„Knüpfen am Netzwerk ist wichtig“

Babenhausen - Zweites Projekt „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ neigt sich dem Ende zu. Etwa die Hälfte der Arbeitslosen hat eine Stelle gefunden. Von Stefan Scharkopf 

Sie unterscheiden sich in ihren Biografien, ihrer bisherigen Laufbahn, und die Altersspanne ist erheblich. Alle eint, dass sie als Arbeitslose Teilnehmer des Regionalprojekts „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ der Kreisagentur für Beschäftigung sind. Noch bis Ende April dauert das Projekt offiziell, das in Zusammenarbeit mit der Stadt Babenhausen angeboten wurde, dann ist Schluss und es läuft in einer anderen Kommune im Landkreis an. Im Rathaus gab es jetzt eine Abschlussveranstaltung.

Multimedia-Designer, Trockenbauer, Fachinformatiker sitzen an den Tischen. Eine junge Frau hatte das Abi nachgemacht, wollte eigentlich Jura studieren, konnte es aber nicht finanzieren. Ein anderer ist Koch, war aber vornehmlich als Lagerarbeiter beschäftigt. Aber auch Menschen, die nie einen Beruf gelernt haben, sind in der Runde zu finden. Seit Herbst 2013 läuft das Projekt, mit dem die Kreisagentur für Beschäftigung in einer kompakten Aktion versucht, arbeitslose Babenhäuser darin zu unterstützen, wieder einen Job zu finden und in Lohn und Brot zu kommen – und das möglichst vor Ort.

Durchaus mit Erfolg: Gleich zu Beginn des Projekts konnten zwei Teilnehmer einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Andere wiederum hatten nur wenig Hilfe nötig. Wie Projektleiterin Manuela Stumm sagte, gehen von 35 Teilnehmern 15 wieder arbeiten, elf davon in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Einer hat sich selbstständig gemacht, drei sind geringfügig beschäftigt. Einige müssen aufstocken.

Kontakt soll weiter bestehen

Aus Sicht der Kreisagentur ist das Projekt erfreulich verlaufen. Es heißt aber auch, dass immer noch eine ganze Reihe keine Arbeit hat und nach wie vor auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist. Das Projekt endet zwar, doch der Kontakt zu den Jobsuchenden, so Stumm, soll aber auch über Ende April hinaus bestehen bleiben.

Während im Sitzungssaal noch hängende Schultern bei einigen Teilnehmern zu sehen sind, haben sich die Gesichtszüge bei anderen entspannt. Ein Babenhäuser hatte kurz vor dem Abschlusstermin von der Projektleiterin erfahren, dass er eine Festanstellung bekommen hat und war entsprechend freudig überrascht. Zwar arbeitet er nicht in Babenhausen, aber unweit davon. Neun Leute wurden in der Stadt vermittelt. Was auch damit zu tun hat, dass die Babenhäuser Unternehmer dem Projekt positiv gegenüber stehen.

Wie bestehe ich einen Vorstellungstermin, was liegt mir, welche Fähigkeiten habe ich und gibt es für mich einen Plan B? Alle diese Fragen wurden in den Gesprächen mit Manuela Stumm angesprochen. Bewerbungsunterlagen wurden gesichtet und überarbeitet, Körpersprache und Rhetorik geübt. Wichtig war vor allem das Knüpfen von Netzwerken. Will heißen, Projektleiterin Stumm nahm an den Unternehmerstammtischen der städtischen Wirtschaftsförderung teil, bewarb ihr Projekt, knüpfte Kontakte – und stieß auf offene Ohren.

Direkter Draht

Wie die Fachbereichsleiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, Sylvia Kloetzel, sagte, hielt (und hält) die Stadt Kontakt und gibt auch Anfragen von Unternehmen weiter. Vieles läuft eben über einen direkten Draht.

Wenn auch nicht alle einen neuen Job gefunden haben, so konnten sich die Teilnehmer doch kennenlernen und es sind Freundschaften entstanden. Unterstützt haben sie sich auch. Mal passte jemand auf die Kinder auf, mal erzählte ein anderer von einem passenden Jobangebot. Sie haben auch auf anderer Weise profitiert, wie Roman Gebhardt, Leiter der Kreisagentur für Beschäftigung, sagte: „Alle haben sich weiterentwickelt und strahlen heute etwas Anderes aus als noch im vergangenen Herbst. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn das Regionalprojekt länger dauern könnte. Aber wir haben im Landkreis rund 10.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, um die wir uns kümmern müssen.“ Das Projekt vor Ort anzubieten habe sich als richtig herausgestellt, meinte Gebhardt. „Hätten wir es in Kranichstein an unserem Hauptsitz durchgeführt, hätten wir einige sicher nicht erreicht.“

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Vier Projekte bietet die Kreisagentur im Landkreis im Jahr an. In Babenhausen war es bereits das zweite. Start war 2008 in Messel. Wegen des Erfolgs hatte die hessische Landesregierung eine weitere Vollzeitstelle bei der Kreisagentur geschaffen, die genau dieses Vorhaben als Aufgabe hat, wie Claudia Goes, Leiterin des Regionalprojekts, sagte.

Quelle: op-online.de

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