Ein Alu-Topf als Siegerprämie

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Fritz Gullery, Sieger des Dreiecksrennens 1949 auf seiner selbst gebauten Maschine.

Harreshausen -  Beim zweiten Dieburger Dreiecksrennen 1949 brauste Fritz Gullery auf seiner Zündapp als Erster über die Ziellinie: „Ich hab einen Aludippe gewonnen, damals gab‘s ja nix, man ist für die Ehre gefahren“, erinnert sich der heute 82-Jährige an die Siegestrophäe. Von Ursula Friedrich

Heute wie damals hat das Rennfieber von ihm Besitz ergriffen: Seine Moto Guzzi 500 ccm mit Seitenwagen steht bereits startklar, knallrot und blank poliert im Hof. Fritz Gullery wird am 22. August als ältester Teilnehmer auf die Rennstrecke gehen. Nicht im Hauptrennen. Doch immerhin im rund 150 Teilnehmer starken Feld für straßenzugelassene Motorräder und Gespanne bis Baujahr 1976. Auch wenn’s nicht aufs Ganze geht, es gibt einen Lichtblick: „Eine junge Dame hat sich als Beifahrerin angemeldet“, schmunzelt Fritz Gullery, „hoffentlich hat sie keine Angst.“

Denn Fritz Gullery hat sich in vielen Jahrzehnten seiner Motorradkarriere einen Ruf als verwegener Rennsportler erworben: In jungen Jahren fuhr er mit seinem Gespann auf jedem Geläuf, ob Gras, Sand oder Asphalt. „Da war alles Mögliche mal kaputt, aber ich bin hart im Nehmen“, so die Bilanz nach zahllosen Knochenbrüchen, unter anderem drei angeknacksten Rückenwirbeln.

Fritz Gullery, der die Leidenschaft für die dröhnenden Zweiräder irgendwie vom Vater geerbt haben muss, gab immer „Vollgas“. „Manchmal hab ich Bekannte (auf dem Sozius) von Harrenhausen mit nach Dieburg genommen“, erzählt er mit einem verschmitzten Grinsen, „komisch, die wollten nie mit zurück.“

Polizeichef sperrte für Gullery die Straßen

Fritz Gullery genoss schon in jungen Jahren uneingeschränkte Bewunderung: Wenn er auf der einzig guten Landstraße von Babenhausen nach Dudenhofen mal ein paar Testfahrten drehen wollte, sperrte der Polizeichef kurzerhand die Straße für den übrigen Verkehr. „So was wäre heute undenkbar.“

Am kommenden Samstag ist der 94-Jährige der älteste Teilnehmer, der beim Revival an den Start geht.

Wegen fehlender Mittel für das luxuriöse Hobby musste er die Rennfahrerkarriere Mitte der 50er Jahre zwar an den Nagel hängen, ein passionierter Fahrer ist Fritz Gullery jedoch bis heute. So „verrückt“ wie als junger Mann ist der gebürtige Harreshäuser nicht mehr – oder vielleicht doch? Seit er Rentner ist, kann er seine Leidenschaft für Motorräder gänzlich ausleben. Aus wenigen historischen Schrottteilen bastelt und schraubt der gelernte KfZ-Mechaniker und Elektriker in monatelanger Kleinarbeit Motorräder zusammen. Das gesamte Anwesen in der Groß-Umstädter Straße 30 in Dieburg hat sich über die Jahre in eine monumentale Werkstatt verwandelt. „Nach dem Krieg gab es keine Ersatzteile zu kaufen, man musste seine Rennmaschine selber bauen“, erzählt er. Und dies gilt auch für die historischen Schrottlauben, die unter seiner Fittiche vom Rahmen, Fahrwerk bis zu Motor und Getriebe zu neuem Glanz kommen. „Als ich hörte, dass es wieder ein Dreiecksrennen gibt, hab ich mich gefreut – und wie!“, so der passionierte Senior. „Nur zu schade, dass ich keine Rennmaschine hab'.“

Quelle: op-online.de

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