabei präsentierte sich der Ort, der Ende des 10. Jahrhunderts in einem Zinsregister der Abtei Seligenstadt zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, jung und lebendig. Die Bühnenauftritte der singenden Kindergartenkinder, der tanzenden SKV-Purzelgarde und der Turnerkinder ließen keinen Zweifel daran, dass dieses Dorf eine Zukunft hat. Auf schöne Traditionen, die gepflegt werden, verwies der Auftritt des Gesangvereins Bruderkette. Denn die Sänger bilden den ältesten Ortsverein, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges feierte. Wolfgang Herz und Insa Mosen vom Sickenhöfer Laientheater brachten das Publikum mit ihrem Sketch zum Lachen.

Vorführungen und Ehrengäste

Zwischen den Vorführungen auf der Bühne überbrachten die Ehrengäste ihre Grußworte. Für einen interessanten Blick in die Vergangenheit, bei dem – wohl dosiert – auch kritische Töne mitschwangen, sorgte Stadtarchivar Georg Wittenberger bei seiner Festrede. Vom legendären, fränkischen Adeligen namens Sigo, der Sickenhofen wohl seinen Namen gegeben hat, bis zu den Errungenschaften der vergangenen Jahre schlug er einen Bogen. Applaus gab es im Festzelt, als Wittenberger an den Widerstand der Sickenhöfer gegen die Eingemeindung nach Babenhausen im Zuge der Gebietsreform 1977 erinnerte. Mit ihrem letzten Bürgermeister Friedel Wiesinger an der Spitze hatten sie – im Gegensatz zu den anderen Dörfern – ihre Selbständigkeit bis zuletzt verteidigt und wurden schließlich zwangseingemeindet.

Was die Jubiläumsfeier besonders machte, waren auch kleine Details, wie die Kostümierung des Ortsvorstehers als Schultheiss oder Sandra Gelzleichter in einem Kleid aus dem 17. Jahrhundert. Ihr Argument für die Auswahl einer anderen Epoche kann sicher jede Frau nachvollziehen: „Das Kleid aus dem 10. Jahrhundert war einfach nicht mein Geschmack“.

Dorfgründer Sigo

Als Dorfgründer Sigo führte Jens Kutscher gekonnt durch den Abend, bei dem sich ein Gedanke in verschiedenen Ansprachen wieder fand: Gerade in unserer modernen, global vernetzten Welt ist eine intakte Gemeinschaft, in der man zuhause ist, wichtig. Bürgermeisterin Gabi Coutandin formulierte es so: „Wir brauchen einen Ort, wo wir hingehören und uns wohl fühlen. Überschaubare Räume zu schaffen, ist in Sickenhofen bestens gelungen“.

Während des Festkonzertes des Landespolizeiorchesters kamen verdiente Bürger zu Ehren und am Sonntagnachmittag schlängelte sich ein großer Festzug durch die Straßen, die von den Sickenhöfern mit Birkenbäumchen, bunten Bändern und Fähnchen fließig geschmückt worden waren.

Quelle: op-online.de

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