Mangel an Allgemeinmedizinern

Von Anfang an in Medizin zuhause

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Darmstadt-Dieburg - Ärztemangel ist in aller Munde – doch insbesondere an Hausärzten fehlt es in Südhessen. Die aufwendigen Weiterbildungsverfahren schrecken viele Anwärter ab.

Von den rund 10.000 Ärzten, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen haben, sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung nur etwa 900 Allgemeinmediziner – so wenige wie seit Jahren nicht. Einer der Gründe: der komplizierte Weiterbildungsweg. Die jungen Mediziner müssen sich die dafür erforderlichen Stationen in Arztpraxen und Kliniken selbst organisieren und während der Weiterbildung oft von einer Region in die andere umziehen. Viele junge Ärzte sind von dem unübersichtlichen, oft nervenaufreibenden Weiterbildungsverfahren abgeschreckt. Um diese Spezialisierung für Jungmediziner einfacher und attraktiver zu gestalten und das Interesse an einer Arbeit in der Region schon früh zu stärken, haben die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg in Kooperation mit dem Ärztenetz Groß-Umstadt/Otzberg e. V. einen Weiterbildungsverbund für Allgemeinmediziner beschlossen. Dieser Tage wurde das Modellprojekt vor zahlreichen niedergelassenen Ärzten in Groß-Umstadt präsentiert und stieß auf großes Interesse. „Mit der neuen Weiterbildungskooperation wirken niedergelassene Ärzte und die Kreiskliniken auf eine zukunftsfähige ärztliche Versorgung in der Region hin“, erläutert Landrat Klaus Peter Schellhaas, Klinikdezernent des Kreises Darmstadt-Dieburg als Träger der Kreiskliniken.

Spezialausbildung für Allgemeinmediziner

Die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern geben vor, dass angehende Hausärzte sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich weitergebildet werden. So haben sie die Möglichkeit, alle Behandlungen und Abläufe ortsnah in Klinik und Praxis zu erlernen. In einem speziell auf die angehenden Allgemeinmediziner zugeschnittenen Rotationsplan werden auch deren fachliche Interessen flexibel berücksichtigt. Die Spezialausbildung schließt nach fünf Jahren mit der Facharztprüfung ab. „Noch während der klinischen Phase soll die Vermittlung zu einer Praxis stattfinden. Das ist eine wesentliche Erleichterung für die Jungmediziner. Und da die Weiterbildungsinhalte teilweise in der Klinik, teils in den Arztpraxen erlernt werden, wird auch die Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter Versorgung intensiviert. Davon profitieren die Kliniken, Allgemeinarztpraxen und künftig auch die Patienten“, sagt Christian Keller, Betriebsleiter der Kreiskliniken. Die Besetzung von Hausarztpraxen ist heute vielfach ein großes Problem. „Mit den jungen Kollegen in unserer Praxis bilden wir unseren Nachwuchs selber weiter. Und wir können Hilfe bei unserer Arbeitsbelastung gut gebrauchen. Das kommt auch den Patienten zugute“, meint Dr. Jutta Landenberger vom Ärztenetz Groß-Umstadt/Otzberg.

Wohnortnahe Gesundheitsversicherung ist Lebensqualität

Mit der Vorstellung der Weiterbildungsinhalte geht eine intensive Konzeptionsphase zu Ende, in der sich die Initiatoren Chefärzte Dr. Walter Dotzel (Klinik für Innere Medizin I), Dr. Martin Schunck (Klinik für Geriatrie) und Dr. Malte Kumm (Leiter Qualitäts- und Medizinmanagement) gemeinsam mit der Klinikleitung und dem Ärztenetz über die künftige Ausrichtung der Weiterbildung des hausärztlichen Nachwuchses in Südhessen verständigt haben. „Gerade für ältere Menschen ist der Hausarzt vor Ort häufig ein wichtiger Ansprechpartner“, sagt Dr. Malte Kumm, Leiter Qualitäts- und Medizinmanagement der Kreiskliniken.

Eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung sei deshalb ein Stück Lebensqualität, das die soziale Infrastruktur sichert und erhalten werden muss. 

 st

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Quelle: op-online.de

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