„Das ist ja ein Amberbaum“

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Conny Kolb sorgte mit der Glocke dafür, dass der Zeitplan eingehalten wurde.

Hergershausen - Mit leichter Zeitverzögerung war der Kommissionsbesuch gestartet und Hergershausen nach 2005, 2006 und 2008 zum vierten Mal ins Rennen gegangen beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, der auf Regional-, Landes- und Bundesebene ausgetragen wird. Von Petra Grimm

Der Babenhäuser Stadtteil tritt in der Gruppe mit Dorferneuerung an, in der es drei Mitbewerber gibt: Klein-Umstadt, Reinheim-Ueberau und Schlangenbad-Bärstadt im Rheingau-TaunusKreis.

Zwei Stunden hatten die Hergershäuser gestern Vormittag, um beim Regionalentscheid Punkte in den Bereichen allgemeine Dorfentwicklung, bürgerschaftliche Aktivitäten, Baugestaltung, Grüngestaltung und „Dorf in der Landschaft“ zu sammeln. Das ist wenig Zeit. Conny Kolb sorgte mit ihrer Glocke wieder dafür, dass keiner der Referenten sich verplauderte und der Zeitplan eingehalten wurde. „Es ist gut, dass sie das macht. Sonst müssten wir immer drängeln“, sagte der Kommissionsleiter Hans-Joachim Egenolf vom Fachdienst Landentwicklung und Denkmalschutz des Amtes für den Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Limburg-Weilburg. Während des Rundgangs durch den alten Ortskern mit seinen malerischen Fachwerkhäusern waren viele Hofreiten geöffnet.

Inge Heckwolf (vorne links) führte die Kommission durch die evangelische Dorfkirche.

Die sechsköpfige Wettbewerbskommission mit Fachleuten für jedes Bewertungsthema wurde von rund 40 Hergershäusern begleitet. Los ging es mit der Begrüßung an der Alten Schule durch Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Ortsvorsteher Horst Grimm. „In diesem Stadtteil sind die Bürger der Motor für Lebensqualität“, machte Coutandin der Jury deutlich und nannte weitere Pluspunkte des Dorfes, wie das ausgewogene Verhältnis zwischen Jung und Alt, der Zuzug vieler neuer Bürger oder auch „harte“ Standortfaktoren, wie das gute Verkehrsnetz, die Kita und die Grundschule. Nach kurzen Vorträgen über die erfolgreiche Dorferneuerung, die bis heute nachwirkt, und die reizvolle Landschaft, in die Hergershausen eingebettet ist, durch Maren Gatzemeier und Mathias Brendle, begann der Rundgang bei tropischen Temperaturen. Angenehm kühl war es in der evangelischen Dorfkirche, durch die Inge Heckwolf vom Kirchenvorstand führte. Bestaunt wurde der Rosengarten der Familie Winter. Und in der Eckstraße im Hof der Familie Kolb bewies der Kommissionsleiter seinen Blick fürs Detail: „Das ist ja ein Amberbaum!“, rief er begeistert aus. Am Dalles wartete eine Delegation der Kita, um für die Jury zu singen, und Harald Heckwolf warf einen Blick in die Historie des Dorfes.

Zeitdruck ist in allen Orten ein Problem

Nach dem Gang durch die Breite Straße setzten die Jurymitglieder ihre Besichtigungstour durch die neuen Ortsteile und das Neubaugebiet in Vereinsbussen fort. Beim Halt an der neuen Grundschule sang der Schulchor und es gab Infos über die Schule, den Betreuungsverein „Die kleinen Strolche“ und zukunftsweisende Vereinsaktivitäten, wie die „Jungen Töne“ des Gesangvereins, Mädchenfußball bei den Kickers, die Kooperation TVH-Blasorchester und Grundschule und die Kinderfeuerwehr. Viel Stoff für die Jury, die gerade die Hälfte ihrer Bereisungstour durch 16 Orte in Südhessen absolviert hat. Wie können die Kommissionsmitglieder das alles aufnehmen? „Der Zeitdruck ist ja in allen Orten das Problem. Es prasselt sehr viel auf uns ein. Da verwischt manches. Am Ende des Tages, wenn wir drei Orte gesehen haben, setzen wir uns zusammen und alle Kommissionsmitglieder berichten, was sie über ihr Spezialgebiet während der Rundgänge notiert haben“, sagte Egenolf, der am kommenden Freitag vorab per E-Mail schon das Ergebnis bekannt geben will. „Ein ausführliches Protokoll mit Anregungen von den Fachleuten reichen wir nach. Denn es soll ja ein Dialog sein“, sagte er.

Nach dem Abschiedsständchen des TVH-Blasorchesters bedankte Egenolf sich „für die äußerst engagierte, vielgestaltige und lebendige Präsentation. Das Leitziel der Dorferneuerung ,von den Bürgern für die Bürger’ wird hier gelebt“.

Dann waren die zwei Stunden abgelaufen und alle Beteiligten schienen sich langsam wieder zu entspannen. Bevor sich die Jurymitglieder die beiden nächsten Orte, die am Montag noch auf ihrem Plan standen, vornahmen, stärkten sie sich noch mit Wurst und Kartoffeln aus dem historischen Dämpfer, der an der Alten Schule aufgebaut war.

Quelle: op-online.de

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