Territorialmuseum

Installationen statt Dreschflegel

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Thilo Roth von der gleichnamigen Sickenhöfer Firma bei Parkettarbeiten.

Babenhausen - Von außen erinnert nichts mehr an das alte Gemäuer. Kein Putz, der abbröckelt, keine kaputten Scheiben, keine Spur von Verfall. Stattdessen frisch wirkende Farbe am sanierten Objekt. Von Stefan Scharkopf

Das Gaylingsche Anwesen in der Amtsgasse ist ein schmucker Bau und wird Ende des Jahres, so die Planung, offiziell als Territorialmuseum eröffnet. Wie berichtet, hatte Bauunternehmer Dieter Aumann das Anwesen gekauft, um es in ein Museum zu verwandeln, und eine Stiftung gegründet. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV), dessen Mitglied auch Aumann ist, wünscht sich seit Langem ein Museum. Im Inneren des auf 1555 datierten Hauses wird derzeit weiter gewerkelt.

Wer glaubt, nach der Eröffnung Dreschflegel oder eine Schusterwerkstatt in Augenschein nehmen zu können, irrt. „Wir wollen kein Heimatmuseum sein, wie es in der Region schon so viele gibt“, sagt HGV-Vorstandsmitglied Georg Wittenberger beim Rundgang. Dafür sollen Bildschirme, digitale Modelle und Installationen in den einzelnen Räumen als „Erlebniselemente“ mit den üblichen Schaukästen korrespondieren.

Rund 60 Quadratmetern Platz für Sonderausstellungen

Ins Hochparterre zieht die Bibliothek mit Leseraum ein. Neben den Werken des HGV werden auch Bücher und Schriften des Landkreises dort untergebracht, die der Babenhäuser Verein für den Kreis in Obhut hat. Nebenan ist auf rund 60 Quadratmetern Platz für Sonderausstellungen. Im ersten Stock gibt es vier Räume für Stadt- und Territorialgeschichte. Zunächst wird die Historie von Burg und Schloss behandelt. Zentrale Figur ist Cuno I. von Münzenberg, der den Bau 1200 an der südlichsten Spitze seines Herrschaftsgebiets als Wehrschloss errichtet hatte. Im selben Raum wird auch an die Burgmannen erinnert, etwa die Groschlags und Gaylings.

Das künftige Museum zeigt sich in neuem Glanz.

Der zweite Raum ist den Hanau-Lichtenbergern gewidmet mit Philipp I., der in der Stadtkirche begraben liegt. Der Verleihung der Stadtrechte und der Stadtwerdung Babenhausens wird im dritten Raum gedacht. Den Besuchern wird veranschaulicht, wie das Stadtbild im Mittelalter aussah, das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit sich etablierten. Urkunden, Münzen, diverse Abbildungen, historische Karten und Modelle, Maße und Gewichte werden zu sehen sein. Auf einer Buttonmaschine sollen sich die Gäste ein Wappen pressen können.
Bürgertum, Reformation, frühe Neuzeit sind die Schlagworte für die Gestaltung des vierten Raums. Zentralfigur ist natürlich Erasmus Alberus, auf den die Reformation in Babenhausen zurückgeht. Als Exponat wird unter anderem eine alte Kirchturmuhr aus Harreshausen zu sehen sein. Zum Ausruhen steht auch eine alte Kirchenbank zur Verfügung.

Judenverfolgung und Krieg wird nicht ausgespart

Im Dachgeschoss werden das 19. und frühe 20. Jahrhundert thematisiert. Militär, Rote Dragoner im Schloss, Bau der Kaserne und der Eisenbahn werden ebenso dargestellt wie die Industriegeschichte der Stadt mit der Cellba als zweitgrößtem Puppenhersteller im Deutschen Reich und der VDO. Platz eingeräumt wird auch den Räuberbanden, etwa dem Hölzerlips. Hier bekommt der Originalbrief des Richters einen Platz, der den Räuber verurteilt hat. Außerdem gibt es Porträts von Einzelpersonen. Etwa vom Oberförster Faustmann, der den sogenannten Spiegelhypsometer zur Vermessung von Bäumen erfand und auch heute noch in China und Kanada von Bedeutung ist. Oder von Friedrich Wilhelm Schulz, einem Zeitgenossen Georg Büchners, der in Festungshaft saß. Auch der spätere Begründer der Sektkellerei Kupferberg in Mainz schnupperte Kerkerluft. Er saß nach einem Duell im Babenhäuser Schloss ein. Schließlich gehört noch Rosa Ritter in den illustren Kreis, eine Mätresse des Hanauer Grafen.

Nicht ausgespart werden freilich auch die Kapitel Judenverfolgung und Krieg.

Im Keller wird die Vor- und Frühgeschichte thematisiert. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Hügelgräbern, wie sie im Wald von Harreshausen zu finden sind. Schilder sollen Besucher einladen, sich vom Museum aus auf eine Wandertour dorthin zu begeben. Im Außenbereich wird eine frühere Wohnung zum Magazin. Gedacht ist auch an ein Lapidarium für Grabsteine, die bei der Renovierung der Stadtkirche gefunden und nicht wieder im Gotteshaus platziert wurden.

Das Museum, das zeichnet sich ab, wird vieles bieten.

Quelle: op-online.de

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