Initiative für „etwas mehr Gerechtigkeit“

Anstoß für das „Fairtrade“-Siegel

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Im Landkreis gibt es neben dem Weltladen an der Babenhäuser Bummelgass’ (Foto) weitere in Dieburg, Groß-Umstadt und Weiterstadt.

Darmstadt-Dieburg - „Fairtrade“ löst nicht alle Probleme des Welthandels, ist aber für das Gros des Kreistages mehr als nur Symbolpolitik. Der Landkreis jedenfalls möchte ein „Fairtrade“-Siegel erhalten und muss dafür einiges tun.

Was ist das, „fair“? Vermutlich verhält es sich damit ähnlich wie mit dem Begriff „soziale Gerechtigkeit“: Jeder hat eine – emotional eingefärbte – Vorstellung davon, keiner einen Kriterienkatalog für objektive Beurteilungen. Dessen ungeachtet hat der Kreistag des Landkreis Darmstadt-Dieburg jetzt mit großer Mehrheit die Bewerbung um das „Fairtrade“-Siegel beschlossen.

Das Siegel wird von „TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der einen Welt“ mit Sitz in Köln nach bestimmten sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien vergeben. Dass ein einzelner Verein diese Kriterien formuliert und ihre Einhaltung überwacht, war für Ulf Seiler von der AfD Anlass zu Kritik. Aus anderen Gründen ging die Linke auf Distanz. Ihr Sprecher Werner Bischoff äußerte Zweifel daran, dass der Handel nach Fairtrade-Standards die Lage der Produzenten tatsächlich grundlegend verbessert, und forderte eine grundsätzliche Umstrukturierung des Welthandels.

Fast zynisch formulierte Bischoff: „Wer Fairtrade-Kaffee trinkt, macht die Welt mit jedem Schluck besser.“ Auf jeden Fall ist die Küche der Kreisverwaltung nach dem Beschluss nun gehalten, zu den Sitzungen „fair“ gehandelten Kaffee auszuschenken und ein weiteres „Fairtrade“-Produkt anzubieten.

Zur Erläuterung des Antrags aus den Reihen der Koalition von SPD, Grünen und FDP hatte die Kreistags-Vorsitzende Dagmar Wucherpfennig eigens die Sitzungsleitung an ihre Stellvertreterin Christel Sprößler weitergereicht. Nach ihren grundsätzlichen Erläuterungen und der grundsätzlichen Kritik Bischoffs sprach Sebastian Stöveken für die Grünen von einem „Beitrag für eine gerechtere Welt“ Der sei zwar mit höheren Beschaffungskosten verbunden, aber eine moralische Verpflichtung.

Dass „Fairtrade“ nicht alle Probleme des Welthandels löse, räumte für die FDP Wilhelm Reuscher ein. Aber es rühre an Ursachen für Not, Elend und Kinderarmut, setze dagegen einen respektvollen Umgang miteinander.

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„Fairtrade ist kein Thema von Gutmenschen“, kritisierte die CDU-Bundes- und Kreistagsabgeordnete Astrid Mannes ein recht gängiges Klischee. Es gehe um Mechanismen des Welthandels, die auch Fluchtursachen seien. Dass zu den „Fairtrade“-Kriterien für den Landkreis auch die Einrichtung einer Steuerungsgruppe gehört, nahm sie zum Anlass, auf ehrenamtliches Engagement zu pochen. Eine Ausdehnung des Stellenplans lehnte sie ab. Im Landkreis gebe es inzwischen vier „Weltläden“ mit „fair“ gehandelten Produkten: in Babenhausen, Dieburg, Groß-Umstadt und Weiterstadt – allesamt getragen von ehrenamtlichem Engagement. Die beste Sensibilisierungsebene für Belange „fairen“ Handels seien die Kommunen, mit denen der Kreis bei seiner Initiative den Schulterschluss suchen solle.

Die Reichweite des Kreishandelns ist ohnehin sehr beschränkt: Zwar kann die Kreisverwaltung einigen Einfluss auf den Bezug von „Rohstoffen“ für das Essensangebot in seinen Schulen nehmen, aber eben nur appellhaft auf das Verhalten der von Einzelhändlern und Gastronomen. (sr)

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Quelle: op-online.de

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