Atemschutztrupp in Notlage

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Im Einsatz bei der Abschlüssübung war auch die DRK-Ortsgruppe Münster.

Babenhausen - Qualm dringt aus dem Wohnhaus zwischen der Volksbank und dem ehemaligen Tengelmann-Markt in der Platanenallee. An zwei geöffneten Fenstern im Obergeschoss rufen Menschen verzweifelt um Hilfe, als die Babenhäuser Feuerwehrleute am Einsatzort eintreffen. Von Petra Grimm

Auf dem Bürgersteig gegenüber stehen zahlreiche große und kleine Schaulustige, die das Spektakel interessiert beobachten. Pressesprecher Werner Flechsenhar informiert sie per Mikro über das Geschehen, denn die Freiwillige Feuerwehr der Kernstadt hatte am Samstag zu ihrer großen Abschlussübung eingeladen.

50 Aktive der Feuerwehr und vier des Münsterer DRK arbeiteten unter der Einsatzleitung von Siegfried Kinz Hand in Hand. Schwerpunkt des Trainings war neben der Bekämpfung eines Kaminbrandes die Menschenrettung mit den drei zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln: Sprungpolster, tragbare Leitern und Gelenkmast.

Das Sprungpolster, das als Erstes zum Einsatz kam, wird nicht direkt unter dem Fenster aufgebaut, aus dem der Hilferuf kommt. „Denn es besteht die Gefahr, dass der Sprung in das Rettungsgerät erfolgt, obwohl es noch nicht einsatzbereit ist. Erst nach vollständiger Entfaltung der Luftkammern wird es unter dem zu Rettenden platziert, und der Sprung in die Freiheit kann erfolgen“, sagt Flechsenhar. Eine andere „Bewohnerin“, die ebenfalls am Fenster steht und herauszuspringen droht, wird mit einer tragbaren Leiter aus dem Gebäude geholt. Mit Hilfe der Wärmebildkamera finden die Einsatzkräfte unter Atemschutz im Inneren des verqualmten Hauses einen weiteren Verletzten und führen ihn mit der Fluchthaube nach draußen. Der vierte Vermisste wird von der Fensterbank in den Rettungskorb des Gelenkmastes gehoben.

Bilder der Abschlussübung

Abschlussübung der Feuerwehr

Zeitgleich zu diesen Rettungsaktionen kümmern sich die Feuerwehrleute um den Kaminbrand, der sie vor eine besondere Herausforderung stellt, wie Flechsenhar erläutert: „Normale Löschmittel wie Wasser sind nicht einsetzbar, denn bei einem Kaminbrand entstehen Temperaturen weit über 1 000 Grad. Wasser verdampft sofort und durch hohen Druck und die entsprechende Dampfmenge wird der Schornstein quasi gesprengt. Daher muss der Kamin kontrolliert ausbrennen. Das wird durch den Entzug von Sauerstoff erreicht.“ Aus diesem Grund konzentrieren sich die Feuerwehrleute darauf, so genannte Sekundärbrände zu vermeiden. Da die Wände des brennenden Kamins stark aufgeheizt werden, entfernen die Einsatzkräfte alle brennbaren Gegenstände, wie beispielsweise Möbel, aus der Umgebung. Direkt angrenzende Bauteile werden mit der Wärmebildkamera gründlich kontrolliert, um versteckte Brände und Glutnester zu entdecken. Nachbargebäude - in diesem Fall das Tengelmann-Gebäude und eine hinter dem Wohnhaus stehende Scheune, die durch den Funkenflug gefährdet sind – werden mit Wasser aus dem Ohlebach und einem Hydranten geschützt. Als Überraschungsmoment für die Einsatzkräfte war eine dramatische Situation eingebaut, die für einen besonderen Adrenalinstoß sorgte. Über Funk wird die Notlage eines Atemschutztrupps gemeldet. „Für diesen Fall steht immer ein Sicherungstrupp bereit, der sofort zur Rettung der Kameraden ins Gebäude geschickt wird“, erklärt Einsatzleiter Siegfried Kinz. Mit einem Rettungstuch wird ein Atemschutzträger ins Freie gebracht und dem DRK übergeben.

Um das Risiko für die Einsatzkräfte unter Atemschutz zu verkleinern, wird in Abständen per Funk der aktuelle Druck in den Atemschutzgeräten abgefragt. „Wenn eine bestimmte Warnschwelle erreicht ist, werden sie zum Rückzug aufgefordert“, sagt Flechsenhar. „Wenn wir nach einer festgelegten Zeit keine Meldung vom Atemschutztrupp bekommen, müssen wir von einer Gefahr ausgehen. Es könnte einer bewusstlos sein, weil er vielleicht gestürzt ist. Dann geht sofort der Sicherungstrupp rein. Außerdem gibt es den so genannten Totmannwarner, der am Atemschutzgerät angebracht ist und einen Signalton abgibt, wenn man sich nicht mehr bewegt. Dadurch wird die Suche im Notfall erleichtert“, erklärt Kinz, der mit dem Übungsverlauf zufrieden war. Flechsenhar forderte das Publikum auf, die Arbeit der ehrenamtlichen Truppe durch fördernde Mitgliedschaft oder aktiv zu unterstützen. „Wir haben Stellen frei“, sagte er augenzwinkernd. Jeden Donnerstag ab 19 Uhr nehme man im Stützpunkt „Bewerbungen“ entgegen.

Quelle: op-online.de

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