Antritt zum letzten Dienst

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Einmal im Jahr geht die Geschäftsleitung des Sozialwerks mit Schülern, Azubis, Zivildienstleistenden und jungen Leuten, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, kegeln. Jetzt war der „letzte Zivi“ mit dabei. Goher Karim Zeervi (Fünfter von links) ist seit diesem Monat dabei. Rechts hinter ihm steht der Mentor und Coach Benno Brzeski, der die jungen Erwachsenen regelmäßig betreut.

Babenhausen ‐ Goher Karim Zeervi beendet eine Ära im Seniorenzentrum Bethesda. Der junge Mann mit pakistanischen Wurzeln tut als deutscher Staatsbürger seine Pflicht und ist seit dem 1. Februar Zivildienstleistender - der letzte seiner Art, sozusagen.  Von Stefan Scharkopf

Das Sozialwerk weist darauf hin, dass es für 2011 noch freie Plätze im FSJ und im Bundesfreiwilligendienst anbietet. Beginn ist nach Vereinbarung. Für mehr Informationen: Frau Prattinger-Sauerwein oder Herr Wieseler, 06073 72860.

Seit die Wehrpflicht ausgesetzt ist, ist auch für die „Zivis“ Schluss. Dabei hätte Zeervi seinen Dienst nach dem 1. Januar 2011 gar nicht mehr antreten müssen, doch er hatte die Zusage bei Bethesda seit August und sagte: „Ich komme trotzdem.“ So bleibt er bis Ende Juli in Harreshausen und übernimmt vielfältige Aufgaben. Eine Entscheidung, die Bethesda-Geschäftsführer Tom Best natürlich freut. Seit 1983 hatte es die Möglichkeit gegeben, bei Bethesda seinen Zivildienst abzuleisten. 37 Stellen gab es, doch die waren meist nicht alle besetzt. Die Zivis, so Tom Best, waren im Seniorenzentrum zusätzliche Kräfte zu dem Stellenschlüssel der Pflegekassen. Etwa seit sieben bis acht Jahren ging deren Zahl nach unten. Der Wegfall der jungen Männer wird Bethesda jetzt nicht in Nöte bringen. Dennoch muss einiges anders organisiert werden. „Früher“, so Tom Best, haben wir beispielsweise die täglichen Fahrten zu den Ärzten, um Urinproben untersuchen zu lassen, von Zivis machen lassen, jetzt haben wird dafür geringfügig Beschäftigte.“ Auch für Essen auf Rädern, das Bethesda seit einiger Zeit anbietet, werden Menschen auf 400-Euro-Basis beschäftigt. Was auch weggefallen ist, sind Besorgungsfahrten für Senioren. So haben die Ersatzdienstler für die älteren Herrschaften die eine oder andere Besorgung im Supermarkt gemacht. Diese Beschaffungsfahrten hatte die evangelische Frauenhilfe auf ehrenamtlicher Basis übernommen.

Und die Senioren? „Die werden die jungen Männer sicher vermissen. Die haben gerne mit den Zivis geredet, von früher erzählt und sich ausgetauscht“, sagt Best.

Ein Stück Qualität geht verloren

Dennoch muss Bethesda auf junge Leute nicht verzichten. Wer etwa keinen Ausbildungsplatz erhalten hat und ein Jahr sinnvoll überbrücken möchte, hat mit dem Seniorenzentrum eine mögliche Anlaufstelle. Stichwort: Bundesfreiwilligendienst.

Kaum einer der Zivis möchte im Nachhinein die Erfahrungen des Dienstes am und für den Menschen missen. Und mancher hat seine Berufung gefunden, an die er ohne Zivildienst nie gedacht hätte. „Ich finde es schade, dass jungen Männern so die Möglichkeit genommen wird, den Beruf des Altenpflegers kennenzulernen“, sagt Mechthild Best, Leiterin und ebenfalls Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Bethesda und des Seniorenhauses Bethanien in Schaafheim. „Es ist ein Einstieg in einen Beruf, der bei Jungs sicher nicht als Traumberuf auf der Liste ganz oben steht.“ Nicht zuletzt habe auch der heutige Pflegedienstleiter von Bethesda durch den Zivildienst Einblick in eine für ihn seinerzeit unbekannte Welt erhalten.

Auch wenn die Leiterin meint, der Betrieb breche nicht zusammen, werde doch ein Stück Qualität verloren gehen, wenn der jugendliche Strom abreißt.

Nicht selten wird den Zivis nachgetrauert

„Die jungen Leute bringen Abwechslung in die Teams, manchmal knirscht es auch. Für die Senioren sind sie oft auch Freunde und Helfer, denen nicht selten nachgetrauert wird“, so Mechthild Best.

Damit die Belebung nicht ausfällt, hat das Sozialwerk bereits vor vier Jahren das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) eingeführt und sehr gute Erfahrungen damit gesammelt. Da die Pflegekassen diesen Dienst nicht bezahlen, werden inzwischen alle Spenden, die das Sozialwerk oder seine gemeinnützigen Tochterunternehmen erhalten, für diesen Dienst aufgewandt.

Quelle: op-online.de

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