„AltstadtQuartier“ für Senioren

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Wo jetzt noch Autos parken, könnten demnächst seniorengerechte Wohnungen entstehen. Investoren wollen auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände im rückwärtigen Bereich zwei Gebäude errichten.

Babenhausen - 1991 wurde das alte Feuerwehrhaus abgerissen – seither steht das Areal in der Altstadt leer und wird als Parkplatz genutzt. Schon damals war beabsichtigt, es wieder zu bebauen. Von Stefan Scharkopf

Im Jahr 2000 gab es einen Wettbewerb – das Projekt wurde aber nicht umgesetzt. Knapp zwölf Jahre später greift eine Arbeitsgruppe, bestehend aus der Babenhäuser Projektentwicklung Früchtenicht GmbH, dem ortsansässigen Büro Schlösser Architecture-Management GmbH und dem Aschaffenburger Bauträger May und Eilbacher GmbH, die Kernpunkte dieser Wettbewerbsidee wieder auf. Der neue Entwurf orientiert sich dabei an den Grundgedanken des Gewinnerkonzeptes, passt diesen jedoch den neuen Gegebenheiten und dem demografischen Wandel an.

Das architektonische Konzept des Architekturbüros SAM sieht dabei vor, die städtebauliche Lücke der Blockrandbebauung an der Fahrstraße zu schließen und im hinteren Grundstücksteil (zur Wilhelmstraße gelegen) eine lockere, denkmalgerechte Bebauung, bestehend aus zwei Einzelhäusern mit parkähnlichem Grundstückscharakter zu bilden. Auch die Auswirkung des Konzeptes auf die Innenstadt wurde von den Planern bedacht, dabei bilde das neue Mischungskonzept einen wichtigen Faktor für die künftige Altstadtentwicklung, sind sich die Investoren sicher.

Altersgerechte Wohnungen für Senioren

Vorgesehen sind dort altersgerechte Wohnungen für rüstige Senioren sowie in der Fahrstraße im zweiten Obergeschoss weitere Seniorenwohnungen. In das erste Obergeschoss könnte die Sozialstation einziehen und zwei Arztpraxen oder Läden. Im Erdgeschoss stehen 200 Quadratmeter für ein größeres Geschäft zur Verfügung. Gedacht ist an ein Sanitätshaus. Es könnte aber auch anderweitig genutzt werden. Die beiden hinteren Gebäude sind 3,5 Geschosse hoch, das vordere dreigeschossig mit ausgebautem Dach. Die Gebäude würden die Häuser in der Nachbarschaft nicht dominieren, heißt es.

Als Zielgruppe haben die Investoren die ältere Menschen ab 55 Jahren ausgemacht. Das große Einfamilienhaus oder die Doppelhaushälfte macht für viele Bewohner dann keinen Sinn mehr, wenn die Kinder aus dem Haus sind und viel zu viel Raum übrig bleibt. Der Bedarf wäre also eine kleinere Wohneinheit mit gewohntem Komfort und Anpassungen an die Bedingungen des Älterwerdens. An diese Menschen sollen die Wohnungen verkauft werden.

Kombination aus Wohn- und Geschäftsflächen

Die Projektbezeichnung heißt „AltstadtQuartier“ und soll die Intuition des Konzeptes widerspiegeln – eine Kombination aus Wohn- und Geschäftsflächen mit belebender Wirkung auf die Altstadt.

Die Firmengruppe May und Eilbacher GmbH hat sich auf diesen Fall der Wohnbebauung spezialisiert. So liegt ein Augenmerk der Planung auf einer barrierefreien, altengerechten Bebauung. Jede Wohneinheit lässt sich dabei über einen Fahrstuhl erreichen. Außerdem wird an eine mögliche spätere Unterstützung der Bewohner in Form von Einkaufsservice, Pflege- und Krankendienste gedacht. Dieser Service kann dabei immer exakt an die jeweiligen Lebenssituation und den Bedarf angepasst werden.

Sinn des Quartiers ist es, dass die Menschen so lang es geht in den eigenen vier Wänden leben können, ohne einen Qualitätsverlust in ihrem Wohnkomfort und Lebensgewohnheiten hinnehmen zu müssen und bei einen künftigen Pflegesituation nicht unbedingt in ein Pflegeheim umziehen müssen – daher der Wunsch nach Unterbringung der Sozialstation und eines Sanitätshauses.

Platz sparende Parkdecklösung

In den beiden rückwärtigen Gebäude in blockhafter Gestaltung soll es je elf Wohnungen geben. Bezüglich der Parkplätze wurde in Abstimmung mit der Stadtverwaltung und der Denkmalbehörde eine möglichst Platz sparende Parkdecklösung mit in die Entwurfsplanung einbezogen. Es ist beabsichtigt, alles in allem 64 Parkplätze zu errichten, davon sind 27 öffentlich. Das Parkdeck liegt zwischen dem Wohn-/Geschäftsgebäude an der Fahrstraße und dem ersten der hinteren Gebäude.

Die Investoren haben Wert auf eine lockere Bebauung gelegt. Vorgegeben war ein fünf Meter breiter Korridor zur denkmalgeschützen Stadtmauer hin, auf dem der Altstadtrundweg entlang führen soll.

„Frequenzbringendes Potenzial“

In der jüngsten gemeinsamen Sitzung von Bauausschuss und Ortsbeirat Kernstadt wurden die Pläne präsentiert. Die Investoren sind der Ansicht, dass das „AltstadtQuartier“ erhebliches „frequenzbringendes Potenzial“ hat – also die Bürger und damit auch Konsumenten anzieht – und so in das neue Einzelhandelskonzept für Babenhausen passt, das derzeit erarbeitet wird. Das war das Stichwort für Frank Ludwig Diehl (Grüne). Er warb dafür, zunächst das Einzelhandelskonzept abzuwarten, bevor man das Bauprojekt absegnet. Willi Schäfer (SPD) nannte dies einen „vorgeschobenen Grund“. Günther Eckert (CDU) fragte, ob es nicht besser sei, auf diesem großen Gelände einen „schönen Platz mit Geschäften“ zu realisieren. Der Quadratmeter-Richtpreis für das städtische Gelände (3600 Quadratmeter) liegt im Übrigen bei 245 Euro.

Bei der Abstimmung wurden die Pläne mehrheitlich gutgeheißen. Diehl war dagegen, die CDU nahm an der Abstimmung nicht teil. Nächste Woche befinden die Stadtverordneten über das Projekt.

Quelle: op-online.de

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