Herzkrankheiten

„Auch Goethe starb am Infarkt“

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Organisator Uwe Bülter (links) und der Landtags-Abgeordnete Manfred Pentz „arbeiteten“ bei der TVB-Animation zusammen.

Babenhausen - Nehmen wir an, ein Mensch wird 70 Jahre alt. Dann schlägt sein Herz in diesem Leben 2,5 Milliarden Mal – und hat dabei schon vor der Geburt mit der Arbeit begonnen. Von Jens Dörr

Um den faustgroßen Muskel, der unseren Körper bis in die Finger- und Zehenspitzen hinein mit Blut und damit Nährstoffen versorgt, drehte sich am Mittwochabend in der Babenhäuser Stadthalle alles: Der Herztag des Landkreises Darmstadt-Dieburg stand unter dem Titel „Koronare Herzkrankheit erkennen und behandeln“. Der Schaafheimer Uwe Bülter hatte als ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung die Veranstaltung federführend organisiert. Mit 250 meist älteren Zuhörern und reichlich Wirtschafts- und Politprominenz fand die Veranstaltung einen stattlichen Zuspruch.

Starke Referenten sorgten für einen informativen und trotz rund dreistündiger Dauer kurzweiligen Abend. Dass die Herzforschung eine lange Geschichte hat, beleuchtete Dr. med. Michael Stanisch, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin (Kardiologie und Angiologie) an der Groß-Umstädter Kreisklinik. An Mumien seien verkalkte Kranzgefäße nachgewiesen worden. Herzprobleme gab es also auch schon vor mehreren tausend Jahren. Und schon vor langer Zeit näherte man sich den Risikofaktoren dahingehend, indem man schlicht beobachtete, dass korpulente Menschen häufiger „einfach so, plötzlich“ verstarben. Freilich nannte man die Todesursache nicht schon immer Herzinfarkt – geschweige denn, dass die Behandlung erfolgversprechend durchgeführt wurde.

Holzsägen statt Dauerlauf

Es dauerte schon bis ins 18. Jahrhundert, dass erste Therapien verschrieben wurden: neben Opium und Likör auch körperliche Betätigung. Statt Dauerlauf oder Nordic Walking wurden Patienten damals Aktivitäten wie Holzsägen empfohlen. Als eins seiner Idole nannte Stanisch in seinem Vortrag William Harvey, der der erste Wissenschaftler gewesen sei, der detailliert den Blutkreislauf beschrieben habe. Auch Johann Wolfgang von Goethe sei im Übrigen an einem Herzinfarkt gestorben, berichtete Stanisch. Seit Harvey nahmen Diagnostik und Therapie koronarer Herzerkrankungen eine stetige Entwicklung zum Wohle der Patienten, wobei die Rasanz in den vergangenen 50 Jahren noch einmal stark zunahm: Starben in den 60er Jahren noch rund 30 Prozent der Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, seien es heute nur noch fünf bis acht Prozent, so Stanisch.

Dr. Philip Koniordos schilderte Risikofaktoren für einen Herzinfarkt.

Damit es erst gar nicht so weit komme, könne man viel selbst tun, referierte hernach Philip Koniordos. Dem Arzt der Kardiologischen Praxis in Dieburg ging es um die Vermeidung von Verengungen der Blutbahnen, die letztlich Auslöser für Herzinfarkte sind. Koniordos differenzierte zwischen Risikofaktoren wie Alter und genetischer Veranlagung, auf die Menschen keinen Einfluss haben, und „hausgemachten“ Risikofaktoren. Deren Liste ist länger. Vier Hauptrisiken stellte der Mediziner des St. Rochus Krankenhauses heraus: hoher Blutdruck, Rauchen, hoher Cholesterinwert, Diabetes. „Das alles ist beeinflussbar“, sagt Koniordos in seinem Vortrag, der für das Auditorium einen hohen Nutzwert besaß. „Man muss die Risikofaktoren kennen, sie vermeiden und behandeln.“ Wer rauche, besitze als Mann eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu erleiden als ein Nichtraucher. Bei Frauen sei das Risiko sogar sechsmal so hoch. Eine von Koniordos’ guten Nachrichten: „Wer mit dem Rauchen aufhört, hat schon nach zwei bis drei Jahren eine deutliche Risikominderung und fast das gleiche Risiko wie Nichtraucher.“ Aufhören lohne sich also.

Messe mit Infoständen

Nach Koniordos animierte die Herzsportgruppe des TV Babenhausen unter Leitung von Bert Bernhardt – der Vorsitzende des TVB leitet auch dieses Angebot des Vereins – zum lockeren Herzsport mit Luftballons. Ob gewollt oder nicht, jeder kam so mit seinem Nachbarn in Berührung. Dr. med. Michael Weber, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II (Kardiologie und Angiologie) an der Groß-Umstädter Kreisklinik, widmete sich im Anschluss verstärkt dem Thema Herzkatheter, ehe sich Dr. med. Mathias Göbel, im Landkreis Leitender Notarzt, speziell mit der Erkennung und Behandlung eines Herzinfarkts befasste.

Bei der Veranstaltung, deren Schirmherren Landrat Klaus Peter Schellhaas und Bürgermeisterin Gabi Coutandin waren, gab es zudem eine kleine Messe mit Infoständen, an denen der TV Babenhausen, die Herzstiftung, das DRK und die Sozialstation Babenhausen-Schaafheim Fragen beantworteten und Schriftliches mitgaben.

Quelle: op-online.de

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