„Ansporn und Verpflichtung“

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Der „Ausbildungsoskar“ geht in diesem Jahr an die Firma Elb-Schliff. Geschäftsführer Heino Claussen-Markefka (vorne links) nahm den Preis aus den Händen des Leiters des Seniorenzentrums Bethesda, Tom Best, entgegen.

Babenhausen - Das Namenschild des 17-jährigen Marco Saul ist anders: Nicht nur sein Vorname ist zu lesen, sondern auch ganz groß „Suche Ausbildung im Metallbereich“. Von Michael Just

Damit machten die Schulabgänger, die am Mittwochabend im Seniorenzentrum Bethesda die Gäste bedienten, eindrucksvoll klar, was derzeit für sie wichtig ist: Für sie geht es um einen Ausbildungsplatz, von dem nichts Geringeres als ihre Zukunft hängt.

So konnten die Schüler mit ihrer Botschaft kaum besser zum „Ausbildungsoskar“ passen, der diese Woche zum vierten Mal verliehen wurde. Er zeichnet jährlich eine Babenhäuser Firma aus, die sich um die Ausbildung von Jugendlichen in der Stadt besonders verdient gemacht hat.

Initiator ist der Arbeitskreis „Arbeitgeber und Schule“, dem der Gewerbeverein, die Stadt Babenhausen, die Agentur für Arbeit, die Kreisagentur für Beschäftigung sowie lokale Schulen und Betriebe angehören.

Im letzten Jahr gewann das Seniorenzentrum Bethesda den Preis, so dass dessen Leiter Tom Best diesmal für die Ausrichtung und die Gestaltung der neuen Oskarfigur verantwortlich war. Die zeigt aktuell einen Senior, der komplett mit weißen Binden umwickelt ist und einen Stock trägt.

Auszeichnung für Unternehmen

Durch das Programm führten Klaus Pullmann (Offene Schule) sowie Ute Teuchner (Eduard-Flanagan-Schule), begeisternden Gesang steuerten Mechthild Best sowie der Chor der Offenen Schule bei. „Mit diesem Preis wollen wir Unternehmen auszeichnen die handeln“, machte Pullmann klar. Die böten mit der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen nicht nur Jugendlichen, sondern auch sich selbst eine Zukunft.

Laut dem Lehrer schlummern in vielen Schülern Talente, die diese nicht erkennen. Durch Praktika oder Börsen sei es eine Notwendigkeit, jene Veranlagungen schon möglichst früh in der Schulzeit zu erkennen. Zum gegenwärtigen Trend, dass es bald vermutlich mehr Lehrstellen als Auszubildende gibt, sagte Pullmann, dass dies kein Freibrief sei: „Jene, die ohne Ambitionen und Qualitätsdenken an die Sache rangehen, finden auch weiterhin keine Lehrstelle.“

Für den Ausbildungsoskar, zu dem ein Förderbetrag von 1500 Euro gehört, waren elf Babenhäuser Betriebe unterschiedlichster Profile nominiert. Den Sponsoren - Stadtverwaltung, Sparkasse Dieburg und Kieswerk Schumann & Hardt - oblag es, den Gewinner zu küren und das, wie vermutet, bestgehütete Geheimnis Südhessens zu lüften: „Und der Oskar geht an... die Elb-Schliff GmbH.“

Werkzeugmaschinenhersteller hat derzeit neun Azubis

Für das Babenhäuser Traditionsunternehmen nahmen Geschäftsführer Heino Claussen-Markefka und Ausbildungsleiter Filipe Azevedo den Preis entgegen. Der Werkzeugmaschinenhersteller hat derzeit neun Azubis, will diese Zahl laut Azevedo aber bald auf mindestens zwölf aufstocken.

„Für uns ist die Ausbildung ein zentraler Bereich, der nicht in die hinterste Ecke des Hofes gehört“, konstatierte Claussen-Markefka, der den Oskar als Ansporn auffasst. Die künftig große Verpflichtung von Elb sieht er darin, nicht nur den Jugendlichen das Fachwissen zu vermitteln, sondern sie in gleichem Maße aufgrund der Globalisierung und des weltweiten Exports von Elb mit fremden Lebenswelten vertraut zu machen.

Dem Preisträger gratulierten auch Dietmar Schöbel in Vertretung des Landrats sowie Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Laut Schöbel gelte es in einer Zeit, in der Lernfähigkeit, Flexibilität und Mobilität den Beschäftigten Großes abverlangten, die Menschen bei Veränderungen an die Hand zu nehmen und dabei Ökonomie und Sozialverpflichtung zu verbinden. Bürgermeisterin Coutandin freute sich über die Wahl der Elb-Schliff, da diese derzeit in besonderem Maße für Aufbruch und Innovation stehe. Für deren angestrebte Expansion sicherte sie die Unterstützung der Stadt zu.

Für Marco Saul nahm der Abend ebenfalls ein glückliches Ende: Elb-Ausbildungsleiter Filipe Azevedo sah das Namenschild des 17-Jährigen und seine Suche nach einem Platz: „Wir bilden im Bereich Industriemechaniker und Mechatroniker aus. Einfach mal eine Bewerbung schicken, dann gucken wir, was wir machen können“, lauteten die hoffnungsvollen Worte.

Quelle: op-online.de

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