Stadtparlament stimmt für alternativlose Kooperation

Babenhausen soll Glasfasernetz bekommen

Beim Ausbau des Glasfasernetzes werden in allen Straßen die Kabel verlegt. Dabei kommt unter anderem auch eine Fräse (oben) zum Einsatz, die einen schmalen Graben aushebt.
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Beim Ausbau des Glasfasernetzes werden in allen Straßen die Kabel verlegt. Dabei kommt unter anderem auch eine Fräse (oben) zum Einsatz, die einen schmalen Graben aushebt.

Es war das Wort des Abends in der Stadtverordnetenversammlung, wenn es um das schnelle Internet für Babenhausen ging: alternativlos. Gemeint ist die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser, das sich seit Anfang 2019 zusammen mit der Entega anschickt, alle 23 Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg mit einem reinen Glasfasernetz auszustatten.

Babenhausen - Vor gut einem Jahr, im August 2019, hatte das Stadtparlament noch mit großer Mehrheit einen Kooperationsvertrag mit den beiden Unternehmen abgelehnt. Nun die Rolle rückwärts: SPD, FWB, Grüne und FDP stimmten einem Antrag der CDU-Fraktion zu, dass der Magistrat beauftragt wird, nun doch entsprechende Verhandlungen mit der Deutschen Glasfaser aufzunehmen. Hauptgrund eben: Es gibt keine Alternative.

CDU-Fraktionsmitglied Michael Wolz rief in seinem Redebeitrag in Erinnerung, warum sich seinerzeit die Stadtverordnetenversammlung ablehnend gegenüber der Kooperation gezeigt haben. Es waren die Bedenken der Stadtverwaltung und des Magistrats gewesen, dass beim flächendeckenenden Verlegen der Glasfaserkabel – vor allem unter Gehwegen – bereits beschädigte Fußwegoberflächen oder der Unterbau dermaßen in Mitleidenschaft gezogen werden, dass Reparaturmaßnahmen seitens Stadt notwendig würden. Und damit Kosten verbunden sind. Außerdem würden durch das Aufbrechen intakter Oberflächen die „Funktionalität und Lebensdauer des Anlagenvermögens“ leiden, hieß es seinerzeit in der Begründung.

Mittlerweile, so Wolz, könne man auf Erfahrungen aus anderen Kommunen, etwa in Eppertshausen und Schaafheim, in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen. Und die seinen durchweg positiv, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle Probleme gegeben habe, so Wolz und nannte dabei auch Glasfaser-Projekte aus dem Kreis Offenbach an. Zuletzt hatte unserer Zeitung über Ärger und Chaos in Egelsbach berichtet. Wolz führte auch die Alternativlosigkeit an – zumindest nicht in der Zeit und in der Qualität.

Mit beschlossen wurde, dass etwa 120 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt werden sollen, um die Bauarbeiten durch ein externes Ingenieurbüro beaufsichtigen zu lassen, dass gegebenenfalls auch schnell eingreifen könne.

Erfolgreich waren auch die Grünen mit ihrem Ergänzungsantrag: Er beinhaltet, dass zum einen das Ergebnis der Verhandlungen und der Vertrag dem Stadtparlament zur Beschlussfassung vorgelegt wird und zum anderen, dass eine „ungefähre Darstellung der Folgekosten zum Beispiel durch erhöhte Reparatur- und Wartungskosten, die aufgrund der Baummaßnahmen und der geringen Einbringungstiefe der Glasfaserkabel anfallen, ebenfalls überschlägig und perspektivisch darzustellen“ ist. Gemeint ist damit unter anderem, dass bei zukünftigen Arbeiten an den Versorgungsleitungen, zunächst bis zu den in niedriger Tiefe liegenden Glasfaserkabel per Hand ausgeschachtete werden müsse. In seiner Rede ging Grünen-Politiker Manfred Nodes ausführlich auf die Notwendigkeit eines gut ausgebauten Glasfasernetzes ein, bedauerte aber die Alternativlosigkeit. „Wir sehen nur die Lösung in einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Glasfaser mit Steuersitz in den Niederlanden und Arbeitskräften aus Rumänien und Bulgarien.“ Für ihn ist es eine „Billiglösung“ und erinnert an Berichte aus anderen Kommune über mangelhafte Ausführungen der Arbeiten, Schäden an Hausanschlüssen und Gehwegen sowie fehlenden Ansprechpartner.

CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich nannte die Forderung der Grünen, die Folgekosten bei zukünftigen Straßenbauarbeiten aufzuzeigen, als Unsinn, da diese kaum zu fassen seien und diese Aufgabe die Verwaltung einfach nur belasten würde. Mit den Stimmen der SPD, FWB, Grünen und Teilen der FDP erhielt der Ergänzungsantrag der Grünen dennoch eine Mehrheit.

Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) sagte, dass die Kontrolle der Bauarbeiten „immanent wichtig“ sei und unterstrich noch einmal, dass sich in den vergangenen Monaten gezeigt habe, dass es zu dem Angebot der Deutschen Glasfaser keine Alternative gibt. (Von Norman Körtge)

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