Arbeitsplätze kontra Naturschutz

Babenhausen - Eine Fläche von rund 26 Hektar würde der neue Kiessee der Firma Schumann & Hardt nach dem Ende der Abbauarbeiten in etwa 30 Jahren einnehmen. Von Michael Just

Nach den Sommerferien werden die Stadtverordneten das Thema auf ihrer Tagesordnung haben und die Weichen für die Zukunft stellen. Gibt es kein grünes Licht, wären rund zehn Arbeitsplätze in einer wirtschaftlich äußerst rentablen Branche gefährdet. Unsere Zeitung beleuchtet vorab die Meinungen der Parteien. Nach den Standpunkten von Grünen, „Bürgern“ und Freien Wählern folgen heute noch SPD, CDU und FDP.

FDP

Nach seinem Wissen herrschen derzeit verschiedene Ansichten im Ortsverband vor. Eine Diskussion sieht er alles andere als einfach, da die Stadtverordneten 1995 schon einen richtungsweisenden Grundsatzbeschluss getroffen haben: „Es ist immer problematisch, etwas in Frage zu stellen, was bereits abgemacht wurde und worauf sich andere im gutem Glauben verlassen.“ Als Selbstständiger wisse er nur zu gut, was Planungssicherheit bedeutet. Dennoch schlügen zu diesem Thema zwei Herzen in seiner Brust und er verstehe auch die Argumente der Gegenseite. „Letztlich bin ich froh, dass ich persönlich über dieses Thema nicht entscheiden muss“, so der Vorsitzende.

CDU

Als eine mögliche Alternative kann sich Sahm auch mit der Idee anfreunden, Kies auf der jetzigen, unter Naturschutz stehenden Fläche hinter der Kaserne zu fördern und dafür die Magergrasflächen zu opfern. Auch wenn Sahm dabei mit dem Widerstand der Naturschützer rechnet, ist diese Idee für ihn nicht undenkbar, da die entstehende Wasserfläche aus seiner Sicht ebenfalls Naturschutz darstelle. Vor allem aber könnten die Landwirte ihre Fläche südlich der Dudenhöfer Straße behalten. „Bei der Entscheidung, ob landwirtschaftliche Fläche oder Magergras wichtiger ist, spreche ich mich klar für den Agrarsektor aus“, so Sahm. Laut Fraktionsvorsitzendem wird sich diese Frage vermutlich aber nicht stellen: „Eine geschützte Fläche umzuwandeln ist ein Prozess, der zehn bis 20 Jahre dauert. Das ist für Schumann & Hardt sicherlich zu lang.“

SPD

Für Bürgermeisterin Gabi Coutandin (SPD) ist der Verlust der Agrarfläche, der bei manchen Landwirten zehn Prozent ihrer Gesamtfläche ausmacht, nicht wenig: „Das ist eine Existenzfrage, weshalb wir nach Ersatzflächen schauen müssen.“ Dass in mehreren Stufen abgebaut wird und die letzten Flächen erst in rund 20 Jahren verschwinden, sieht sie als eine annehmbare Form des Übergangs: „Damit sollte die Landwirtschaft in der Lage sein, sich ein- und auszurichten.“ Zwei Jahrzehnte seien für Umstrukturierungen durchaus zumutbar. Bei den Bodenschätzen vertritt die Bürgermeisterin die Meinung, dass diese der Allgemeinheit gehören. Überdies stehe nicht in Frage, dass der Sand und Kies gebraucht werde.

Für Coutandin ist es positiv, dass die Politik in den letzten Jahren immer sensibler mit Umweltfragen umgeht. So werden Renaturierungen weitestgehend zur Pflicht und auch Fragen nach der Wiedernutzung durch die Bevölkerung einbezogen. Eine Renaturierung sei bei Schumann & Hardt ebenfalls vorgeschrieben. Wie Coutandin bemängelt, seien die Baggerseen in Babenhausen derzeit aber abgezäunte Privatgelände und nicht zugänglich.

Das Image der Kiesunternehmen und der Freizeitfaktor der Menschen lasse sich aber nur verbessern, wenn es zukünftig möglich ist, wenigstens Teile der Bevölkerung öffentlich zugänglich zu machen.

Auch wenn die Fraktionssitzung noch aussteht, sieht der stellvertretende Fraktionschef Willi Schäfer die Grundhaltung seiner Partei pro Kiesabbau. Seine persönliche Meinung basiert prinzipiell auf dem seit Jahren festgelegten Raumordnungsplan, dem damals alle Fraktionen zugestimmt haben. Wie er sagt, sei er dennoch offen für alle Gegenargumente. So müsse man sich durchaus über den Landschaftsverbrauch unterhalten. Die im Raum stehende Alternative, den Kiesabbau in den Wald zu verlegen, sieht er aber als zu blauäugig. Etwas verwundert ist Schäfer über die Haltung der Grünen, mit denen bisher zu diesem Thema eigentlich Konsens bestanden habe: „Ausgerechnet jetzt, wenn es ernst wird, kommt der Schwenk.“ Dazu würden Die Grünen seit Jahren ein emissionsarmes Gewerbe fordern. „Das ist eines und jetzt sind sie dagegen. Diese Argumentationslinie lässt sich nur schwer nachvollziehen“, so Schäfer. Die großen Parteien CDU und SPD wollen beide erstmal die Bauausschusssitzung am Mittwoch, 3. August, abwarten. Dazu haben sie vor diesem Datum Fraktionssitzungen anberaumt. „Ich will den Ergebnissen nicht vorweg greifen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm. Dennoch kann er eine Tendenz nach Gesprächen mit den Landwirten als auch Schumann & Hardt weitergeben. „Letztlich weist der Regionalplan den Kies als Bodenschatz aus“, so Sahm. Würde man den Beschluss der Stadtverordneten von 1995 nicht erneuern, bedeute das, dass man Investitionen im mittlerweile sechsstelligen Bereich vernichte. Deshalb wäre es für den Unions-Politiker sinnvoll, den angefangenen Weg auch zu Ende zu gehen. Dennoch: „Findet man danach keinen Weg, die Baggerseen wieder zu verfüllen, ist für uns ganz klar Schluss mit dem Kiesabbau“, so der CDU-Mann.Dr. Heinrich L. Kolb ist derzeit der einzige Stadtverordnete der FDP und dementsprechend auch der einzige Liberale, der zu diesem Thema im Parlament abstimmen darf. Da das Mitglied des Bundestages momentan im Urlaub ist, war er für eine Nachfrage nicht zu erreichen. „Der Ortsverband hat zu diesem Thema noch keine geschlossene Meinung. Das müssen wir erstmal in einer Sitzung klären“, sagt Babenhausens FDP-Vorsitzender Torsten Kind.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de/S. Hofschläger

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