Wegen Hochzeittagsgeschenk

38. Altstadtfest startet mit leichter Verzögerung

+
Das Küchenteam der Freiwilligen Feuerwehr bereitete am Samstag einen Linsen-Eintopf zu, am Sonntag gab es Gulasch mit Knödeln und Rotkraut.

Babenhausen - Unterhaltung und Geselligkeit bot das 38. Altstadtfest des Babenhäuser Vereinsgremiums, das den historischen Ortskern am Wochenende in eine bunte Partymeile verwandelte. Von Petra Grimm 

Zu spüren war der Enthusiasmus und Gemeinschaftsgeist der Beteiligten, außerdem der Wille Bewährtes zu erhalten. Denn die Groß- veranstaltung musste zum zweiten Mal ganz ohne Zuschuss aus der Stadtkasse auskommen. Dass Helmut Fendt, der Vorsitzende des Vereinsgremiums, zur Eröffnung des Altstadtfestes zu spät kommt, war ein Novum. Der Vater aller Babenhäuser Märkte ist bei solchen Gelegenheiten üblicherweise weit vor der Zeit, also überpünktlich an Ort und Stelle. Um 12.15 Uhr, eine Viertelstunde nach dem geplanten, offiziellen Startschuss am Samstag, wurde es am Stand der Feuerwehr hinter der Stadtmühle deshalb etwas unruhig. Die Gäste, darunter Landrat Klaus-Peter Schellhaas, Bürgermeister Joachim Knoke, Ortsvorsteher Reinhold Gottstein und Tino Obst, der neue Bürgermeister der Partnerstadt Lichtentanne, begannen sich allmählich zu wundern.

„Ruf doch mal einer den Helmut an“, war aus den Reihen der Feuerwehrleute zu hören. Reinhard Geißler zückte sein Handy und fünf Minuten später lief Helmut Fendt im Sturmschritt ein. „Ich kann alles erklären“, rief er den Wartenden zu und zeigte auf seine Armbanduhr, die eine Stunde nach ging, also erst 11.20 Uhr zeigte. „Meine neue Uhr ist schuld. Ich habe sie gestern von meiner Frau zu unserem 40. Hochzeitstag, der heute ist, geschenkt bekommen.“ Allgemeines Schmunzeln, Uhrenvergleiche und Gratulationen zum Hochzeitstag. Dass man alles positiv sehen kann, zeigte die Anmerkung eines Umstehenden: „Seine Frau hat ihm dadurch ja eigentlich eine Stunde Zeit geschenkt.“

Alter Schlepper und andere landwirtschaftliche Geräte zeigten die Traktorfreunde hinter der Stadtmühle.

Mit leichter Verzögerung und einem Fässchen Michelsbräu-Freibier startete dann das große Fest der Vereine, die Seite an Seite mit einigen professionellen Marktbeschickern fast 60 Buden und Stände auf das Pflaster im historischen Ortskern brachten. Neben einem breiten kulinarischen Angebot von Asia-Nudeln bis Zuckerwatte lockte ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm zahlreiche Besucher in die Gassen. Unter ihnen auch eine Gruppe Feuerwehrleute aus Babenhausen/Schwaben, die jedes Jahr zum Altstadtfest ihre Kameraden in der Gersprenzstadt besuchen. Am Samstag gehörte der Stadtlauf des Turnvereins zu den Magneten (Bericht folgt), außerdem am Abend Live-Musik und die große DJ-Party der Rot-Weissen auf dem Schlossplatz. Der Sonntag war verkaufsoffen und zum Tag des offenen Denkmals luden die Stadtkirche und das Territorialmuseum Interessierte ein auf historischen Pfaden zu wandeln.

Einige Gruppen des TVB, darunter die Line-Dance-Truppe und die kleinen und großen Tänzerinnen der Akzeptanz, boten schwungvolle Unterhaltung auf der Freiluftbühne am Marktplatz und in den Gassen selbst. Für die kleinen Besucher drehte in der Stadtmühle wieder eine große Lego-Eisenbahn ihre Runden und Straßenkünstler modellierten Tiere nach Wunsch. Hunde gehen dabei besonders gut, war von den beiden Clown-Damen auf Stelzen zu erfahren. Die beliebten Vierbeiner bei ihrer lebensrettenden „Arbeit“ waren bei der DRK-Rettungshundestaffel zu beobachten.

38. Altstadtfest in Babenhausen: Fotos

Ein besonderer Anziehungspunkt und ein Großereignis für sich war wieder die Ausstellung alter Schlepper und landwirtschaftlicher Geräte, die die Traktorfreunde, an der Spitze Reinhard Geißler und Martin Schober, auf die Beine stellten. Um die beachtlichen Exemplare zu sehen waren Besucher – ohne Traktor – bis aus der Schweiz, den Niederlanden und Belgien angereist. Mit ihren Schleppern waren Gäste aus einem Radius von etwa 150 Kilometern zum Treffen gekommen. Hier war fachsimpeln, staunen und – bei einigen Männern – auch träumen angesagt. Von einer Premiere sprach Geißler mit Blick auf die fünf AS 250 MAN-Traktoren, die zwischen 1938 und 44 gebaut wurden. „Bisher waren weltweit noch nie mehr als zwei dieser Schlepper bei einem Treffen dabei“, freute sich der Organisator, der selbst zwei dieser Exemplare besitzt.

Die Nachwuchstänzerinnen der Akzeptanz zeigten ebenfalls ihr Können auf dem Altstadtpflaster.

Für Fendt und seine Mitstreiter bedeutete dieses zwei Altstadtfest ohne städtische Finanzspritze wieder eine besondere Kraftanstrengung. Denn die insgesamt rund 6 000 Euro, die die Stadt in früheren Jahren vor allem in Form von Bauhofleistungen und einem Zuschuss zu den Straßenkünstlern geleistet hat, fehlten natürlich und mussten über Sponsoren kompensiert werden. Das hat mit viel Klinken putzen wieder geklappt. „Wir haben fast 5 000 Euro durch Sponsoren, vor allem örtliche Unternehmen, bekommen“, sagte Fendt und freute sich besonders, dass die Sparkasse Dieburg – der Landrat überreichte das „Flachgeschenk“ – gleich mit tausend Euro dabei war. „Aber auf lange Sicht ist das Fest in diesem Rahmen alleine nicht zu stemmen“, sagte der Gremiumsvorsitzende und appelliert bei der Eröffnung eindringlich an die Kommunalpolitiker: „Wir brauchen in Zukunft wieder Eure Unterstützung. Die Vereine sind ein wichtiger Kulturträger und brauchen schon ein bisschen Hilfe.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare