Bis ins allerkleinste Detail

Darmstadt/Babenhausen ‐ Es ging ins Detail. Und zwar bis ins allerkleinste.  Von Veronika Szeherova

Am vierten Tag des Doppelmordprozesses kamen gestern im Darmstädter Landgericht neben den Beamten vom Erkennungsdienst auch Sachverständige verschiedener Bereiche zu Wort – vom Molekularbiologen und Chemiker bis hin zum Physiker und Schusswaffenexperten.

Sie waren alle beteiligt an der Aufklärung des Mordfalls am Ehepaar Toll, und präsentierten dem Gericht die Ergebnisse ihrer Arbeit. Arbeit, die vor allem eines erfordert: Geduld. So erklärte der Molekularbiologe vom Bundeskriminalamt, dass von der Kleidung des männlichen Leichnams Folienabzüge gemacht wurden, um im Labor Hautpartikel zu isolieren. Anhand dessen könne man mögliche fremde DNA-Spuren ermitteln, die zum Täter führen könnten. Pro Tag könnten 100 bis 200 Hautschüppchen untersucht werden. Doch davon wären längst nicht alle zum Isolieren und auf DNA-Spuren-Überprüfen geeignet: „Es ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, so der Biologe.

DNA decke sich nicht mit der des Angeklagten

Die meisten Hautschüppchen konnten dem Opfer selbst zugeordnet werden. Drei weitere männliche Hautpartikel wurden gefunden. Zwei dieser DNA-Spuren konnten den Ermittlern am Tatort zugeordnet werden. „Auch wenn bei der Spurensicherung alle Vorkehrungen getroffen werden, also Handschuhe, Mundschutz und Kopfhauben getragen werden, lässt es sich nicht vermeiden, Hautpartikel zu übertragen“, erklärte er. Allerdings habe die DNA einer „unbekannten männlichen Person B“ nicht zugeordnet werden können. Sie decke sich nicht mit der DNA des Angeklagten. Allerdings könne man auch nicht sagen, seit wann sich diese Hautschüppchen auf der Kleidung des Opfers befunden hätten. Verteidiger Veikko Barthel kritisierte, dass dieser Spur nicht intensiver nachgegangen werde. „Es gibt Länder, die ihre DNA-Datenbanken untereinander austauschen, aber beispielsweise mit osteuropäischen Staaten ist kein Abgleich möglich“, antwortete der Fachmann. Den beiden Verteidigern genügte das freilich nicht.

Schmauchspuren als Indiz für improvisierter Schalldämpfer

Auch warfen sie zu Beginn der Verhandlung eine Manipulation an Beweismitteln vor: Die Ermittler hätten ein Schaumstoffteilchen von einem Einschussloch in der Wand runterfallen sehen und es einfach wieder eingesetzt – was so nicht in Ordnung sei. Und sie kritisierten, dass die gezeigten Videosequenzen und Fotos nicht Bestandteile der ihnen zugänglichen Verfahrensakte seien und forderten, dass ihnen die Asservate zugänglich gemacht werden.

Abschließend erläuterten die Sachverständigen den Befund der Bauschaumflocken, die am Tatort gefunden wurden. Schmauchspuren an ihnen seien Indiz dafür, dass ein improvisierter Schalldämpfer benutzt wurde.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/HHS

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